Inspiration als Gesellschaftskonzept

Dugarun, Gastbeiträge

In einer Freiheitsliebenden und nach Freiheit strebenden Gesellschaft kann das Ziel nur sein die Individuelle Freiheit zu erweitern bzw. zu erhalten. Die Freiheitsbewegungen die mit den demokratischen Revolutionen in Europa begannen, haben einiges erreicht auf ihrem langen beschwerlichen Weg. Darunter zählen die Überwindung der Sklaverei und Leibeigenschaft sowie die Einführung der Menschenrechte. Ziel dieser Bewegungen war immer nur die persönliche Freiheit des einzelnen über eine Form des Zusammenlebens zu garantieren die auf Toleranz und Solidarität aufbaut. Da man erkannte, dass Regierungsformen mit einem starken Mann an der Spitze nicht immer den erhofften Erfolg brachten, ging man dazu über die Macht aufzuteilen, die Gewaltenteilung ist ein wichtiges Konzept seit dem.

Eine Gesellschaft als ganzes gesehen kann nicht frei sein. Wo will sie denn hin? Zum Mars? Es kann doch immer nur das Individuum frei sein. Die Gesellschaft bildet den Rahmen der Freiheit. Denn da jeder seine Freiheit etwas anders formuliert, sind gewisse Regeln im Zusammenleben unerlässlich. So ergibt es sich schon aus der Idee, dass sich kein Mensch die Freiheit nehmen sollte einen anderen zu irgendetwas zu zwingen, außer dazu, das Erzwingen zu unterlassen. Eine Definition von Freiheit könnte so lauten:

Meine Freiheit hört da auf wo die der anderen beginnt.

Aus dieser Sichtweise ergibt sich der Zwang einer ständigen Grenzfindung im gesellschaftlichen Leben. So sollten gewisse Grenzen von vorne herein vorgegeben sein. Eine wichtige wäre zuerst einmal, dass jeder einzelne bei dieser Grenzfindung gleichberechtigt mitwirken kann. Unsere Demokratien garantieren Gleichheit vor dem Gesetz, zumindest in der Theorie. Dies erzielt aber nicht die Wirkung die man für eine effektive Grenzfindung benötigt. Die Gesetze – ich kann an dieser Stelle nur von Deutschland sprechen – sind für einen Normalbürger undurchschaubar, bei Grenzfindungsproblemen, also einem Gerichtsverfahren, muss sich der Bürger auf die Kompetenz seines Anwaltes verlassen und in der Praxis ist das nicht immer angebracht. So weiß jeder in Deutschland, dass der Bürger mit einem guten Einkommen sich auch einen guten Anwalt leisten kann und ein sozial Schwacher oft auf einen Pflichtverteidiger oder Gerichtskostenbeihilfe angewiesen ist und so automatisch seine Grenzen enger gezogen werden, schlicht nur deshalb, weil er die Regeln nicht kennt.

Der Gleichheitsgrundsatz ist der wichtigste Grundsatz der demokratischen Grundordnung. Die individuelle Freiheit folgt direkt nach. Wenn man den Menschen grundsätzlich als gesellschaftsfähig, friedlich und gemeinschaftlich betrachtet – was er zweifelsohne sein kann – dann bräuchte man eigentlich kein Gesetz sondern nur eine strikte Achtung des anderen Menschen und den Willen gemeinsam für allgemeinen Wohlstand zu sorgen. In der heutigen Zeit hat sich unter den Menschen eine Mentalität breit gemacht die diese Grundvoraussetzung – unbedingte Achtung voreinander –  immer mehr außer Acht lässt. Die Achtung wird zunehmend durch Geringschätzung ersetzt. Fast jeder „kennt“ Menschen die er geringschätzt ohne sie zu kennen. Dabei zeigt doch die Erfahrung ganz eindeutig, dass die Einteilung der Menschen in feste Gruppen nicht möglich ist. Jeder denkt ein bisschen anders, egal in welcher Gemeinschaft oder welcher noch so strebsamen und gleichgeschalteten Gruppe er agiert.

Bis heute schaffen es Menschen, sich die Freiheit zu nehmen, andere Menschen davon zu überzeugen ihre Freiheit abzugeben, um ihre Freiheit zu verteidigen bzw. zu erlangen und sei es erst nach dem Tod. Die Gleichschaltung im Handeln funktioniert noch genau wie früher. Das Denken aber lässt sich nicht so gut gleichschalten. Das hat den ganz einfachen Grund, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen mitbringt und auch jeder seine eigenen Erfahrungen hat und beides dann in Kombination jeden Menschen einzigartig macht. Gesellschaftsformen die der Individualität nicht höchste Priorität einräumen, sind zum scheitern verurteilt. Über kurz oder lang wird sie daran scheitern, dass sich die Individualität durchsetzt und die Gesellschaft geht jämmerlich zugrunde. Jämmerlich deshalb, weil sich die Individualität nicht umfassend für jeden durchsetzt, sondern sich einzelne Individuen oder Gruppen aus Individuen durchsetzten und so die Gesellschaft zersetzten.

Dabei ist die Geringschätzung der anderen Voraussetzung. Wir kennen genügend Lehren aus der Vergangenheit und auch der Gegenwart die eine Geringschätzung – meist von Andersdenkenden – ohne weiteres zulassen. Diese Geringschätzung hat uns schon unermessliches Leid und Elend gebracht. Der Grund hierfür ist einzig die Erziehung der Kinder.

Wie oft sagt man einem Kind: „Das sind böse Menschen, geh´ da nicht hin!“

So wird der Grundstein dafür gelegt, dass Menschen Menschen als grundsätzlich böse betrachten können. So wirken dann die gebetsmühlenartig wiederholten Sätze der Politiker von den bösen Terroristen und der Achse des Bösen so wie sie sollen, nämlich einen Krieg zu rechtfertigen. Die allgemeinen Lehren besagen, dass der Mensch erzogen werden muss und dann erst zivilisiert sein kann. Dies scheint ein schwieriges Unterfangen, hat er doch in den letzten 5000 Jahren nichts gelernt und schlachtet sich munter weiter selber ab oder zwingt sich gegenseitig zu irgendwelchen Kasteiungen. Dieses Schlachten und Kasteien wird dann gerne mit Erziehung begründet. So kämpfen nun also die bösen Amerikaner mit ihren bösen Verbündeten gegen die bösen Terroristen. Man könnte zynischerweise bemerken, dass sie gemeinsam gegen das Böse kämpfen.

Ein Mensch ist nicht böse, er kann Böses tun, das sehr wohl, nur tut kein Mensch grundsätzlich nur Böses genau wie kein Mensch grundsätzlich nur Gutes tut. Die Gesellschaftsphilosophie die immer noch herrscht, mit Gesetz und Gewalt die Menschen zu Toleranz und Freiheit zu zwingen, scheint gescheitert. Es ist bei genauerer Überlegung und so direkt auf das Wesentliche konzentriert auch nicht verwunderlich, dass eine auf Zwang aufgebaute Gesellschaft nicht die Freiheit ermöglicht, die die Menschen für ihr persönliches Glück benötigen. Die Frage ob es Sinn macht einem Menschen Böses an zu tun weil er Böses getan hat scheint mir angebracht. Wir sperren einen Verbrecher einfach ein, lassen ihn alleine, trennen ihn von seinen Lieben – so er welche hat – und erwarten dann von diesem Menschen, dass er nach Jahren der Isolierung positiv auf die Gesellschaft zugeht. Es ist bekannt das die Rückfallquote recht hoch ist und es viele Menschen gibt die man getrost als Profiverbrecher bezeichnen kann. Da sind die Profikiller wie aus dem Krimi noch die wenigsten. Wir haben vom Tagedieb über Räuber bis hin zum Edeleinbrecher alles vertreten. Den Drogendealer betrachte ich in diesem Zusammenhang nicht als Verbrecher.

Es gab immer Menschen die mit unlauteren Mitteln versuchten sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei waren die Menschen immer sehr kreativ und nicht weniger gewalttätig. So erkämpfte sich die Kirche ihren Zehnten mit Gewalt und Kreativität, der König seine Steuern mit Gewalt und Robin Hood eroberte von den Reichen für die Armen mit Gewalt. Immer wurde versucht mit Gewalt die Gewalt zu beenden und zu rechtfertigen. Man muss kein Experte sein um zu erkennen, dass man so nie fertig wird, mit dem Rechtfertigen der Gewalt. Man spricht immer erkenntnisreich von der Spirale der Gewalt. Diese Spirale in Gang zu halten bzw. in Gang zu setzen scheint ein Ziel bestimmter Individuen zu sein, sie erhoffen sich Vorteile beim Grenzfindungsverfahren. Anders sind die Geringschätzungsversuche in aller Öffentlichkeit von oberster Stelle gegen ganz Völker und Bevölkerungsgruppen nicht deutbar. Die Demokratien scheinen ein Tummelplatz für Scharlatane, Betrüger und Großmäuler geworden zu sein. Der, der am lautesten schreit wird am besten gehört, das kann man verstehen, aber man muss doch nicht die Logik des Geschrieenen verstehen wenn diese zu Betrug oder gar Gewalt und Krieg führt. Schon gar nicht muss man dem Schreienden folgen, leider tun das viele immer noch.

Die Frage nach der persönlichen Idee, die dahinter steht, wenn ein einzelner sich anmaßt ein ganzes Volk oder Land führen zu können, ist höchst interessant. Denn es steht der Wille dahinter den anderen Menschen Regeln zu geben nach denen sie zu leben haben. An dieser Stelle kann man solche Versuche als vermessen und undemokratisch bezeichnen. Es ist eine Unsitte der Demokratien sich einen Präsidenten oder Kanzler zu geben, der zuweilen regiert wie ein Fürst. Eine Gesellschaft benötigt keine Regierung in dem Sinne, dass die Regierung sagt was Mensch und Gesellschaft zu tun haben. Denn wenn eine Regierung im heutigen Sinn aktiv ist, dann findet keine Grenzfindung sondern eine Grenzziehung statt die nicht selten als Willkür anzusehen ist. Eine Demokratie in der 70% dagegen sind und die dann trotzdem einen Krieg führt, hat den Namen Demokratie nicht verdient. Deutschland befindet sich in einer Art Gruppen- oder Wertediktatur. Eine Mischung aus beidem. Einzelne Gruppen ziehen sich einzelne Werte aus dem „Katalog“ und kämpfen dafür. Das nennt man Ideologie, sich einzelne Werte unter Missachtung der anderen rauszusuchen und diese auf biegen und brechen durchsetzen zu wollen.

Eine Gesellschaft sollte Idealen folgen, nein, der Mensch sollte Idealen folgen und die Gesellschaft den Menschen. Die wenigsten Menschen haben als Ideal die Unterdrückung anderer. Die meisten wollen nur ein schönes ruhiges Leben mit viel Spaß und Sonnenschein. Dieser Wille zum entspannten Leben ist der Grund warum die Demokratien eingeführt wurden. Kurz nach ihrer Entfaltung sah man auch wie die Künste und das Streben nach Schönheit aufblühte genau wie damals zu Zeiten der alten Demokratien in Griechenland oder Rom. Die Toleranz und die Gegenseitige Achtung brachte es mit sich, dass man auch mehr gesellschaftlichen Kontakt miteinander pflegte und die Klassengrenzen etwas durchlässiger wurden. Es ist nicht notwendig, wie Marx es dachte, die Menschen materiell gleich zu machen um gesellschaftlichen Frieden zu schaffen. Es ist notwendig eine angeregte Kommunikation der Klassen untereinander zu schaffen um einen gemeinsamen Weg zu ermöglichen in dem jeder genug Platz hat seinen eigenen zu gehen. Es gibt in der Gesellschaft keinen Strang an dem alle ziehen müssen. Das ist ein Irrglaube. Das einzige was zählt ist das Individuum. Alleine die Existenz einer solchen Machtbündelung birgt größte Gefahren für das Individuum. Freiheit garantiert solch ein Strang garantiert nicht.

Anstatt sich, wie in den letzten Jahrtausenden, ständig einem Kampf gegeneinander auszusetzen sollte man versuchen sich gegenseitig zu inspirieren. Denn nur Inspiration bringt die Gedanken in neue Gefilde, nur Inspiration ist in der Lage in einem Menschen etwas zu bewirken, ihm etwas zu lehren eine eigene Erkenntnis zu bringen. So sollte die Gesellschaft versuchen ihre Verbrecher so zu inspirieren, dass der Verbrecher sein eigenes Handeln selbst als falsch erkennen kann und so eine Wiederholung der Tat unwahrscheinlich wird.

Menschen sind so inspirierend, schaut man sie an findet man an jedem etwas interessantes, was es wert ist, genauer betrachtet zu werden. Und das nicht nur am Kleidungsstil, obwohl dies ein gutes Beispiel ist bei dem man das Konzept der Inspiration gut beobachten kann. Und mal ehrlich, von Natur aus laufen Menschen am liebsten nackt durch die Gegend.

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