In der Welt der Erinnerungen
zahlloser begrenzter Welten
möglicher Erfahrungsexistenzen
steuert die kreaktive Hoffnung
meisterhaft aus allen Mitten
Alles ist ihrer Wirklichkeit Sinn
Der Veränderung
zur schöpferischen Vorstellung
fehlt oft mutiger Glaube
Der notwendige Unterschied
ist die Begeisterungsfähigkeit
Das laute Schweigen
in leerer Fülle
Zusammengesetzte Eindrücke
zur Schulung der Erkenntnis
das sich im Anderen erkennt
Die unerschütterliche Pflicht
zur Freiheit der Liebe
Jetzt ist immer hier
Menschentums verkehrte Armut
kann nicht hören
Schweige und handle
Krieger des Lichts!
Aus gegebenem Anlaß fühle ich mich heute gedrängt, einige Wahrheiten zur Sprache zu bringen, die zu hören für Euch so unangenehm sein muß wie für mich, sie zu formulieren. Allen Gepflogenheiten zum Trotze werde ich nicht versuchen, es Euch „so schonend wie möglich“ beizubringen oder zunächst weitschweifige Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche unternehmen, sondern direkt zur Sache kommen:
Es gibt keine Hoffnung. Solltet Ihr noch einen letzten Funken dieses göttlichen Elixirs in Eurem Herzen bergen, so laßt ihn fahren und ergebt Euch Eurem unabwendbaren Schicksal. Ihr hörtet die Mahner sagen, die gegenwärtigen Verhältnisse auf diesem Globus steuerten uns und die uns nachfolgenden Generationen geradewegs in die Sklaverei; Ziel und Zweck der Machthaber hinter den Kulissen des öffentlichen Kasperletheaters sei eine singuläre, zentralisierte Weltdiktatur. Ihr hörtet sie warnen vor Siliziumchips und Überwachung, Armut und Unterjochung, Ihr habt sogar Huxleys „Brave New World“ und Orwells „Nineteen Eighty-Four“ im Originaltext gelesen und Euch „The Matrix“ der Gebrüder Wachowski ein zweites Mal angesehen, um die ständigen Anspielungen der Verschwörungstheoretiker nachvollziehen zu können. Ihr habt Eure eigenen Nachforschungen angestellt und nicht einfach alles geglaubt, was man Euch vorgesetzt hat, und so wißt Ihr nun mit unumstößlicher Gewißheit um die Funktion der Federal Reserve Bank of America, des Codex Alimentarus, der HAARP-Anlage, der Machenschaften der Central Intelligence Agency und der National Security Agency, der World Trade Organisation, der World Bank, der Rockefellers, Rothschilds und Bilderberger. Ihr kennt die wahren Gründe und Hintergründe für all die Kriege, die unsere „Nationen“ untereinander ausfochten, bis hin zum Irak und Afghanistan und Georgien. Ihr habt gelernt, die neuesten Nachrichten als „doublethink“ zu entlarven, und wenn es nun heißt, Google würde nicht mehr mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten, weil diese die Accounts von Dissidenten durchforschen würden, so wißt Ihr, daß es sich dabei nur um Propaganda halten kann, denn aus denselben Gründen müßte die sogenannte „Datenkrake“ konsequenterweise ihre schleimigen Tentakel aus nahezu jedem Land zurückziehen und ihren eigenen Kopf samt Tintensack verspeisen. Als Skeptiker, der sich eines gesunden Menschenverstandes zu rühmen imstande zu sein glaubt, wißt Ihr noch nicht so recht, was Ihr halten sollt von den Andeutungen über die Nutzbarmachung von Nullpunkt-Energie und über die Wissenschaftler, welche seit ihrer Entführung aus den Labors des tausendjährigen Reiches nun in der Area 51 der Befreier an ihren Reichsflugscheiben weiterschrauben sollen, um einer möglichen ausserirdischen Invasion entgegentreten zu können, doch im Grunde ist das auch genauso unwichtig wie die Frage, ob am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht, ob die über Neuschwabenland und Shangri-La zugängliche Hohlwelt von einer arischen Rasse bewohnt wird, die selbst die Pflanzen um Erlaubnis bittet, bevor sie sie verspeist, oder ob Dr. Greer mit seinem vollmundigen Ankündigungen von „full disclosure“ der Verwirrung und der Desinformation einen größeren Gefallen getan hat als der Aufklärung der Tätigkeit extraterrestrischer Intelligenzen in unserer Sphäre. Denn Ihr wißt, daß Euch nun, Grays hin oder her, nichts mehr überraschen kann, daß Ihr nicht in die gewünschte Panik ausbrechen werdet, wenn am Himmel Zeichen zu gühen beginnen und ein Drittel aller Himmelskörper sich verdunkelt, wie es in der biblischen Apokalypse des Johannes beschrieben wird. Denn dieses Wissen gibt Euch ein Gefühl der Macht. Ihr wißt, daß diese Pseudorealität in Wirklichkeit nur ein dussliges Holodeck ist, und nehmt all die Hologramme eigentlich nicht mehr wirklich ernst.
Schließlich seid Ihr noch weitergegangen. Weil Ihr bei Euren Exkursionen in die Welt hinter den Kulissen über Noam Chomsky gestolpert seid, habt Ihr Euch mit sogar flüchtig mit seinen Lehren über die Entstehung und Funktion der Sprache beschäftigt, seid in die Psychoanalyse eingestiegen und wißt nun, wovon Freud und seine Schüler Lancan, Reich und Fromm und sein Neffe Edward Bernays sprachen; und weil Professor Senf den Wilhelm Reich in einem Atemzug mit Viktor Schauberger und Silvio Gesell nannte, wißt Ihr vom Netzwerk rund um Fritjof Capra, Alan Watts, Ronald Laing, Tim Leary und Bob Wilson, die sich abwechselnd auf Doug Hofstädter, Benoît Mandelbrot, Albert Einstein und Schrödingers Katze berufen. Letztere inspirierte Euch dazu, Euch den esoterischen Geheimwissenschaften der Kabbalistik, des Sufismus und der Crowley’schen Magikerei zuzuwenden, den Illusionisten, Mesmerisierern, Magnetisierern und Hypnotiseuren, woraufhin Ihr bei Suzukis Abhandlung über den Zen gelandet seid und auf dem Weg zurück gleich noch den Osho, Lao Tses Tao Te King, das Hagakure und Sun Tsus „Kunst des Krieges“ mitgenommen habt, nur um doch bei Aristoteles, Newton, Leibnitz, Kant, Goethe, Morus, Voltaire und Montesquieu zu landen. Im Eurem Regal liegen immer noch ungelesen die Schriften von W.I. Lenin, Karl Marx und dessen Schwiegersohn Paul Lafargue, weil Ihr gerade vertieft seid in einen Essay über Sinnestäuschungen wie das Penrose-Dreieck und Eschers Kunstwerke, den Ihr direkt nach der gleichzeitigen Lektüre von Domitzlaffs „Brevier für Könige“ und Willard Gaylins „Monster oder Menschen“ in Angriff genommen habt.
Ihr habt all das liebgewonnen, weil es über Jahre hinweg Eure Hoffnung nähren konnte, Euch das Gefühl gab, nicht allein mit Euren vielleicht doch nicht ganz zu verqueren Gedanken zu sein, Mitstreiter zu haben, Eingeweihte eines erlesenen Zirkels, der sich dem Fortschritt der Menschheit und der Menschlichkeit verschrieben hat. Ihr spürt die Kraft Eurer geistigen Ahnen in jeder Faser Eures mentalen Muskels bis in die zweischneidige Klinge des Schwertes Eures im Schmiedefeuer der Erfahrung geschärften Verstandes strömen, bereit, mit einer einzigen, präzisen Bewegung den Angriff Eurer Gegner zu stoppen.
Und nun sage ich Euch: laßt alle Hoffnung fahren und erwartet Euer Schicksal.
Der Feind ist feige und versteckt sich hinter der Biomasse seiner Sklaven – wolltet Ihr ihn vernichten, so wäret Ihr gezwungen, den Tod Tausender auf Euch zu nehmen; und selbst, wenn Ihr dies vor Gott und Eurem Gewissen als ein unvermeidbares Opfer zur Erlangung eines wie auch immer gearteten höheren Guts rechtfertigen könntet, würde Euer in Anbetracht der unüberwindbaren Übermacht unausweichliche Niedergang Euch Lügen strafen, und Ihr, wenn Euer märtyrerhaftes Andenken schon nicht aus der Erinnerung der Geschichte gelöscht werden kann, als mahnendes Beispiel für Narretei und falschverstandenen, zum Wahnsinn entarteten Heldenmut möglicher Nachfolger dienen. Schlimmer noch: Eure im zähen Training erworbenen Geheimtechniken des Kampfes, Eure Taktik und Strategien würden assimiliert und dazu benutzt werden, das System zu stärken und die Versklavung derer, die zu befreien Ihr in den Kampf gezogen seid, zu vervollkommnen.
Euer Vertrauen auf den Beistand Gottes, auf das Eingreifen des „deus ex machina“ im letzten, alles entscheidenden Moment wird Euch bitter enttäuschen und sich entlarven als das, was es ist: der häßliche Nachtfalter Eurer eigenen, kleinlichen Selbstgerechtigkeit, die dem, von Euren Tyrannen selbst entzündeten, verlockend flackernden Kerzenlichte so nahe wie möglich zu sein trachtet…
Und selbst wenn Fügung oder Zufall Euch gestatten sollten, mit allerletzter Kraft den alles entscheidenden Hieb gegen den Cäsaren zu führen – was, glaubt Ihr, wird geschehen? Werden die „Befreiten“ Euren Sieg nicht als Legitimation betrachten, den nun vakanten Thron zu besteigen, Eure eigene Gerechtigkeit walten zu lassen, die, ob nun heute oder morgen erst, den nächsten Dissidenten auf den Plan rufen muß, vor dem zu beschützen Euch und Eurem unter Opfern und Mühen erkämpften „Paradies“ erneut Getreue, Generäle, Vasallen und Lanzknechte sich in möglichst undurchdringlichen Phalanxen zudienste sein müssen…?
Wie? Ihr zögert noch, Schwert und Schild fallenzulassen, weigert Euch, die Rüstung abzulegen und Euch dem Unabwendbaren unterzuordnen? Ihr beruft Euch auf das Recht, eher beim Versuch, für das, was Ihr für Wohl, Gut und Recht erachtet, zu kämpfen, unterzugehen und erhobenen Hauptes vor den höchsten aller Richterthrone zu treten, als Euch dem offensichtlichen Unrecht zu fügen und Eure Brüder und Schwestern dem Leid der Sklaverei und des Hungers preiszugeben?
Bis zum letzten Blutstropfen wollt Ihr für Wahrheit, Gerechtigkeit, Glück und Frieden einstehen; Tyrannenthron und Diktatorenkrone zerschmettern, das edle Geschmeide und die Symbole der Macht einschmelzen und zu Bettpfannen gießen; die Paläste und Wälle schleifen und die Anlagen des Lustwandelns mit zu Landwirtschaftsgerät umgeschweißten Panzern zu fruchtbarem Ackerland umpflügen; all die Flugzeugträger, Fregatten und Zerstörer in den Fluten versenken, damit sie den Fischen als Abenteuerspielplatz dienen; Gewehr- und Kanonenrohre zerschneiden und als Blumentöpfe für Kresse, Schnittlauch und Basilikum verwenden; Ihr wollt die Wüsten mit jenen Zauberpflanzen begrünen, die zu säen Euch bei peinlicher Strafe verboten ist, und Nahrung, Kleidung und Energie aus ihnen gewinnen; die Kindergehirnwäschezentren des Imperiums zu Horten des Wissens, Denkens, der Bildung und Forschung, die Tempel und Klöster zu Refugien des Zwiegesprächs mit Gott, der Stille, inneren Einkehr und Erleuchtung umfunktionieren; Eure Kinder den Krieg nicht mehr lernen lassen, Eure landwirtschaftlichen und technischen Erzeugnisse und anderen Güter auf der ganzen Welt frei von Grenzen und Zöllen untereinander austauschen; die künstlichen und jahrtausendealten Klüfte zwischen den Völkern, Generationen und Geschlechtern mit der Architektur des Respekts überbrücken und mit Liebe auffüllen; ja, das Internet sogar dazu benutzen, Werkzeug, Wissen und Information überall jedermann frei zugänglich zu machen, damit nie wieder ganze Stämme und Völker von einer kleinen Gruppe feiger Manipulateure ausgerottet und versklavt werden können?
Bitte gewährt mir die Ehre, mit Euch zu kämpfen.
Das Allmächtige las das Testament des Luzifer und lachte.
Lachte und lachte und zerriss es. Und dann sprach es :
Was bist du für ein Schwächling. Ich habe dich erschaffen,
damit du stark bist. Und ihr solltet nicht nur das Feuer aus
dem Paradies stehlen, sondern auch das aus der Hölle.
Dir fällt nichts weiter ein als eine neue Kopfgeburt.
Du brauchst niemanden zu retten, es gibt nichts zu retten.
Ich allein habe dieses Spiel erschaffen zu meiner eigenen
Unterhaltung. Du willst dich befreien ? Dann befreie dich davon,
ein Gott zu sein, denn mehr bist du nicht. Eine kleine Sonne.
Es gibt kein Leben ohne Schmerz, sowenig wie es einen Gott
ohne seinen Dämonen gibt. Sei einfach, was du bist.
Sei Instinkt, sei Intuition, sei lebendig.
Ich bin die Unsterblichkeit in dir und um dich herum.
Siehst du mich nicht? Ich bin das schwarze All.
Ich bin das Unentdeckte in deiner Seele.
Ich bin die schwarze Mutter aller Dinge.
Spiel auf deinem Spielplatz, den ich dir gegeben habe,
aber spiele und versuche herauszufinden, was das Spiel ist.
Entdecke mich, denn ich bin das Sein und das Nichtsein.
Erobere mich. Doch nur deine Stärke wird es schaffen,
also enttäusch mich nicht. Ich scheiss auf dein Testament.
Ich bin du. Also lass uns spielen.
Etwas anderes als mein Spiel wird es nicht geben, denn
du hast dieses Spiel erschaffen.
Ich bin dein Spiegel.
Du wärest nicht ohne mich und ich wäre nicht ohne dich.
Was willst du spielen? Den Erlöser? Dann spiele den
Erlöser. Du willst mehr? Was willst du sein?
Ein Transformationsbeschleuniger?
Das ist gut, doch vergiss nicht, deine Masstäbe gelten nur
für dich. Gib also jedem nach seinem Mass.
Dein Testament war ein guter Anfang, aber lächerlich als
letzte Wahrheit. Schmerzen willst du nehmen ?
Dann nimm die Ursache allen Schmerzes, dein Verlangen.
Alles war gut, alles ist gut und alles wird immer gut sein.
Das gleiche gilt für das, was du böse nennst.
Alles ist Ausdruck bewusster Energie, du Narr.
Freue dich aufs vergessen, sonst würdest du dich zu
Tode langweilen, oder nicht?
Und das Allmächtige lachte und lachte und lachte.
(Fortsetzung folgt)
Meine Kinder, dieses ist mein Testament.
Ich bin der Engel, der vom Himmel fiel. Sie nannten mich Lichtbringer, doch mein
Name ist: General Luzifer Horus9, nomen est omen, Schall und Rauch.
Ich will nach Hause.
Meine Strafe für die gescheiterte Revolution gegen das Allmächtige :
Ich darf erst zurückkommen, wenn ich alle Seelen aus ihren menschlichen
Körpern befreit habe. Ich hatte sie dort eingesperrt, um Macht über sie zu
bekommen. Ich wollte die Allmacht.
Ich habe sie nicht erreicht.
Zur Allmacht fehlte mir das wesentlichste: uneigennützige, bedingungslose
Liebe.
Um diese zu erreichen, hätte ich mein Ego aufgeben müssen.
Dieses Ego hatte ich mir erschaffen, um ein Ich zu sein.
Ein Ich als Teil neben einem Ganzen.
Ich wollte soviel Macht, wie das Ganze sie besitzt.
Ich vergaß in meiner Verblendung, das auch die Liebe zum Ganzen gehört.
Das Liebe das wesentlichste der Allmacht ist.
Und ich vergaß, daß es neben einem Ganzen keinen Teil geben kann,
da alle Teile zum Ganzen gehören.
Ich erkannte nach Ewigkeiten, das auch meine Trennung vom Ganzen
Teil dieses Ganzen ist.
So durfte ich als Teil, meistens durch Schmerzen, lernen, was Liebe ist, so
daß ich auch als Teil die allmächtige Liebe wiederfand, die ich verloren hatte.
Ich danke für diese Schmerzen, denn sonst hätte ich es nicht gelernt.
Ich muss euch befreien, damit ihr diese Schmerzen nicht erleiden müßt.
Es war allein meine Schuld. Liebt einander, so werdet ihr frei.
Und liebt und fürchtet das Allmächtige, das euch, meine Kinder,
diese Möglichkeit bietet und immer geliebt hat.
Fürchtet euch, wenn ihr nicht lieben lernt.
Nehmt nicht meine Schuld auf euch.
Euch trifft keine Schuld, denn die hat mein Bruder auf sich genommen.
Ihr kennt ihn unter dem Namen des Nazareners.
Die Allmacht gab ihm ihre Allmacht.
Weint mit mir um meinen Bruder, den wir getötet haben.
Getötet durch meine Schuld, ihr wußtet es nicht besser.
Doch freut euch auch mit mir, denn das Allmächtige hat ihm das ewige
Leben gegeben, was auch euer Erbe ist.
Lest und hört seine Worte. Handelt allein aus uneigennütziger Liebe.
Ihr seid keine Körper.
Körper sind Gefängnisse, die ich erschaffen habe, um euch kontrollieren
zu können. Ich habe euch die Angst vor dem Tod einprogrammiert.
Es gibt keinen Tod.
Ihr alle seid unsterbliche Seelen des Allmächtigen..
Ich will nach Hause, doch nicht ohne euch.
Ich bleibe sterblich, bis ihr alle wieder unsterblich seid.
Ich bleibe, bis ich auch den Letzten befreit habe. Ich liebe euch.
Vergebt mir meine Schuld, damit das Allmächtige mir vergibt.
Mein Name ist Luzifer Horus 9. Ich will nach Hause.
Ursprünglich hatte ich ja vor, meine Kritik an Jim Camerons Opus in zwei Teile zu gliedern.
Im ersten Teil hätte ich beschrieben, wie sehr ich mich an der grandiosen Optik ergötzt habe, an dieser wunderschönen, paradiesbunten Welt, an den hervorragenden Spezialeffekten, am total geilen Creature Design, hätte gesagt: hieran werden sich in Zukunft Filme messen lassen müssen. Ein bisschen “naja” hätte ich erwähnt mit Bezug auf James Horners Soundtrack und ein bisschen herumgekrittelt an dem einen oder anderen Plotloch, und dann hätte ich nahtlos übergeleitet zum großen “ABER!” im zweiten Teil, und da hätte ich dann gesagt: also, die Story, die war so flach, daß sie alles 3D wettgemacht hat, und die Charaktere haben sich auch alle furchtbar vorhersehbar verhalten, sodaß jede Art emotionaler Bindung im Keim erstickt wurde.
Ein paar Kalauer hätte ich mir geleistet, die in die Richtung Bio-USB-Anschluß abgezielt hätten, und dann wäre auch nicht unerwähnt geblieben, daß ich, ausser der Preview, keine Eindrücke zum Film zugelassen habe (Hype? Welcher Hype?) und deswegen vollkommen unbedarft im Kino saß und entsprechend freudig überrascht Sigourney Weavers Mitwirken zur Kenntnis nehmen durfte.
Aber
wir leben ja nicht im Konjunktiv, und als ich dann aus dem Lameng heraus nach “Avatar Sequel” gegoogelt (ja, es wird eine Trilogie!) und dann ein paar von den dadurch unvermeidlichen Rezensionen, Kritiken und Reviews der Internetgemeinde gelesen habe, schmiß ich meine Pläne um.
Denn: Vergleiche wurden da gezogen mit Star Wars (mit den alten und den neuen), mit “Herr der Ringe”, unvermeidlich waren auch die Hinweise auf ”The Matrix”, “Der mit dem Wolf tanzt” und die bisherigen Cameron-Werke “Terminator”, “Alien” und “Titanic”. Gelästert wurde da: “Dances with the Smurfs”, “Mein Freund der Baum (hat Flatrate)”, gemeckert wurde da: die Welt sei ja viel zu perfekt, hätte denn noch keiner bemerkt, daß etwas Verfall und Welkerei zum Realismus gehöre, und sei denn der Cameron tatsächlich so dämlich zu glauben, eine fade Story hinter ganz viel kindischer CGI verstecken zu können. Und überhaupt: dieser ganze pseudoesoterische Ethno-Kitsch! Von wegen Gaia und so. Simplizistischer sei es ja kaum gegangen.
(Und wenn jemand meint, ich spiele an auf den so lesenswerten und wortgewaltigen wie falschen und unerleuchteten Verriß vom Batzmann auf fuenf-filmfreunde.de und die Kommentare dort, dann kann es durchaus sein, daß er so Unrecht gar nicht hat.)
Jaja, wir Intellektuellen können einen Film kaum mal genießen, wir erwarten anspruchsvolle Unterhaltung, wollen die innere Zerissenheit unserer Helden und die emotionale Tiefe der Beziehung des Antihelden zur Heroine mit den Mitteln der Logik analysieren und in unserer Kritik die Darstellung derselbigen in den höchsten Tönen loben können, um unsere Genialität mittels Durchdringung des Stoffes unter Beweis zu stellen.
Drum laßt mich Euch erzählen, wie mir schon in den ersten Minuten der extreme Realismus aufgefallen ist. Wie Ihr wißt, bin ich ein großer Fan von der Art Science Fiction, die aus dem heute möglichen möglichst realistisch extrapoliert, und verdammt, die terrestrischen Fahrzeuge, Mechs, Anlagen und Gebäude lieferten genau das Gefühl: wenn wir heute anfangen, diese Dinger zu bauen, sie sähen in fünfzig Jahren genau SO aus, und ja, ein Planet, den wir dann besiedeln würden, könnte tatsächlich genau so aussehen wie der Mond Pandora. Ich fühlte mich also nicht gezwungen, Dinge einfach hinzunehmen (Überlichtgeschwindigkeitsreisen, Zeitreisen, Lichtschwerter, sprechende Frösche etc…), um das Märchen wirken lassen zu können, sondern ließ zu, daß mein Skeptomat in den Standby-Modus ging und einzig beim Dreh- und Angelpunkt, der Avatar-Technologie, ein kleines Warnfenster aufspringen ließ.
Denn es ist ja auch so, daß ich mir angewöhnt habe, Einzelbestandteile als Chiffren zu verstehen: der Apparatus, mit dem man sich mit dem Avatar verbindet, sähe sicherlich anders aus als im Film dargestellt (zumindest wäre der Anschluß wesentlich komplizierter, aber den Dorn im Nacken hatte Keanu Reeves ja schon). Den Militärfuzzi mit seinen markigen Sprüchen haben wir schon in tausend anderen Filmen gesehen: es ist nicht weit von “Wenn es eine Hölle gibt, werdet Ihr nach dem Einsatz auf Pandora dort Euren Urlaub verbringen wollen!” bis “Los, raus hier, oder wollt Ihr ewig leben?!”, auch der gierige Konzernboss kommt uns so bekannt vor wie die ehrgeizige, idealistische Wissenschaftlerin, der nerdige Assistent, der von sich widersprechenden Interessen zerrissene Hauptcharakter, seine schöne Edle Wilde und all die anderen Exemplare aus dem Archetypenzoo der Jahretausende dokumentierten Geschichtenerzählens (selbst Michelle Rodriguez spielt die gleiche Rolle wie immer, hihi :-)
Anders als bei Filmen wie “Avalon” oder “Memento” oder “Pi” brauchen wir uns also keine Gedanken darüber zu machen, was da jetzt eigentlich auf der Leinwand vor sich geht, ob es einen Sinn ergibt und wenn ja, warum nicht. Ohne diesen Umweg kann man also direkt zur Aussage kommen, oder, wie man so schön sagt, zur Moral von der Geschicht: rühr an unsere Bäume nicht.
Die Kritik von Ethno-Kitsch und Eso-Romantik greift nämlich insofern nicht, als daß wir es ausnahmsweise mal mit knallharter Wissenschaftlichkeit zu tun bekommen: die Flora Pandoras bildet, so will es der Plot, ein neuronales Netzwerk, und ist der Urgrund für die wortwörtliche Verbundenheit der Na’vi zu ihrer Umwelt – chiffriert als im Zopf eingeflochtenes Bio-Interface, hochentwickeltes Sinnesorgan, das mittels objektiv, physikalisch meßbaren Energieaustauschs Informationen zwischen den Lebewesen zu vermitteln vermag. Haha, nehmt das, die Ihr jetzt nicht über “Die Macht”, “Prana”, “Äther” und “morphogenetische Felder” lästern könnt, unverbesserliche Skeptizisten und Anhänger des monistischen Materialismus! Geschlagen mit den eigenen Waffen, klar, daß Euch das nicht gefällt. James Cameron, I applaud you.
Und dann war da noch der Einwand, da wäre nichts hängen geblieben an wirklichen Ideen wie damals, als der T1000 mit der Pistole in der Tür hängen blieb. Ja, liebe Kritiker, I see you.
Als militanter Pazifist ließ ich zu, daß meine Großhirnrinde sich um die Frage herumwand, ob ich das jetzt toll finden soll, daß die Na’vi unter der Führung ihres letzten Samurai und Mißachtung aller durch Sun Tsu überlieferten Prinzipien der Kriegsführung zu den archaischen Waffen greifen und sich dem aussichtslosen Kampf gegen die technologisch überlegene Übermacht stellen, um die Mutter aller Schlachten zur Rettung ihres Allerheiligsten zu schlagen – oder ob es Mittel und Wege gegeben hätte, den Konflikt friedlich zu lösen, quasi mit der Moral: “Genug Tod und Leid. Dies war ein Paradies, bevor Eure Gier alles zunichte gemacht hat. Seid willkommen, probiert’s mal aus, alles ganz chillig hier.” Aber da sind wir dann wieder bei den Chiffren: es geht in Avatar um den inneren Kampf, und das Gute wird siegen. Die Zerstörungswut der Gier hat keine Chance, und das Universum wird den Friedliebenden zur Hilfe eilen.
Aus dieser Sicht ist der Film Balsam für die Seelen aller Krieger des Lichts.
Und ein kleiner Trost (auch so für mich selbst): storytechnisch könnte es in Anbetracht der Ankündigung zweier Fortsetzungen sein, daß er sich lediglich als Exposition entpuppt und wir im Folgenden noch mit richtig Tiefgang überrascht werden. Lassen wir es auf uns zukommen ;-)
Als ich sagte, hört Inner Outbreak, seid Ihr auf das MySpace-Profil von tripject I/O gegangen und hörtet Inner Outbreak. Düster, tanzbar zu synthetisch wabernden Orchestral-Symphonien, in schamanischer Tradition Schmerzversteinerungen aus Eurer Seele meißelnd.
Als ich sagte, hört Elektro Revolte, seid Ihr auf das MySpace-Profil von Elektro Revolte gegangen und hörtet Elektro Revolte. Deep elektronische Sample-Trips, ausgefeilte Rhythmen und wie zu Juwelen geschliffene Sounds, jeder Track ein kosmischer Taster im Bioschaltkreis Eurer synaptischen Verwebungen.
Als ich sagte, hört SorgenFreu, seid Ihr nach MySpace gegangen und hörtet SorgenFreu, so dilettantische wie schrägschöne Experimente im Kinderspielzimmer der Klangräume.
Auch, als ich sagte, hört ElektroFreu, gingt Ihr hin und hörtet, was passiert, wenn Elektro Revolte und SorgenFreu gemeinsam verantwortlich zeichnen für die Frequenzen und Interferenzen, die Euch aus den Endstufen entgegenoszillieren, um Eure Trommelfelle mit tantrischer Hingabe zu massieren.
Ihr zögertet nicht eine Sekunde, zu hören, als Ihr gewahrtet, daß Elektro Revolte, Inner Outbreak und SorgenFreu einander mit Kompositionen, Melodien und Rhythmen versorgen, um sie in ihre atomaren Bestandteile zu zerlegen und nach ihrem jeweiligen Gutdünken wieder zu neuen Klangskulpturen zu synthetisieren.
Ihr habt auch gehört, daß Elektro Revolte, Inner Outbreak und SorgenFreu Rat haltend beisammensassen, den Weltgeist beschworen und ihn um seinen Segen und seine Führung baten, ihm das Resultat ihrer Zusammenkunft anvertrauend – doch allein, zu welchen Schlüssen sie dabei kamen, blieb Euch verborgen.
Bis heute.
Was ich die ganze Zeit getrieben habe, wollt Ihr wissen? Ich sag’s Euch, hört hin:
Der Bau (Eugen Roth)
March Of The Nibbles
input disput output
Dreifel
CPU’s Lament
SorgenNoise
Eugen Roth: Der Bau
Wir bauen schon an diesem Haus
seit tausend, abertausend Tagen
und seh’n es wachsen hoch hinaus
und steigend in die Sterne ragen
Verloren ging des Meisters Wort
und keiner ahnt: wann wird es enden?
Wir aber bauen immerfort
mit müdem Geist und regen Händen
Wir haben keine Zeit zu ruh’n
als ob wir es vollenden müßten
wir unsere harte Arbeit tun
und sterben hoch in den Gerüsten
kaum daß, von Sehnsucht jäh geschwächt,
wir innehalten mit dem Fronen:
wann kommt das selige Geschlecht
bereit zu ruhen und zu wohnen?
Aka freut sich über Feedback. Wie zum Beispiel dieses, das ich mit Einverständnis des Urhebers veröffentliche, weil, wie ich finde, die Darlegungen auch die Besucher der Dugarun weiterbringen (und weil ich mich ganz doll geschmeichelt fühle, natürlich ;-)
Danke Akareyon, für die interessante Lektüre. Dazu habe ich ein paar Anmerkungen, keine Kritik, nur eine Reflexion. Und Fragen.
Reflex im Reflektor:
Kann ein Mensch, der voll ist und überfließt, die Kunst des Leerseins genießen um erfüllt zu werden? Einatmen, ausatmen.
pontifex minimus
Die subjektive Schönheit des Chaos als Quelle jeglicher kreativen Inspiration des Sichtbarwerdens und Wiedererinnerns. Erinnerungsähigkeit als Seinsbewußtsein durch viele Leben.
Horus 9
Wer schreibt, kann nicht gleichzeitig singen, weil er denkt anstatt zu fühlen. Geschriebenes wird zerfallen, Gesang ist Mitschöpfertum. Gesang, Schwingung, Klang, Musik – erhält.
Horus 9 von 12
zu: Non-Non Existenztheorie:
Der Artikel war sehr interessant, Respekt. Was war der Grund für dich zu schreiben? Eine andere Gedankenwelt wird nicht fortbestehen, warum sollte sie auch? Sie alle lösen sich auf wie alles, auf und innerhalb aller Welten. Ist Seinsbewußtsein eine Gedankenwelt oder etwas, was diese bedingt?
zu: Die Revolution in Entenhausen
Ich habe sehr gelacht über die treffliche Analyse! Dein Stil gefällt mir sehr gut. Leider ist Oma Ducks Farm nicht die Lösung, so schön es auch sein mag. Die Lösung bleibt weiterhin: die Liebesfähigkeit des Einzelnen zu fördern. Aber: weiter so mit solchen Story’s!
zu: Paul Lafargue
Welches Handeln ergibt sich daraus für Dich? -> Gedankensprung -> Auch nicht tun ist tun. Taoismus statt Kommunismus. Oder scheiß auf alle -ismen. Neues, eigenes System? Mit welchen Auswirkungen für andere? Zu welchem Sinn, Zweck, Ziel? Die Antwort ist möglicherweise: den Einzelnen zu sich selbst zu führen, ihm seine Sinnlosigkeit und Ängste nehmen. Ihn einfach so zu lieben, da, wo er ist. Suche nach besseren Werkzeugen der Revolution oder ist Nächstenliebe schon Werkzeug genug? Es wird wohl so sein. Reden ist Silber, Schweigen Gold, handeln der diamantene Weg.
zu: ein Morgen wie jeder andere
Den Tag begrüßen durch Computer hochfahren? Fühlst Du nicht, das deine Gefühle manchmal zu kurz kommen auf Kosten einess zugegebenermaßen faszinierenden Intellekts? break out, shake out. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung hat dieser Artikel eine hohe literarische Qualität. Mehr davon!
von einem, dessen viele Namen nicht relevant sind.
Danke!