Willkommen in Zamonien!

fundstücke

Etwa ein Jahr muß es her sein, daß mir „Die Stadt der träumenden Bücher“ wärmstens ans Herz gelegt wurde („Hier, lies Dir mal die Beschreibung des Trompaunenkonzerts durch“), und vergangenes Wochenende habe ich die Gunst der Gelegenheit genutzt und den Wälzer in Angriff genommen.

Damals fiel mir schon auf, daß da, wo normalerweise der Autor des Buches genannt wird, „Walter Moers“ stand. Der Name war mir wohl ein Begriff, wer kennt nicht wenigstens vom Hörensagen Käpt’n-Blaubär-Comics oder „Das Kleine Arschloch“. Und der soll ein ganzes Buch geschrieben haben?

Willkommen jedenfalls nochmal in Zamonien, einem Kontinent, wo Saurier die Lindwurmfeste bewohnen und Dichtpaten zugewiesen bekommen, um in die Kunst der Literatur eingeführt zu werden. Hildegunst von Mythenmetz ist unser Held, der uns auf seiner Reise nach Buchhaim begleiten läßt, wo er den letzten Willen seines verstorbenen Dichtpaten erfüllen soll: den Autor eines genialischen Manuskripts zu ermitteln. In der Hauptstadt der Bücher trifft er auf Schrecksen, dreihirnige Eydeeten und allerlei andere Fabelwesen, hört von den Bücherjägern, die tief in den labyrinthinischen Katakomben unter der Stadt nach besonders wertvollen Büchern suchen (Stichwort signierte Erstausgaben), vom grauenhaften Schattenkönig, den schrecklichen Buchlingen (grausame Zyklopen!) und anderen phantastischen Lebewesen, nur, um nach wenigen Kapiteln und am dritten Tage höchstpersönlich hinabzusteigen in die grauenvolle Unterwelt.

Was für eine spannende, großartige, ironische, satirische, selbstreferenzielle, epische, systemkritische, … [hier weitere Adjektive der Bewunderung einfügen], und wunderschöne Geschichte! Zuallererst fiel mir der Vergleich zu Umberto Ecos „Der Name der Rose“ (in seiner Funktion als Implosions-Katastrophe) ein, aber da ist noch „Sophies Welt“ (in seiner Funktion als Bildungsroman) und (sowieso) „Der Herr der Ringe“ (in seiner Funktion als Entwicklungsroman im MacDonald’schen Sinne) und noch so wahnsinnig viel mehr. Irgendwas mit „die schönste Liebeserklärung an das Lesen diesen Jahres“ stand als Zeitungszitat auf dem Klappentext, doch das wird Moers‘ Werk nicht gerecht. Es ist auch eine der schönsten Liebeserklärungen an das Schreiben, die Sprache, die Kunst überhaupt.

Nur eine besondere Würze stellen da noch die liebevollen Illustrationen aus Moers‘ Feder und das typographische Spiel mit Schriften, Symbolen und Schriftgrößen dar. Doch genug der Lobhudelei. Lesen jetzt!

Die Stadt der träumenden Bücher

noch kein Kommentar

Kommentar dazu?

Erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>