41 Ex-Mitarbeiter von Terrorismusabwehr und Geheimdiensten bezweifeln die offizielle Version des 11. September.

fundstücke

Äh, der Titel sagt ja alles. Hier ein PDF zum Anguggn und Verstehen für jene unter Euch, die – verständlicherweise vielleicht sogar – zweifeln, hin- und hergerissen sich fühlen und fragen, warum denn nur durchgeknallte Verschwörungstheoretiker nicht daran glauben können und wollen, daß man mit 19 Teppichmessern und zwei Passagierflugzeugen drei Wolkenkratzer mit Fallgeschwindigkeit auf ihre Grundfläche zusammenstauchen kann, während der beste Geheimdienst des mächtigsten Militärs der großartigsten Nation aller Zeiten indes voll und ganz außerstande dazu wäre.

http://www.bushtrash.de/911video/news/180509/pat-de.pdf (Quelle) (Mirror)

9 Kommentare

9 Kommentare

  1. BansheeOne  •  Sep 15, 2009 @21:32

    Ach, dass Leute nicht an nur wegen Flugzeugeinschlags mit Fallgeschwindigkeit niedersinkende Türme glauben, ist eigentlich völlig nachvollziehbar. Das sind sie nämlich gar nicht.

    Bemühen wir Newton: Ein 415 Meter hohes Gebäude braucht bei Erdbeschleunigung von 9,81 m/s² für den Einsturz 9,2 Sekunden. Gemessene Zeit für den Nordturm: 15,3 Sekunden, für den Südturm: 22 Sekunden. Immer noch schnell, aber nichts was nicht einer reinen Stahlgerüstkonstruktion (kein Beton im WTC) passiert, bei der die Stockwerke nur am Außenrand eingehängt sind und in die ein Flugzeug ein ordentliches Loch reißt, eine Trümmerwolke die – sowieso nachlässig aufgebrachte – Feuerschutzverkleidung der Träger abschmirgelt, deren Stahl bei Temperaturen von 600 Grad bereits 50 Prozent seiner Festigkeit verliert, sich ausdehnt und die Bolzen an den Knotenpunkten abschert. Dann kommt nämlich irgendwann der Teil oberhalb der Schadenszone – so runde 60.000 Tonnen – runter, drückt das Stahlskelett auseinander wie ein Keil einen Strohhalm, und die ganzen außen eingehängten Stockwerke fallen klackerdiklack nach unten.

    Aber genau das ist ja der modus operandi der Verschwörungstheoretiker: Man stellt eine Falschbehauptung auf und weist dann lauthals darauf hin, dass das ja gar nicht sein könne. No shit, Sherlock – die Mär vom angeblich unbeschädigt zusammengebrochenen WTC 7 ist auch so ein Fall. Ein einfacher Blick in die öffentlich zugänglichen Untersuchungsberichte würde Abhilfe schaffen, aber die liest keiner im Publikum; denn gerade die Leute, die sehr kritisch die offiziellen Darstellungen hinterfragen, glauben völlig unkritisch und unhinterfragt alles, was ihnen irgendwelche Spinner erzählen, wenn es die eigenen Vorurteile bestätigt. Und mit hochrangigen (oder jedenfalls irgendwie so klingenden) Ex-Posten legitimierten Spinner wird natürlich umso lieber geglaubt, auch wenn deren ganze Argumentation auf „der gesunde Menschenverstand sagt uns …“ beruht.

    Süß auch die Dame aus dem Pentagon, die sagt: „Ich habe keine Trümmer gesehen.“ Da hat wohl jemand die innen gefundenen Trümmerteile und noch im Flugzeugsitz angeschnallten Leichen durch den Kellereingang reingeschmuggelt. Denn wie wir alle wissen, ist der beste Beweis für eine Verschwörung die komplette Vertuschung und damit das absolute Fehlen von Beweisen. Die psychologischen Gründe dafür sind ja hinlänglich bekannt: dass der Mensch bei unfassbaren Ereignissen nach unfassbaren Ursachen verlangt, und nicht nach mit unterschwelligem Chauvinismus wahrgenommenen Wüstenaffen mit Teppichmessern; und natürlich kann man sich der dummen manipulierten Masse auch so schön überlegen fühlen, wenn man DIE WAHRHEIT kennt.

    Darüber, dass Bin Laden längst tot ist, lass‘ ich allerdings mit mir reden … da fallen mir mehrere Parteien ein, die ein Interesse daran haben, ihn als mit Standbild unterlegter Tonkonserve weiterleben zu lassen. Beweis des Ja oder Nein steht aus.

  2. BansheeOne  •  Sep 15, 2009 @21:37

    Upps. Die korrekte Anwendung der Link-Funktion muss ich nochmal üben. Vorsicht, führt zu drastischen Bildern.

    //edit: behoben. Aka :-)

  3. Akareyon  •  Sep 16, 2009 @12:27

    Jep, es war unredlich und schlechter Stil, wider besseres Wissen von Fallgeschwindigkeit zu reden. Auch der Eifer des Gefechts kann nicht als Entschuldigung dienen, dazu ist das Thema zu ernst und traurig.

    Auch das mit der Grundfläche war zu reißerisch, tatsächlich verteilten sich die Trümmer auf einen ziemlichen Radius… vielleicht hätte ich besser von einem „(nahezu) symetrischen“ Zusammenbruch gesprochen.

    Und das WTC7 ist auch nicht unbeschädigt zusammengebrochen, in der den Türmen zugewandten Fassade klaffte ein riesiges Loch von den herabstürzenden Trümmerteilen.

    Das Thema ist kontrovers wie nur was, und es könnte ein Teil des Plans gewesen sein, die Lager in atomare Einzelbestandteile zu spalten aus LIHOP-, MIHOP-, Thermit-, Hologramm- und Ausserirdischentheoretikern und Verfechtern des NIST-Berichts.

    Ich halte die Art und Weise des Zusammensturzes nach wie vor für kontraintuitiv, ob die Türme die 415 Meter nun in 10, 20 oder selbst 40 Sekunden in sich zusammengerauscht sind. Die Türme waren architektonisch keine hohlen „Strohhalme“, sondern wurden gestützt durch ein wirbelsäulenartiges Endoskelett aus Stahlsäulen, die um einiges dicker waren als die der Fassadenstruktur.

    Wurden beim Impakt strukturelle Schäden verursacht? Ja, in den betreffenden Stockwerken sicherlich, und bestimmt hat es gut geschmort in dem Gebäude, nachdem das Kerosin explosionsartig verbrannt war. In den zwei Dritteln des unteren Gebäudes können wir sicherlich auch von kleineren Schäden durch Torsionskräfte ausgehen, obwohl die Türme auf verirrte Flugzeuge und Erdbeben ausgelegt waren. Allerdings war das Material hier nicht durch Hitze geschwächt, sondern hatte die Wucht der Last der oberen Stockwerke abzufangen. Wie groß konnte der Impuls hier sein, wenn man bedenkt, daß die dazwischenliegenden Stockwerke nicht einfach „verschwanden“, sondern gestaucht und verbogen wurden, was ja einiges an kinetischem Energieaufwand bedeutet, was wiederum auf Kosten der Geschwindigkeit hätte gehen müssen – und das bei jedem Stockwerk…?

    Natürlich ist der Impuls das Produkt aus Geschwindigkeit und Masse. Doch die Masse hatte die Struktur vorher bereits zu tragen, + Toleranz und architektonischem Angsthaken. Aber überlassen wir die technischen Details den Experten, und lassen wir auch die ganzen anderen Ungereimtheiten ausser Acht, und derer gibt es einige, die auch in den offiziellen Untersuchungsberichten nicht oder nur unzureichend behandelt werden. Es ist nicht mein Anliegen, eine neunhundertelfzigste Theorie aufzustellen, um mein Weltbild zu untermauern – und über das wohlige Überlegenheitsgefühl des Verschwörungstheoretikers durch das segensreiche „Wissen“, das ein monokausales Weltbild beschert, hatte ich ja auch schon was geschrieben (erwähnte ich schon die jüngste Forderung der UN nach einer Weltwährung?)

    Als Fan von Filmen wie „The Illusionist“ und „The Prestige“ betrachte ich die Angelegenheit mittlerweile als einen Zaubertrick, der darauf ausgelegt ist, daß die einen felsenfest an übernatürliche Kräfte glauben und die anderen sich die Köpfe darüber einschlagen, ob das nun mit Spiegeln oder Drähten bewerkstelligt wurde.

    Nur an diesem Punkte treffen sich wohl die meisten Schnittmengen: daß da irgendetwas nicht mit rechten Dingen zuging, daß die Anschläge – selbst wenn von einem belegbar selbstgeschaffenen Feind durchgeführt – ein willkommener Schock für die Bevölkerung der westlichen Nationen waren, damit einige wenige Eingeweihte und ganz und gar unüberraschte Personenkreise ihre verschubladeten Pläne auspacken konnten, um mal ein bisschen „aufzuräumen“ auf der Welt – und das allein ist mir Anlass genug, die offizielle Verschwörungstheorie mit mindestens der selben Skepsis zu betrachten, mit der man verständlicherweise denen gegenübertritt, die behaupten, eine geheime Mikrowellenstrahlenverdampfungswaffe aus einem in Area 51 lagernden Ufo hätte hier ihre Weltpremiere gefeiert.

    //edit to add: Zum Thema :-)

  4. BansheeOne  •  Sep 20, 2009 @19:02

    Sicher war 9/11 ein schöner Anlass für verschiedene Leute, lang gehegte Pläne in die Tat umzusetzen – auch wenn deren Gegenstand wenig mit dem eigentlichen Ereignis zu tun hatte, Stichwort Irak. Der Reichstagsbrand bietet sich als Parallele an, paralleler allerdings als es Verschwörungstheoretiker gern hätten. Die nämlich der bloßen Instrumentalisierung eines Ereignisses – hier: Brandstiftung durch einen leicht verwirrten Linksheißsporn – zu politischen Zwecken, die zur Inszenierung durch die politischen Nutznießer umgedeutet wird. Dass gestandene Wissenschaftler noch drei Jahrzehnte später die Publikation von Arbeiten unterdrücken, die die Alleintäterthese untermauern, oder augenscheinlich Quellen fälschen, um die Täterschaft der Nazis zu beweisen, weil sie es politisch für notwendig halten, dass das Volk daran glaubt – also das ist eine veritable Verschwörungsgeschichte, die unglücklicherweise auch noch wahr ist.

    (Ich persönlich stelle mir ja immer vor, wie Marinus van der Lubbe sowie kommunistische und nationalsozialistische Brandstiftertrupps in der Nacht zum 28. Februar 1933 wild zündelnd durch den Reichstag ziehen, ohne einander zu bemerken.)

    Und natürlich ist es um diese Zeit Mode geworden, dem Angegriffenen zumindest vorherige Kenntnis des fatalen kriegsauslösenden Ereignisses zu unterstellen. Demnach wusste Roosevelt von dem Angriff auf Pearl Harbor (vergessen wir mal, dass die Japaner nur wegen der überschwenglichen Erfolgsmeldungen der ersten beiden Angriffswellen die dritte abgesagt haben, die die über Jahre mühsam aufgebauten Treibstoffbestände abgeflammt hätte, ohne die der amerikanische Feldzug im Pazifik nicht ohne weiteres möglich gewesen wäre), und auch Joe Stalin hat sich clever von Hitler überfallen lassen. Wahlweise ist Hitler auch Stalin in der Disziplin Angriffskrieg nur knapp zuvorgekommen. Und die Leute, die einem letzteres erzählen, beweisen Dir auch gleich noch unwiderlegbar, dass der Holocaust nie stattgefunden hat, oder zumindest die Ermordung von sechs Millionen Menschen in Gaskammern technisch unmöglich war. Aber glauben wir wirklich jeden Scheiß?

  5. Akareyon  •  Sep 20, 2009 @19:59

    Glauben wir wirklich jeden Scheiß?

    Interessanterweise, leider, und doch, obwohl traurig: ja.

    Kürzlich bin ich mal wieder auf eine von diesen Studien aus der Ecke Psychologie, Behavioristik, NLP, Mindfuck und Spieltheorie gestoßen. Der Artikel begann mit einem Zitat, das seitdem nicht ganz zufällig den rechten Rand der Dugarun ziert: „Außerdem beantrage ich, daß Karthago zerstört werde!“ – die Sage will, daß Cato Censorius jede seiner Reden vor dem Senat mit diesem Satz beendet hat, selbst, wenn es um was ganz anderes ging (z.B. die Einführung der Klosteuer)… was schließlich tatsächlich zur Zerstörung Karthagos führte (nein, nicht die Einführung der Klosteuer).

    Denn in der Studie wurde herausgefunden: sei laut. Wiederhole Dich mehrmals. Die anderen Teilnehmer der Diskussion werden nicht auseinanderhalten können, ob die Aussage immer wieder von der selben Person oder von verschiedenen Parteien kam, irgendwann kommt es „bekannt“ und „vertraut“ vor und in den Glaubenssatz implementiert.

    We propose that the more often an opinion has been
    encountered in the past, the more accessible it is in memory and
    the more familiar it seems when it is encountered again. When
    multiple previous exposures are due to expressions of the same
    opinion by different communicators, familiarity is a valid cue for
    estimating extensity. We assume, however, that feelings of familiarity
    increase with the number of exposures, independent of their
    source. If so, then hearing the same opinion, say, three times from
    the same communicator may result in the erroneous impression
    that it is widely shared—an overestimation of extensity.

    Mit anderen Worten: es ist gar nichts zu glauben. Gerade, was die Geschichte betrifft oder diverse andere, wirklich kontroverse Themen (Klimawandel durch CO2, Evolution, Gefährdung der Gesundheit durch Impfungen oder eben 9/11), habe ich mir abgewöhnt, die Dinge für „wahr“ anzunehmen, nur weil sie seit der ersten Klasse gepredigt werden – was nicht heißt, daß ich jeden Müll kaufe, den mir Paläo-Ufologen, Bachblütentherapeuten und andere Spökenkieker andrehen wollen.

    Mein Skepsis V2.3-Patch springt allerdings immer dann an, wenn die Advokaten der einen oder anderen „Wahrheit“ sich der eristischen Dialektik nach Schopenhauer bedienen zu müssen glauben. Will sagen: mich in einen Topf mit Holocaustleugnern zu schmeißen, nur, weil ich Zweifel (noch nichtmal unbegründeterweise!) an den Dogmen unserer (ach so freiheitsliebenden!) Gesellschaftsführung anmelde, läuft nicht :-)

  6. BansheeOne  •  Sep 20, 2009 @22:22

    Ha, nein, natürlich nicht. Wie schon gesagt: Wir glauben das, was die eigenen Vorurteile bestätigt. Leute, deren Ausführungen diesen zuwiderlaufen, sind natürlich völlig bekloppt, die Flugzeug- und Cruise-Missile-Lager des 9/11 Truth Movement beschuldigen sich gegenseitig, eine False-Flag-Operation zur Diskreditierung der Bewegung zu sein, und wer glaubt, dass Hermann Göring die Brandstifter durch den Tunnel geschickt hat, dessen Rudiment heute im Durchgang zum Jakob-Kaiser-Haus zu besichtigen ist, ist selten Apostel der „Auschwitz-Lüge“. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass die „globale Klimakatastrophe“ zumindest eine gewaltige Übertreibung ist, mit der sich prima Spenden-und Forschungsgelder sowie – im Einzelfall eigentlich sogar ganz vernünftige – politische Ziele einwerben lassen. Alle anderen Verschwörungstheorien sind natürlich siehe oben.

    Und doch sind die gedanklichen Mechanismen letztlich dieselben. Und proportional zur Tiefe, in die man in den lichtlosen Abgründen des gesunden Menschenverstands vorstößt, scheinen sich die Gegensätze aufzulösen, die wir mit den klassischen politischen Lagern assoziieren. Links und Rechts frönen einträchtig dem Anti-Kapitalismus, Anti-Amerikanismus (wenn natürlich Horst Mahler über Wall Street herzieht, meint er die Juden, aber letzteres drückten wörtlich auch die Jungs aus, die hier kürzlich bei Protesten gegen die Bildungspolitik die Israel-Ausstellung in der Humboldt-Uni zertrümmerten), Gregor Gysi und Peter Gauweiler klagen einträchtig gegen Lissabon, ganz zu schweigen von den Ergüssen des wegen Rechtsabweichlertum von der CDU aus Partei und Bundestagsfraktion ausgeschlossenen Abgeordneten Henry Nitzsch; und ich habe es aufgegeben, die Leute einzuordnen, die aus dem Verbot der Todesstrafe in der EU-Menschenrechtscharta herauslesen, eben diese könne nunmehr wieder eingeführt werden.

    Die phänologische Unterscheidung ist sowieso schwierig geworden, seit Neonazis den modischen Hip-Hop-Style und die Taktiken der jüngeren Antifa kopiereren, und parallel zum Anti-Deutschen Lager der Linken muss es jetzt natürlich auch Nationale Sozialisten für Israel geben. Das klingt wie ein gigantischer schlechter Witz, und vielleicht ist es sogar einer. Oder aber eine Verschwörung. Wahrscheinlich steckt der Mossad dahinter.

    Und das Schlimmste ist: Dieser ganze Kram hat einen hohen Unterhaltungswert, und wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn schon deswegen erfinden.

  7. Akareyon  •  Sep 21, 2009 @13:23

    Seien wir doch ehrlich: diese ganze Rechts-Links-Polarisierung ist doch auch nur ein Plot der „Powers That Be“ getreu dem römischen Herrschaftsprinzip divide et impera und schon allein deswegen vollkommen obsolet.

    Das Phänomen „Piratenpartei“ scheint die erste Institution zu sein, die ohne diese Paradigmen in den Wahlkampf einzieht, offen bekennt, sowohl klassisch „linke“ Positionen zu vertreten (informationelle Selbstbestimmung) als auch konservativ zu sein (Schutz der bestehenden Internetkultur). Und die Antideutschen (tw_24, liest Du mit?) sind auch so lustige Vertreter – die sind so weit links, daß sie am rechten Rand schon wieder rauskommen. Man muß sich doch nicht in irgendeinem politischen Spektrum verorten, um seine Meinung vertreten zu dürfen. Ich bin progressiv-futuristischer, (wirtschafts)liberaler Anarcho-Syndikalist aus der Schule der Demarchie weit links von der Linken, dennoch extrem konservativ bezüglich tradierter Werte, Normen und Moralvorstellungen aus prä-judäo-christlichen Kulturen, was die Apotheose der Naturgeister angeht (Holismus, Nachhaltigkeit, Rousseau), da würde selbst die NSDAP mit den Ohren schlackern. Schon allein wegen des Internets bin ich „Globalist“ im Sinne des Zusammenwachsens der Kulturen und Nationen, für zollfreie Märkte und Friede, Freude, Eierkuchen. Indes bin ich stolz auf mein wunderschönes Eichsfeld, dort, wo Gott sich am siebten Schöpfungstage zum Ausruhen niedergelegt hat, das gedrechselte Dach des Westertors in den blauen Himmel ragt und enge, verwinkelte Fachwerkgassen in ihren kühlen Schatten laden, und die Hymne meiner Heimatstadt geht: „So weit die deutsche Flagge weht / In Ehren Hamburgs Name steht. / Heil über dir, Heil über dir, Hammonia, Hammonia! / O wie so glücklich stehst du da!“

    Ich hätte gerne einen Cheeseburger mit Majonnaise, im Wahllokal habe ich aber nur die Wahl zwischen Pommes, Big Mac und Apfeltasche: was soll der Scheiß?

    Das hat mit Demokratie im Sinne einer Volksherrschaft nicht viel zu tun – die Wahl zwischen zwei Übeln alle vier Jahre ist Parteien-Diktatur, Demokratur. In .de geht es noch, linst man über den großen Teich, wechseln sich alle vier bis acht Jahre zwei Gruppierungen beim Regieren ab und werden doch von den gleichen Konzernen gesponsert – es gibt NUR noch Apfeltaschen, dafür kann ich mir die Hemdfarbe der Bedienung aussuchen.

    Ich scheiße auf Deutschland, ich scheiße auf Amerika, ich scheiße auf Israel, ich scheiße auf Tibet, ich scheiße auf Palästina und ich scheiße auf den Iran – in ihren jeweiligen Funktionen als rechtsstaatliche Gebilde, Nationalterritorien und militärische Entitäten. Wir brauchen diese künstlichen Grenzen (in absehbarer Zukunft) einfach nicht mehr. Das macht mich nicht zum Antisemiten, Antizionisten, Antiamerikaner, Antiislamisten oder sonstwie Anti, sondern Pro Vielfalt, Toleranz und Respekt vor den unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und die Einsicht, daß wir einfach lauter Leute sind, die bis auf weiteres zusehen sollten, wie sie die Zukunft auf diesem wunderschönen Planeten gemeinsam gestalten wollen – nicht unter einem babylonischen, globalisierten Riesenreich unter der Ägide eines planetaren Superimperators (naja, ein benevolenter Tyrann hat auch seine Vorteile), sondern in einer Kultur, da auf regionaler Ebene in konsensorientierten Things herausgemendelt wird, was für die Region und ihre Beziehungen zu allen anderen Regionen am besten ist.

    Das ist eine Vision, nicht das ewige Gebashe dieser oder jener Interessengemeinschaft – so langsam sollten wir nämlich der Phase entwachsen sein, in der wir uns nur als Antithese zu den Ideen und Wunschvorstellungen der jeweils „anderen“ Gruppierungen definieren. Was bringt es, nur seinen „Änderhaken“ zu benutzen, um eine regierende Partei abzuwählen, wenn die technische Disposition längst erlaubt, seinem politischen Willen Ausdruck zu verleihen – selbst, wenn es dann heißt: jawoll, ich will, daß wir aufrüsten! Jawoll, ich bin dafür, Krieg gegen unsere Nachbarn zu führen! Oder: Für die uneingeschränkte und bedingungslose Freiheit der Meinungsäußerung im Internet, für den Frieden mit allen Völkern, dafür, daß wir einen Teil unserer Rohstoffe und Fazilitäten in die Genforschung, einen neuen Elektronenbeschleuniger oder die Besiedelung des roten Planeten investieren, dafür, daß unsere Jugend alle Mittel und Möglichkeiten erhält, sich zu bilden und ihre Interessen zu verfolgen als Forscher, Künstler, Malocher, Weltenbürger, dafür, daß wir uns nach alternativen Energiequellen umschauen und mit den vorhandenen sinnvoll haushalten.

    Nur mal als Beispiel dafür, daß das Links-Rechts-Paradigma und das damit einhergehende System aus Parteiräson und Lagerdenken ausgedient hat und aufgelöst gehört. Und jetzt mache mir einer den Vorwurf, ich mute den Menschen zuviel zu, wenn ich – wie Solon und JFK – von ihnen fordere, Politiker zu sein, sich eine informierte Meinung zu den Themen sie betreffend zu bilden und dieser auch noch Stimme zu verleihen!

  8. BansheeOne  •  Sep 28, 2009 @21:32

    Sorry, ich musste zwischendurch schnell mal eine Wahl gewinnen (Bonmot des Tages: Politiker im Wahlkampf sind wie Vulkanier im Pon-Farr: Nur Emotionen, keine Logik). Wollen mal sehen, ob ich noch einen Sinn in die gespeicherten Fragmente meines nächsten Posts bringen kann.

    Tja, ich bin ja letztlich auch ein romantischer Anarchist, der nur grummelnd anerkennt, dass ein organisiertes und auch sanktionsbewehrtes Gemeinwesen irgendwie notwendig ist. Denn am Ende vom Tag haben wir schließlich fließend Wasser doch ganz gerne.

    Sobald man allerdings kurze Zeit in meinem Job gearbeitet hat, stellt man fest, dass die meisten Menschen zwar gern und oft eine Meinung äußern, aber dabei nicht den Umweg über die Information machen. Oder vielmehr den Weg der selektiven Information, den das Internet in Verbindung mit einer intentionsgebunden bedienten Suchmaschine ja so grandios eröffnet. Dank der Segnungen der modernen Kommunikationstechnologie kann der resultierende Schmarrn dann auch mit einer einzigen E-Mail an alle MdBs verschickt werden, CC: Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Kabinettsmitglieder, Generalbundesanwaltschaft, Botschafter größerer Nationen. Darob wird man rasch zum Anhänger der repräsentativen Demokratie. Je repräsentativer, desto besser.

    Die Piraten sind nun in der Tat ein interessantes Phänomen – eine Partei gewordene neue soziale Bewegung wie es einst die Grünen waren. Vielleicht noch „radikaler“ insofern als sie einer nicht nur vom Lebensgefühl her, sondern physisch völlig neuen und parallel zur echten Welt existierenden entstammt, eben dem Internet. Eine folgerichtige Entwicklung insofern, als dass man doch manchmal den verdammten Eindruck kriegen kann, dass es in der etablierten Politik nicht nur keine Leute unter 40 gibt – es scheint auch niemand Leute unter 40 zu kennen. Anders ist der Schwachfug, der von dort zu Themen wie „Killerspiele“, Internetkontrolle, Paintball etc. kommt schlechterdings nicht zu erklären.

    Demzufolge sind die Piraten derzeit natürlich auch weitgehend Single-Issue-Partei, was da wäre „Freiheit des Netzes“. Die völlige Unbefangenheit – auch: Unbedarftheit – gegenüber konventionellen politischen Begriffen dieser Leute, die sich mit Masse wahrscheinlich vor Zensursula nie für Politik interessiert haben, zeigt sich ja in der Verdatterung, wenn sie mit den eingefahrenen Mechanismen der Politikmaschine Deutschland kollidieren. Siehe, apropos Holocaust, die Aufregung um die Äußerungen des Bodo Thiesen oder auch um das Interview, das Parteichef Seipenbusch der Jungen Freiheit gab – man glaubt ihm sofort, dass er gar nicht wusste, was für ein böses rechtes Blatt das ist. Natürlich sagt er auch, dass sich die Piraten eben nicht nach dem konventionellen Rechts-Links-Schema definierten. Und doch wird eben in der Erklärung der Reflex der Distanzierung „von Rechts“ als Grundbestandteil bundesrepublikanischer Mainstream-Politik sichtbar.

    Als Single-Issue-Partei werden die Piraten ohnehin keine bestimmende politische Kraft werden, denn irgendwann stellt auch die härteste Couchkartoffel fest, dass es Probleme in der Welt außerhalb des Internets gibt. Wenn’s gut geht, werden sie vielleicht eine deutsche Version der Libertarians, doch dafür müsste das Topos der weitgehend unreglementierten Freiheit vom Internet auf die echte Welt übertragen werden. Das hieße dann auch: keine Bankenaufsicht, keine von der Unteren Naturschutzbehörde vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen für das Anlegen eines Gartens, keine Tempolimits? „Freie Fahrt für freie Bürger“ ist ja die dem Deutschen emotional am nächsten stehende Äquivalenz zum amerikanischen „das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, soll nicht eingeschränkt werden“ (nicht dass ich nicht bekanntlich der Meinung wäre, dieses Feld wäre hierzulande auch noch ausbaufähig).

    Wenn’s natürlich schlecht geht, werden sie zu einer verbiesterten Spaßbremsenpartei wie die Grünen vor ihnen, die gerade alles verbieten will, was nicht in ihr Weltbild passt. Oder sie verpuffen geräuschlos. Immerhin, zwei Prozent aus dem Stand ist eine respektable Leistung und hat noch Potenzial nach oben.

    Unabhängig davon und voneinander scheinen viele Leute auf den Trichter zu kommen, dass das klassische Links-Rechts-Modell der Wirklichkeit längst nicht mehr genügt. Minimal wird so aus der Linie eine Matrix, deren zwei Dimensionen jeweils die Freiheitlichkeit der Einstellung zur Wirtschafts- und Sozialordnung beschreiben. Und man erinnere mich daran, dass ich endlich mal eine elektronisch präsentable Version des Sphärenmodells erstelle, das ich schon zu Studienzeiten so schön farbig in ein Heft gemalt habe und das so wundervoll die ähnliche Phänologie des rechten und linken Totalitarismus erklärt – am unteren Rand der Scheibe, wo Nazis und Kommunisten sich in rostbraunen Tönen die Hände reichen …

  9. Akareyon  •  Okt 3, 2009 @12:35

    Sobald man allerdings kurze Zeit in meinem Job gearbeitet hat, stellt man fest, dass die meisten Menschen zwar gern und oft eine Meinung äußern, aber dabei nicht den Umweg über die Information machen. […] Darob wird man rasch zum Anhänger der repräsentativen Demokratie. Je repräsentativer, desto besser.

    Will man’s den Leuten wirklich verdenken? Mal ganz empathisch: irgendwann befriedigt die Labberkost der etablierten Medien (um mal das Schlagwort Main Stream Media NICHT zu benutzen) einfach nicht mehr. Ich hab nu sechs Jahre an einer Dorftankstelle gearbeitet und jeden Tag genügend Möglichkeit gehabt, FAZ, Stern, Spiegel, Focus, Bild und regionale Tageszeitung (Rheinische Post & Generalanzeiger) nebeneinanderzuhalten. Irgendwann merkt man, daß die Sache so abläuft: Springer gibt den Diskurs vor, Spiegel intellektualisiert den Diskurs, FAZ lohnt sich nur Sonntags für den Wissenschaftsteil und den Feuilleton und irgendwann greift man lieber auf die Witze- und „Wußten Sie schon“-Seiten von Maxim und FHM zurück. Speckstücke sind in dieser Informationsbrühe rar gesät, also springt man kopfüber in den Brackwasserozean Internet und wird Teil irgendeines wunderschön glitzernden Schwarms, der im Idealfall selber geistige Verdauungsendprodukte in unüberschaubaren Mengen absondert, um den Teich vollends zum Umkippen zu bringen. Mir gefällt in diesem Zusammenhang auch das Bild vom „Group Jerk“, das wir neulich diskutierten…

    Ich vermute, diese Verschwörungstheorien sind meistenteils lediglich ein Ausdruck des Mißtrauens gegenüber einer Welt, die immer unverständlicher wird. Es sind selten dumme und desinteressierte Menschen, die jeden Partyabend mit stundenlangen Vorträgen über Chemtrails und Jimmy Carters UFO-Sichtung sprengen können. Irgendwann nämlich steht das Fragezeichen im Raum wie bei Super Mario Land: wat soll der ganze Scheiß? Kann es wirklich ZUFALL sein, taugen Gier, Machthunger und Unfähigkeit wirklich als Erklärung dafür, daß wir die uns gegebenen Mittel nicht benutzen, all die wunderschönen Utopias Menschheitsgeschichte endlich wahr werden zu lassen? Es muß doch einen Grund geben, eine Verschwörung, ein riesiges, grausames Geheimnis, ein systemischer Urgrund für Aufrüstung, Volksverdummung, Desinformation und die Aushungerung der dritten Welt.

    Nicht erst seit Watergate, dem Celler Loch und Operation Northwoods, weiß jeder Verschwörungstheoretiker, ist unseren Potentaten so ziemlich jede Schweinerei zwischen Sol und Sirius zuzutrauen. Von da ist es wirklich nicht mehr weit bis zur Magic Bullet Lee Harvey Oswalds und den Annunaki von Niburu, die 2012 kommen werden, um die Menschenernte einzufahren…

    Den Fehler als einen systemischen zu bezeichnen kommt der Wahrheit dabei wohl noch am nächsten – eine kollektive Massenhyptnose frei nach Goebbels und Bernays, und da wiederum ist die Funktion des Konspirationologen eine äußerst wichtige, nämlich die der Nebelmaschine. Hundertfach erprobt, tausendfach bewährt. Auch die tonfaschwingenden Polizisten mit Riot Gear und Tränengas hier und die schwarzvermummten Gestalten aus dem nationalautonomen Chaotenspektrum dort führen lediglich eine kleine Choreographie zur Unterhaltung der Massen auf, damit ja keiner nachdenken muß und jeder weiß, alles ist in Ordnung: für das „System“, weil die Ordnung obsiegt, für die „Chaoten“, weil sie sich mal wieder in ihrem Weltbild vom bösen Polizeistaat bestätigt fühlen. Und ja, verdammt, ich habe mit meinen eigenen Traumglubschkugeln gesehen, wie der Agent Provocateur eine Bierflasche aus dem ansonsten friedlichen 1. Mai-Demonstrationszug (incl. Rentner + Kinder) auf die Cops geworfen und sich nach der Einkesselung und verdachtsunabhängigen Festnahme der Hälfte der Teilnehmer ganz nonchalant zu den Beamten gesellt hat.

    Wenn nun also Frau Leyen daherkommt und mit (gültigem) Verweis auf Kinderpornographie (ungültigerweise) erklärt, das mit der Informationsfreiheit wäre ja eigentlich nie so ernst gemeint gewesen, und dann der Schäuble dahergerollt kommt und sagt, Privatsphäre können wir uns nicht leisten, und dann auch noch eine perfekte Westerwelle heranrauscht und sagt: geben wir den Pferden Hafer, da freuen sich die Spatzen – natürlich hakt es bei den Leuten aus. Das sind keine wirklichen Existenzängste, das ist schlicht und einfach eine psychische Dauerstressbelastung. Da wundert es nicht, daß eine nigelnagelneue Partei, die mit griffigem Namen und lustigen Slogans antritt und sich Freiheit auf die Jolly Roger schreibt, derartigen Zulauf erfährt und – zwei Prozent hin oder her – das bisherige Regierungsmodell infrage stellt.

    Minimal wird so aus der Linie eine Matrix, deren zwei Dimensionen jeweils die Freiheitlichkeit der Einstellung zur Wirtschafts- und Sozialordnung beschreiben. Und man erinnere mich daran, dass ich endlich mal eine elektronisch präsentable Version des Sphärenmodells erstelle […]

    Hiermit geschehen. Dennoch: selbst zwei Dimensionen wären mir da, ehrlich gesagt, viel zu wenig, mindestens zeiträumlich sollten wir schon denken können, auf einer ökonomischen, einer politischen (Infrastruktur), einer kulturellen (Bildung) und einer spirituellen/ethischen Ebene. Das hört sich jetzt an wie geklaut bei netz-vier.de, ist es auch :-) Ich mag’s deshalb, weil ich auch ein bisschen Monarchist bin im Sinne des Philosophenkönigs… im Vatikan bewährt sich das Prinzip seit ein paar Jahrhunderten, das soll mal einer nachmachen.

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