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    Tandaradei! Worum geht es?

    Die Dugarun sind eine Sammlung von Ideen, offenen Briefen an das morphogenetische Feld des menschlichen Kollektivbewußtseins, schrägschöner Musik, streams of consciousness, Grafiken, Texten, Gedichten, Selbstoffenbarungen und Schwurbeleien, kurz: dummer, unsinniger Gedanken am Rande und nebenbei, die hier destilliert, digitalisiert und unzensiert in die Schaufensterauslage Eures Bewußtseins drapiert liegen; im unerschütterlichen Glauben daran, daß eine bessere Welt nicht nur möglich, sondern auch längst überfällig ist; im optimistischen Vertrauen auf die Vernunft und die unvernünftige Liebe in uns allen; allen Widrigkeiten zum Trotze und dem chaotischen Kosmos zu Ehren. Keine Dogmen, keine Hypothesen und Postulate, keine Manifeste, bloß Ideen und Meme, die zu denken wir irgendwann mal für gut hielten; im Geiste der Weisen vergangener Zeiten und voller Vorfreude auf das irdische Eden des Friedens und das Lesen der Reben seiner Segen.

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    Päpstinnen und andere Spiritual-Pinups

    Dugarun, Gastbeiträge

    Gestern also das übliche Samstagsprogramm, wenn die Familienkonzentration in der Stadt eine kritische Dichte erreicht: Kuchen, Kino, Cannelloni (oder ein anderes Gericht nach Wahl in unserer bevorzugten Mafia-Geldwaschanlage). Im Cinemaxx am PoPl wurde “Die Päpstin” gegeben und zeigte uns ein finsteres Zeitalter, in der niedliche kleine Mädchen offenbar routinemäßig zu herbgesichtigen Pseudo-Kerlen heranwuchsen. Wobei ja Johanna Wokalek ausweislich der Badewannenszene in “Der Baader Meinhof Komplex” durchaus weiblich aussehen kann, wenn sie sich Mühe gibt. Außerdem dabei: Faramir und Posca, die beide im Wesentlichen das machen, was sie in “Herr der Ringe” und “Rom” auch schon gemacht haben. Der beste Part ist allerdings der von John Goodman.

    Wie auch immer, Erwähnung findet auch die Heilige Katharina von Alexandrien als vorbildhaft hochgebildetes Mädel, dass seinerzeit im Alleingang einen ganzen Schwung Heiden im theologischen Disput zum Christentum bekehrt habe und dafür märtyrisiert wurde. Moment, dachte ich, da war doch kürzlich was?

    Genau, uns droht außerdem noch “Agora” über Leben und Sterben der Hypatia von Alexandria, gespielt von Rachel Weisz (die einfach nicht aus Ägypten rauszukommen scheint). Beim Nachsehen der Filmstarts für dieses Jahr fiel mir schon im Sommer diese spätantike Philosophin in die Hände, die ich vorher gar nicht kannte. Ähnlichkeiten mit der Heiligen Katharina sind keinesfalls zufällig: Beim erneuten Nachschlagen stellte sich heraus, dass letztere wohl gar nicht existierte und die fromme Christenheit hier vielmehr die Lebensgeschichte der Hypatia vereinnahmt und umgestrickt hat. Was schon ein bisschen unverfroren ist, weil die Agnostikerin Hypatia schließlich von fanatisierten Christen in kleine Streifen geschnitten wurde.

    Dass “Die Päpstin” sich nun auf die Heilige Katharina bezieht ist besonders lustig, weil die Geschichte ja selber die Vereinnahmung und Umstrickung einer legendären Figur ist: Wie bei Katharina schaffen wir uns eine Heldin, die in ihrer Zeit für unseren aktuellen Stand der Vernunft wider die verdammten Heiden streitet, so wie wir das gerne gesehen hätten, und dabei draufgeht. Mit anderen Worten: Eine spirituelle Wichsphantasie mit Sado-Maso-Elementen. Die Heiden sind in diesem Fall natürlich die Kirchenmänner, die nichts von Logik halten, geschweige denn von Gleichstellungsbeauftragten. Was man natürlich mit Recht kritisieren kann, und “Der Name der Rose” hat das ja beispielsweise hervorragend und in den Begriffen der Zeit getan.

    Bei “Der Päpstin” hat man demgegenüber den Eindruck, sie versuche mit plumpen anachronistischen Mitteln “Der Name der Rose” zu sein. Okay, also haben wir hier ein paar fundamentalistische misogyne Kleriker paulinischer Prägung. Das haben wir nach der ersten Szene kapiert, weil es da schon mit der Kleisterrolle aufgetragen wurde. Dafür müsst ihr nicht noch eine weitere halbe Stunde lang Frau und Kinder verprügeln. Breaking News: “Mittelalter noch immer finster! Filmbeitrag um Acht!”

    Warten wir mal auf Hypatia (ich mag ja grundsätzlich schon mal diese vom Niedergang eines Zeitalters umwehte Prinz-Eisenherz-Epoche). Und verhüte Gott, dass Eure Denkweise jemals an den Maßstäben in 400 Jahren gemessen wird.

    3 Kommentare

    3 Kommentare

    1. Anba Bravin  •  Okt 26, 2009 @09:44

      ???
      Hab´ich da was in den falschen Hals bekommen oder nur mal wieder als “Mädel” nix kapiert?
      Das a la Hollywood Filmaufmachungen nicht gerade den europäischen Intellektuellen entzücken, ist allen bekannt auch den Produzenten. Aber das gefällt halt den meisten. Wie eine Teenagerin in einer Kinoschlange den Luther Film kommentierte “Grausig anstrengend, da muss man ja denken!!”

      Wegen “mysogyne Kleriker”, “mit Sado-Maso-Elementen” oder wie ich hier verstehe eine verfehlte Auferstehung starker Frauen im testosterongeladenen Meer der letzten 6000 Jahre Menschheitsgeschichte, empfehle ich:

      http://www.orgonelab.org/saharasia_de.htm

      Wegen Pinups, finde ich Marilyn Monroe doch besser als die unangenehm kopfgesteurte Johanna, für über´s Bett :)

    2. Akareyon  •  Sep 2, 2010 @08:49

      Haha, jetzt habe ich mir die Pontifexin auch mal ausgeliehen (und wunderte mich seit Wochen – bis vor fünf Minuten – , warum ich in der Videothek immer an Agora vorbeigelaufen bin und die Augen trotzdem immer dran kleben blieben) und kann jetzt auch ganz herzlich über Deinen Verriß lachen. Meine Güte. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, der Regisseur stellte sich das ungefähr so vor: wir drehen diese Szene aus diesem Sandalenstreifen nach, jene aus jenem, und irgendwie wird der Cutter schon ‘nen eigenständigen Film draus gebastelt bekommen. Irgendwie kam das alles sehr plakativ, klobig, unbeholfen und 2-dimensional-abziehbildmäßig daher; und es gibt, summa sumarum, subtilere Wege, eine Idee sozusagen in your fucking face rüberzubringen. Siehe “Requiem”, spielt auch im protoilluminierten Deutschland (Tübingen der ‘70er), thematisiert ebenfalls die Vorbildrolle der Hlg. Katharina und lebt durch die Glanzleistungen der Schauspieler, die mit einer Geste mehr zu sagen vermögen als zwanzig Meter Filmrolle “Die Päpstin”.

      Also Agora, um mitreden zu können.

    3. BansheeOne  •  Sep 2, 2010 @16:10

      Jetzt muss ich ja zugeben, dass ich “Agora” selber im Kino verpasst und noch nicht gesehen habe. Als Hobby-Astronom doppelt unverzeihlich, weil Hypatia sich laut Trailer auch mit diesem Feld befasst hat (damals, als “Philosoph” noch “weiß viel über alles” hieß). Memo an mich: Irgendwo zwischen Bundeswehr-Reform und RL-Trips mit Netzfreunden nach Ludwigslust und Seattle – Videothek. DVD. Fernseher.

      Echtes Leben hält einen sowieso viel zu viel von der Virtualität fern. Kürzlich wollte ich ja hier wenigstens mal unter dem Titel “Fidel und die Bilderberger” die letzte der wöchentlichen Reflexionen des Genossen Castro posten, die uns die kubanische Botschaft freundlicherweise immer in deutscher Übersetzung zumailt. Bei genauerem Hinsehen stellte ich allerdings fest, dass der faule Sack diesmal unter der Überschrift DIE WELTREGIERUNG lediglich 20 Seiten Zitate aus Daniel Estulins “Der Bilderberger-Club” abgetippt hat. Diese Revolutionsgreise sind auch nicht mehr das, was sie mal waren – kein origineller Gedanke mehr.

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