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Umberto Eco: La ricerca della lingua perfetta nella cultura europea

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… Das für die Zukunft einer Sprache der Bilder entmutigendste Dokument ist vielleicht der 1984 von Thomas A. Sebeok verfaßte Bericht für das amerikanische Office of Nuclear Waste Isolation und eine Reihe weiterer Institutionen, die beauftragt waren, Vorschläge zur Lösung eines Problems zu machen, das von der U. S. Nuclear Regulatory Commussion aufgeworfen worden war. Die amerikanische Regierung hatte einige Wüstenzonen der Vereinigten Staaten ausgewählt, um darin (in vielen Hundert Metern Tiefe) nuklearen Abfall zu begraben. Das Problem war nicht so sehr, die Zone vor unbedachtem Eindringen heute zu schützen, sondern die Tatsache, daß die Abfälle noch in zehntausend Jahren radioaktiv sein werden. Große Reiche und blühende Zivilisationen sind in weit kürzeren Zeiträumen untergegangen, wir haben gesehen, daß einige Jahrhunderte nach dem Ende der letzten Pharaonen die ägyptischen Hieroglyphen unverständlich geworden waren, und es könnte sein, daß die Erde in zehntausend Jahren so große Umwälzungen erlitten hat, daß sie von Populationen bewohnt wird, die wieder barbarisch geworden sind, und nicht nur das, sie könnte sogar von Bewohnern anderer Planeten besucht werden. Wie kann man nun diesen Besuchern aus dem All mitteilen, daß die betreffende Zone gefährlich ist?

Sebeok hat sofort jede Form von verbaler Kommunikation ausgeschlossen, desgleichen elektrische Zeichen, da sie von konstanter Energiezufuhr abhängig wären, Geruchsbotschaften, da sie von kurzer Dauer sind, sowie jede Form von Ideogrammen, die nur aufgrund präziser Übereinkunft erkennbar sind. Aber auch die piktographischen Sprachen geben Anlaß zu ernsten Zweifeln. Man kann zwar der Meinung sein, daß jedes Volk einige elementare Figuren versteht (die menschliche Gestalt, Tierskizzen etc.), aber Sebeok präsentiert ein Bild, bei dem unmöglich zu entscheiden ist, ob die dargestellten Individuen kämpfen, tanzen, jagen oder sonst irgendeine erkennbare Tätigkeit verrichten.

Eine Lösung wäre, Zeitabschnitte von jeweils drei Generationen festzulegen (ausgehend von der Überlegung, daß sich die Sprache in jeder beliebigen Zivilisation vom Großvater zum Enkel nicht wesentlich ändert) und durch entsprechende Instruktionen dafür sorgen, daß die Warnungen am Ende jedes Abschnitts neuformuliert werden, um sie den semiotischen Konventionen der Zeit anzupassen. Aber diese Lösung setzt genau jene soziale und territoriale Kontinuität voraus, die der Auftrag in Frage stellte. Eine andere Lösung wäre, die Gefahrenzone mit Warnbotschaften aller Art, in jeder Sprache und jedem semiotischen System zu überhäufen, in der Hoffnung auf die statistische Möglichkeit, daß wenigstens eines dieser Systeme den künftigen Besuchern verständlich bleibt: Wenn auch nur ein einziges Segment einer einzigen Botschaft entzifferbar bliebe, würde die Redundanz des Ganzen für die künftigen Besucher eine Art Stein von Rosette darstellen. Auch diese Lösung setzt freilich ein Minimum an kultureller Kontinuität voraus.

Bliebe also nur, eine Art Priesterkaste zu instituieren, gebildet aus Atomwissenschaftlern, Anthropologen, Linguisten, Psychologen, die sich durch Kooptation über die Jahrhunderte fortpflanzt und die Kenntnis der Gefahr am Leben hält, indem sie Mythen, Legenden und Aberglauben kreiert. Mit der Zeit würden sich die Angehörigen dieser Kaste verpflichtet fühlen, etwas weiterzugeben, dessen exakte Kenntnis sie verloren haben, und so könnten in ferner Zukunft, auch in einer wieder barbarisch gewordenen Horde, unpräzise, aber wirksame Tabus fortbestehen.

(Eco, Umberto: Die Suche nach der vollkommenen Sprache. München : Beck, 1994 (Europa bauen), S. 186 f, aus dem Ital. von Burkhart Kroeber)

Und ich so beim letzten Absatz: *grübel*, weißte…

Nein, es ging mir nicht um aktuelles Zeitgeschehen, Castor und Fukushima und die Probleme, die wir uns da eingehandelt haben, ohne zu wissen, wie wir sie lösen sollen. Das ist alles hinlänglich bekannt.

Aber der sich aufdrängende Gedanke, auch die in unserer Gesellschaft bestehenden Denkverbote, Tabus und Dogmen könnten einem fehlinterpretierten und von einer „Priesterklasse“ tradierten Schutzmechanismus einer vorgeschichtlichen Zivilisation verschuldet sein, hat was prickelndes.

Ganz ähnlich werden zuweilen ja auch die für viele Gesellschaften im Nahen Osten gültigen, religiösen Verzehrverbote für „unreine“ Tiere oder die mosaischen Hygienegesetze gedeutet. Damals, als die Klospülung noch nicht erfunden war, hat man den Leuten halt noch sagen müssen, daß sie ihre Hinterlassenschaften bitteschön vergraben möchten, weil sie sonst der Blitzschlag trifft.

Aber vom einführenden Zitat mal abgesehen ist „Die Suche nach der vollkommenen Sprache“ auch sonst ein sehr empfehlenswertes und hochinteressantes Buch. Wer „Der Name der Rose“ mochte und auch „Das Foucaultsche Pendel“ nicht zur Seite packen konnte, dem wird auch dieses Sachbuch ein bisschen wie ein sich über die Jahrhunderte erstreckender, unterhaltsamer Roman vorkommen, an dessen Ende man sich irgendwie erhellt vorkommt, ohne belehrt worden zu sein.

Ausgehend vom Mythos der babylonischen Sprachverwirrung nämlich haben sich viele Philosophen und Spinner auf die Suche nach der „perfekten Sprache“ gemacht, in der Gott sich mit Adam unterhalten hat. Oder Adam mit Eva. Oder die Schlange mit Eva. Oder Kain mit Abel.

Im Mittelalter freilich kam nur das Hebräische in Frage, und das zu beweisen, mühten sich viele Weise in bester kabbalistischer Tradition mit der Anagrammisierung und Permutation von Wörtern und Buchstaben ab. Das Latein als Verkehrssprache der Intellektuellen und Mächtigen jener Zeit lag auch recht nahe, und bald, so zeigt Eco, mangelte es auch nicht an Beweisen für die Überlegenheit/Natürlichkeit/Gottgegebenheit des Deutschen, des Flämischen, des Englischen, des Arabischen…

Wir erfahren, was es mit den Lullismus auf sich hat(te) und was dergleichen noch an Versuchen unternommen wurde, eine künstliche, ein-eindeutige, philosophische Sprache zu entwickeln oder aus den existierenden auf eine gemeinsame Ursprache zu extrapolieren. Nicht ohne Humor seziert Eco die bestgemeinten Bemühungen und ihre inneren Widersprüche, Irrtümer und zuweilen gar Geistesblitze, die hier wieder in Vergessenheit geraten, verlacht und bekämpft werden, dort dann Jahrzehnte und Jahrhunderte später wieder aufgegriffen werden und gar nicht so selten zu Grundpfeilern der modernen Sprachwissenschaft werden – siehe Noam Chomskys Universalgrammatik.

Das alles ist natürlich furchtbar unterhaltsam aus hobbyphilosophischer Sicht auch und insbesondere, wenn die Lektüre von „Das Foucaultsche Pendel“ einen mal von den bösesten und wirrsten Verschwörungstheorien geheilt hat, kann es sehr interessant sein, die Entwicklung der europäischen Geschichte mal aus sprachwissenschaftlicher Sicht zu beobachten und Eco beim Nachzeichnen der verschiedenen  Strömungen (und ihrer Irrläufer) zu verfolgen.

Schließlich, wir haben Renaissance und Barock schon hinter uns, stellt Eco uns noch Volapük, Esperanto, Lincos, Programmiersprachen und Aymara vor und kommt auf den letzten Seiten mit Bezug auf den spanisch-arabischen Theologen Ibn Hazm zu einem äußerst überraschenden Schluß: daß die durch den blasphemischen Versuch des babelschen Turmbaus verursachte Sprachverwirrung eben nicht als mit allen Mitteln umzukehrender Fluch, sondern vielmehr als felix culpa zu betrachten sei – die Ursprache habe alle Sprachen bereits enthalten, und da Sprache und  Denken miteinander wechselwirken, bereichert jede Sprache die Welt um eine andere Perspektive ein und der selben Realität; und ich glaube, einen poetischeren Schluß hätte man sich für so ein spannendes Sachbuch kaum ausdenken können.

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Kann die Menschheit noch ernährt werden?

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Vor fast einem halben Jahrhundert schon stand die Frage im Raum…

Es ist aber grundsätzlich nicht schwierig, für eine bekannte Entwicklung der Bevölkerung den Nahrungsbedarf in einer vernünftigen Näherung zu bestimmen.

Zur Zeit kennzeichnen sich die Verhältnisse folgendermaßen: Die pro Kopf und Tag verfügbare Nahrungsmittelmehge auf der Erde bewegt sich, stets im Mittel gerechnet, zwischen 1970 (Indien) und 3200 (USA und Australien) Kilokalorien je Kopf und Tag. […] Westeuropa liegt mit 2900 bei den höchsten und Südamerika nicht viel über den niedrigsten Werten.

Setzen wir also für irgendein Land der Erde etwa 2500 Kilokalorien pro Kopf und Tag an, so treffen wir die Verhältnisse auf der ganzen Erde für den heutigen Zeitpunkt mit einem Fehler, der nicht größer ist als ± 20 Prozent. […]

Weitere Möglichkeiten, an die man denken könnte, sind die verbesserte Ausnützung der landwirtschaftlich bewirtschafteten Bodenfläche, Landerwerb, bessere Ausnützung der Meere, Hydroponik, Einfuhren größeren Stils und möglicherweise in kommenden Jahrzehnten die synthetische Erzeugung von Futtermitteln und Nahrung.

Mit unserer Frage, ob die Nahrung reicht, kommen wir schließlich zu folgendem Sachverhalt: Für die Zeit um 2000 wird etwa die doppelte, für 2040 die dreifache Menge an Nahrung gebraucht werden wie heute. Können die erforderlichen 16 Billionen Kilokalorien je Tag auf der Erde im Jahre 2000 und die erforderlichen 22 Billionen im Jahre 2040 bereitgestellt werden? Hier gehen die veröffentlichten Ergebnisse weit auseinander. Wir wollen folgendermaßen rechnen:

Erdoberfläche 510 Millionen Quadratkilometer; davon rund 30 Prozent Land, also rund 150 Millionen qkm; unter Ausschluß der Polargebiete 135 Millionen qkm. Davon ist etwa ein Zehntel unter Kultur genommen, also 13,5 Millionen Quadratkilometer. Wir rechnen für die Ernährung, Bekleidung usw. ein Achtel Hektar pro Kopf oder einen Quadratkilometer für 800 Menschen. Somit dürften aus den schon kultivierten Flächen 10,8 oder rund 11 Milliarden Menschen ernährt werden können.

Dies Ergebnis zeigt, daß die bis etwa zur Mitte des kommenden Jahrhunderts errechnete Menschenzahl ernährt werden kann. Die Erweiterung der Kulturfläche, bessere Ausnützung der Meere und Hydroponik in großem Stil sind möglich, synthetische Nahrungsmittelerzeugung ist nicht ausgeschlossen.

Aus: Wilhelm Fucks, Formeln zur Macht – Prognosen über Völker, Wirtschaft, Potentiale, Büchergilde Gutenberg, 1965 & 1969, S. 144 ff

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Avatar – Aufbruch nach Pandora (eine Apologetik)

Kritik & Apologetik

Ursprünglich hatte ich ja vor, meine Kritik an Jim Camerons Opus in zwei Teile zu gliedern.

Im ersten Teil hätte ich beschrieben, wie sehr ich mich an der grandiosen Optik ergötzt habe, an dieser wunderschönen, paradiesbunten Welt, an den hervorragenden Spezialeffekten, am total geilen Creature Design, hätte gesagt: hieran werden sich in Zukunft Filme messen lassen müssen. Ein bisschen „naja“ hätte ich erwähnt mit Bezug auf James Horners Soundtrack und ein bisschen herumgekrittelt an dem einen oder anderen Plotloch, und dann hätte ich nahtlos übergeleitet zum großen „ABER!“ im zweiten Teil, und da hätte ich dann gesagt: also, die Story, die war so flach, daß sie alles 3D wettgemacht hat, und die Charaktere haben sich auch alle furchtbar vorhersehbar verhalten, sodaß jede Art emotionaler Bindung im Keim erstickt wurde.

Ein paar Kalauer hätte ich mir geleistet, die in die Richtung Bio-USB-Anschluß abgezielt hätten, und dann wäre auch nicht unerwähnt geblieben, daß ich, ausser der Preview, keine Eindrücke zum Film zugelassen habe (Hype? Welcher Hype?) und deswegen vollkommen unbedarft im Kino saß und entsprechend freudig überrascht Sigourney Weavers Mitwirken zur Kenntnis nehmen durfte.

Aber

wir leben ja nicht im Konjunktiv, und als ich dann aus dem Lameng heraus nach „Avatar Sequel“ gegoogelt (ja, es wird eine Trilogie!) und dann ein paar von den dadurch unvermeidlichen Rezensionen, Kritiken und Reviews der Internetgemeinde gelesen habe, schmiß ich meine Pläne um.

Denn: Vergleiche wurden da gezogen mit Star Wars (mit den alten und den neuen), mit „Herr der Ringe“, unvermeidlich waren auch die Hinweise auf „The Matrix“, „Der mit dem Wolf tanzt“ und die bisherigen Cameron-Werke „Terminator“, „Alien“ und „Titanic“. Gelästert wurde da: „Dances with the Smurfs“, „Mein Freund der Baum (hat Flatrate)“, gemeckert wurde da: die Welt sei ja viel zu perfekt, hätte denn noch keiner bemerkt, daß etwas Verfall und Welkerei zum Realismus gehöre, und sei denn der Cameron tatsächlich so dämlich zu glauben, eine fade Story hinter ganz viel kindischer CGI verstecken zu können. Und überhaupt: dieser ganze pseudoesoterische Ethno-Kitsch! Von wegen Gaia und so. Simplizistischer sei es ja kaum gegangen.

(Und wenn jemand meint, ich spiele an auf den so lesenswerten und wortgewaltigen wie falschen und unerleuchteten Verriß vom Batzmann auf fuenf-filmfreunde.de und die Kommentare dort, dann kann es durchaus sein, daß er so Unrecht gar nicht hat.)

Jaja, wir Intellektuellen können einen Film kaum mal genießen, wir erwarten anspruchsvolle Unterhaltung, wollen die innere Zerissenheit unserer Helden und die emotionale Tiefe der Beziehung des Antihelden zur Heroine mit den Mitteln der Logik analysieren und in unserer Kritik die Darstellung derselbigen in den höchsten Tönen loben können, um unsere Genialität mittels Durchdringung des Stoffes unter Beweis zu stellen.

Drum laßt mich Euch erzählen, wie mir schon in den ersten Minuten der extreme Realismus aufgefallen ist. Wie Ihr wißt, bin ich ein großer Fan von der Art Science Fiction, die aus dem heute möglichen möglichst realistisch extrapoliert, und verdammt, die terrestrischen Fahrzeuge, Mechs, Anlagen und Gebäude lieferten genau das Gefühl: wenn wir heute anfangen, diese Dinger zu bauen, sie sähen in fünfzig Jahren genau SO aus, und ja, ein Planet, den wir dann besiedeln würden, könnte tatsächlich genau so aussehen wie der Mond Pandora. Ich fühlte mich also nicht gezwungen, Dinge einfach hinzunehmen (Überlichtgeschwindigkeitsreisen, Zeitreisen, Lichtschwerter, sprechende Frösche etc…), um das Märchen wirken lassen zu können, sondern ließ zu, daß mein Skeptomat in den Standby-Modus ging und einzig beim Dreh- und Angelpunkt, der Avatar-Technologie, ein kleines Warnfenster aufspringen ließ.

Denn es ist ja auch so, daß ich mir angewöhnt habe, Einzelbestandteile als Chiffren zu verstehen: der Apparatus, mit dem man sich mit dem Avatar verbindet, sähe sicherlich anders aus als im Film dargestellt (zumindest wäre der Anschluß wesentlich komplizierter, aber den Dorn im Nacken hatte Keanu Reeves ja schon). Den Militärfuzzi mit seinen markigen Sprüchen haben wir schon in tausend anderen Filmen gesehen: es ist nicht weit von „Wenn es eine Hölle gibt, werdet Ihr nach dem Einsatz auf Pandora dort Euren Urlaub verbringen wollen!“ bis „Los, raus hier, oder wollt Ihr ewig leben?!“, auch der gierige Konzernboss kommt uns so bekannt vor wie die ehrgeizige, idealistische Wissenschaftlerin, der nerdige Assistent, der von sich widersprechenden Interessen zerrissene Hauptcharakter, seine schöne Edle Wilde und all die anderen Exemplare aus dem Archetypenzoo der Jahretausende dokumentierten Geschichtenerzählens (selbst Michelle Rodriguez spielt die gleiche Rolle wie immer, hihi :-)

Anders als bei Filmen wie „Avalon“ oder „Memento“ oder „Pi“ brauchen wir uns also keine Gedanken darüber zu machen, was da jetzt eigentlich auf der Leinwand vor sich geht, ob es einen Sinn ergibt und wenn ja, warum nicht. Ohne diesen Umweg kann man also direkt zur Aussage kommen, oder, wie man so schön sagt, zur Moral von der Geschicht: rühr an unsere Bäume nicht.

Die Kritik von Ethno-Kitsch und Eso-Romantik greift nämlich insofern nicht, als daß wir es ausnahmsweise mal mit knallharter Wissenschaftlichkeit zu tun bekommen: die Flora Pandoras bildet, so will es der Plot, ein neuronales Netzwerk, und ist der Urgrund für die wortwörtliche Verbundenheit der Na’vi zu ihrer Umwelt – chiffriert als im Zopf eingeflochtenes Bio-Interface, hochentwickeltes Sinnesorgan, das mittels objektiv, physikalisch meßbaren Energieaustauschs Informationen zwischen den Lebewesen zu vermitteln vermag. Haha, nehmt das, die Ihr jetzt nicht über „Die Macht“, „Prana“, „Äther“ und „morphogenetische Felder“ lästern könnt, unverbesserliche Skeptizisten und Anhänger des monistischen Materialismus! Geschlagen mit den eigenen Waffen, klar, daß Euch das nicht gefällt. James Cameron, I applaud you.

Und dann war da noch der Einwand, da wäre nichts hängen geblieben an wirklichen Ideen wie damals, als der T1000 mit der Pistole in der Tür hängen blieb. Ja, liebe Kritiker, I see you.

Als militanter Pazifist ließ ich zu, daß meine Großhirnrinde sich um die Frage herumwand, ob ich das jetzt toll finden soll, daß die Na’vi unter der Führung ihres letzten Samurai und Mißachtung aller durch Sun Tsu überlieferten Prinzipien der Kriegsführung zu den archaischen Waffen greifen und sich dem aussichtslosen Kampf gegen die technologisch überlegene Übermacht stellen, um die Mutter aller Schlachten zur Rettung ihres Allerheiligsten zu schlagen – oder ob es Mittel und Wege gegeben hätte, den Konflikt friedlich zu lösen, quasi mit der Moral: „Genug Tod und Leid. Dies war ein Paradies, bevor Eure Gier alles zunichte gemacht hat. Seid willkommen, probiert’s mal aus, alles ganz chillig hier.“ Aber da sind wir dann wieder bei den Chiffren: es geht in Avatar um den inneren Kampf, und das Gute wird siegen. Die Zerstörungswut der Gier hat keine Chance, und das Universum wird den Friedliebenden zur Hilfe eilen.

Aus dieser Sicht ist der Film Balsam für die Seelen aller Krieger des Lichts.

Und ein kleiner Trost (auch so für mich selbst): storytechnisch könnte es in Anbetracht der Ankündigung zweier Fortsetzungen sein, daß er sich lediglich als Exposition entpuppt und wir im Folgenden noch mit richtig Tiefgang überrascht werden. Lassen wir es auf uns zukommen ;-)

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3D Mandelbrote!

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Ihr wißt ja, daß ich schon als Teenie meinen C64 nächtelang durchrechnen lassen habe, um mich an der fraktalen Schönheit von Mandelbrotmengen zu erfreuen. Faszinierend fand ich die Funktion eines Programms, das die Bilder in Pseudo-dreidimensionale Gebirge verwandelt hat, mit der Menge als See oder als Hochplateau. Aber irgendwie hatte ich im Hinterkopf, daß es doch auch möglich sein mußte, den ungeheuren Formenreichtum in die dritte Dimension zu bringen, indem man die Menge um ihre Längsachse rotiert.

Offensichtlich war ich nicht der einzige. Und tatsächlich – nach langem Hin und Her und Köpfezerbrechen und viel mathematischem Kung Fu präsentieren Daniel White et al die „Mandelbulb“: http://www.skytopia.com/project/fractal/mandelbulb.html

Shell Life

Shell Life

Was soll man dazu noch sagen? Merkt Euch diesen Tag, denn tatsächlich fehlen mir mal die Worte in Anbetracht der Schönheit dieser neuentdeckten Welt. Klickt auf das Bild, auf Skytopia gibt’s noch viel mehr davon.

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Linktip: Der Prophet und das Geld

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Es gab mal ein Büchlein von Khalil Gibran, es hieß „Der Prophet“, eine sehr poetische, unterschwellig doch sehr bissige und doch treffende Anleitung zum Glück, wenn man es so nennen möchte: lauter Binsenweisheiten und tiefschürfende Einblicke in das Wesen des Lebens und der Freude.

In „Der Prophet und das Geld“ von Angelika Garbaya kehrt der Prophet zurück und nennt seinen Jüngern die Ursache für einen großen Teil unseres Leides: das Geld, vielmehr das Geldsystem, das wir benutzen. Das Thema hatten wir hier auf den Dugarun auch schon das ein oder andere Mal, schließlich sind wir Politiker und interessiert am Wohlergehen der Weltvolkswirtschaft und kamen dabei schonmal auf das Thema Freigeld zu sprechen.

In blumigen, doch leichtverständlichen und nicht ganz so dolle großkopferten Worten spricht nun der Prophet vor seinen Zuhörern davon, daß wir mit einem anderen Geldsystem – einem, in dem das Geld dem natürlichen Prozess des Verfalls, also des Wertverlustes ausgesetzt ist, anstatt „unsterblich“ zu sein (analog zum Verfaulen einer Tomate, dem Verschleiß einer Maschine oder der technischen Überalterung eines elektronischen Gerätes) – unserer Wirtschaft und unserem Leben nachhaltig und ganzheitlich zu Gerechtigkeit und Fortschritt verhelfen können. Ja, es geht auch hier um die Abschaffung des Geldes, wenn auch nur auf Raten – immerhin ein Schritt!

http://www.der-prophet-und-das-geld.de/

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Internet-Manifest

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Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.

http://www.internet-manifest.de/

Ich denke: Bravo!

Und doch: für ein Internet-Manifest ist die Schrift viel zu spezifisch auf den Journalismus ausgelegt bzw. an die etablierten Medien gerichtet. Das Internet ist weitaus mehr (findet, wie Herr Falkenburg im Kommentar sich ausdrückte, auch jenseits des Browsers statt: Gaming, Filesharing, Messenging usw.), und auch für diese und alle anderen Strömungen & Subkulturen des Netzes sollte die Maxime aus Punkt 4 (Die Freiheit des Internet ist unantastbar) gelten.

Doch bleiben wir ruhig beim Web 2.0 (was auch immer das sein mag): da sind die Diskussionsforen, deren Betreiber aus Furcht vor Abmahnanwälten und Klagedrohungen im vorauseilenden Gehorsam Zensurpolitik betreiben müssen. Da sind politisch/weltanschaulich verdächtig  ungestreamlinete YT-Clips, die wegen „Urheberrechtsverletzung“ aus dem Netz genommen werden, weil darin z.B. Ausschnitte aus Fernsehdokumentationen (oder einfach nur ein bekanntes Musikstück zur dramatischen Untermalung) vorkommen.

Und da sind die Amateur-Künstler – angehende Grafiker, Musiker, Filmemacher etc. – die sich de jure in der Grauzone und in Furcht vor Institutionen wie der GEMA und anderen Rechteverwertern- und verwaltern bewegen, weil sie ihre Werke an bereits bestehende anlehnen und in Erwartung von _Feedback_, nicht _Geld_, „veröffentlichen“.

Ganz zu schweigen von Start-Up-Programmierern und Scriptern, die unmöglich überprüfen können, ob trivialste Routinen nicht unter Umständen vom Quasi-Buchversandmonopolisten patentiert sein könnten.

Diesem und vielem mehr trägt das Manifest leider keine Rechnung, kapriziert sich allzusehr auf zukünftige noch zu erschließende Vermarktungs- und Monetarisierungsmöglichkeiten. Doch das ist das schöne am Internet und der Interaktion des Kollektivs: Informationen können permutieren. Mit etwas Glück vielleicht auch das „Internet-Manifest“.

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41 Ex-Mitarbeiter von Terrorismusabwehr und Geheimdiensten bezweifeln die offizielle Version des 11. September.

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Äh, der Titel sagt ja alles. Hier ein PDF zum Anguggn und Verstehen für jene unter Euch, die – verständlicherweise vielleicht sogar – zweifeln, hin- und hergerissen sich fühlen und fragen, warum denn nur durchgeknallte Verschwörungstheoretiker nicht daran glauben können und wollen, daß man mit 19 Teppichmessern und zwei Passagierflugzeugen drei Wolkenkratzer mit Fallgeschwindigkeit auf ihre Grundfläche zusammenstauchen kann, während der beste Geheimdienst des mächtigsten Militärs der großartigsten Nation aller Zeiten indes voll und ganz außerstande dazu wäre.

http://www.bushtrash.de/911video/news/180509/pat-de.pdf (Quelle) (Mirror)

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Willkommen in Zamonien!

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Etwa ein Jahr muß es her sein, daß mir „Die Stadt der träumenden Bücher“ wärmstens ans Herz gelegt wurde („Hier, lies Dir mal die Beschreibung des Trompaunenkonzerts durch“), und vergangenes Wochenende habe ich die Gunst der Gelegenheit genutzt und den Wälzer in Angriff genommen.

Damals fiel mir schon auf, daß da, wo normalerweise der Autor des Buches genannt wird, „Walter Moers“ stand. Der Name war mir wohl ein Begriff, wer kennt nicht wenigstens vom Hörensagen Käpt’n-Blaubär-Comics oder „Das Kleine Arschloch“. Und der soll ein ganzes Buch geschrieben haben?

Willkommen jedenfalls nochmal in Zamonien, einem Kontinent, wo Saurier die Lindwurmfeste bewohnen und Dichtpaten zugewiesen bekommen, um in die Kunst der Literatur eingeführt zu werden. Hildegunst von Mythenmetz ist unser Held, der uns auf seiner Reise nach Buchhaim begleiten läßt, wo er den letzten Willen seines verstorbenen Dichtpaten erfüllen soll: den Autor eines genialischen Manuskripts zu ermitteln. In der Hauptstadt der Bücher trifft er auf Schrecksen, dreihirnige Eydeeten und allerlei andere Fabelwesen, hört von den Bücherjägern, die tief in den labyrinthinischen Katakomben unter der Stadt nach besonders wertvollen Büchern suchen (Stichwort signierte Erstausgaben), vom grauenhaften Schattenkönig, den schrecklichen Buchlingen (grausame Zyklopen!) und anderen phantastischen Lebewesen, nur, um nach wenigen Kapiteln und am dritten Tage höchstpersönlich hinabzusteigen in die grauenvolle Unterwelt.

Was für eine spannende, großartige, ironische, satirische, selbstreferenzielle, epische, systemkritische, … [hier weitere Adjektive der Bewunderung einfügen], und wunderschöne Geschichte! Zuallererst fiel mir der Vergleich zu Umberto Ecos „Der Name der Rose“ (in seiner Funktion als Implosions-Katastrophe) ein, aber da ist noch „Sophies Welt“ (in seiner Funktion als Bildungsroman) und (sowieso) „Der Herr der Ringe“ (in seiner Funktion als Entwicklungsroman im MacDonald’schen Sinne) und noch so wahnsinnig viel mehr. Irgendwas mit „die schönste Liebeserklärung an das Lesen diesen Jahres“ stand als Zeitungszitat auf dem Klappentext, doch das wird Moers‘ Werk nicht gerecht. Es ist auch eine der schönsten Liebeserklärungen an das Schreiben, die Sprache, die Kunst überhaupt.

Nur eine besondere Würze stellen da noch die liebevollen Illustrationen aus Moers‘ Feder und das typographische Spiel mit Schriften, Symbolen und Schriftgrößen dar. Doch genug der Lobhudelei. Lesen jetzt!

Die Stadt der träumenden Bücher

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Zum Valentinstag

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Wer sich pünktlich zum 14. Februar fragt, was es eigentlich mit der ubiquitären Herzform auf sich hat, woher dieses Symbol kommt, obwohl es so gar keine Ähnlichkeit mit dem Herzmuskel hat und warum es direkt seine Bedeutung mit dem Wort „ficken“ teilt, findet auf matriarchat.info einen sehr interessanten und informativen Artikel von Hannelore Vonier :-)

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„…und unter Schmerzen bringst Du Kinder zur Welt…“?

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…so steht es zumindest im Dritten Kapitel meiner „Gute Nachricht Bibel“. Der allmächtige Souverän des Universums, der Schöpfer aller Sterne und allen Lebens verhängt seine Strafe über die Urmutter des Menschengeschlechts, Eva.

Wo wir hier schonmal dabei sind, ein paar Mauern einzureißen, warum nicht auch das Paradigma von der zwangsläufig schmerzhaften Geburt? Mal unter uns: was so großartig anfängt, soll in einem blutigen und sadistischen Splatter-Gemetzel seinen Ausgang finden? Immerhin, damals ist mir beigebracht worden, der Geburtsschmerz läge höher auf der Richterskala aller möglichen Schmerzempfindungen als Nierensteinkoliken.

Die Schulmedizin wird es nicht gerne hören, aber: es geht auch anders. Sogar ganz krass anders. Wie anders? Mit Orgasmus!

Orgasmic Birth Trailer

Nonsens? Naja, immerhin weiß sogar die New York Times darüber zu berichten, und das ist ja immerhin etwas. Etwas mehr als das gelegentliche Flüstern, im Urwald würden die Frauen soetwas wie „Geburtsschmerzen“ gar nicht kennen und da würden die Babys nur so flutschen. Der Skeptiker tummeln sich nicht wenige in den Kommentaren: „I’ve also heard that men can enjoy a similar experience by having an intimate encounter with a 20-ton press.“

Der Flapsigkeit genug, es geht um ein ernstes Thema, nämlich das Leben. Für alle, die nicht genug davon kriegen können, hier noch eine wunderschöne Geburt bei YouTube :-)

(Dank an Hannelore vom wunderbaren, basis-matriarchalen rette-sich-wer-kann.com-Blog!)

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