Und Du…

Dugarun

Broken Herz

Und Du, Du Schöne, die auf Umwegen in mein kleines Leben trat, nachdem sie meinen Ruf vernommen hatte und mir die Dinge sagte, von denen sie wissen mußte, daß sie meiner kummervollen Seele wie Honig schmecken würden! Du, deren Geliebter sich bei unserem ersten unschuldigen Gespräch schon vor Eifersucht verzehrte und entflammte im so gerechten wie unsinn’gen Zorn, und dessen Argwohn umso glühender wurde, je mehr sie ihm versicherte, daß nichts an mir sie interessierte als die Worte, von denen sie hoffte, daß ich sie sagen würde; und für dessen Herzensgröße sie dennoch keinen Vergleich zu finden vermochte als den der Mutterliebe!

Du, die versuchte, mit berauschenden Getränken meine Zunge zu lösen, auf daß ich die Beherrschung über meine Sinne verlöre und das Innerste meines Herzens in ihre Ohren ergösse! Du, die unter Bitten und Flehen immer und wieder mich bedrängte, zu erzählen, obschon ich doch disputiert hatte, was zu wissen ich glaubte und was zu glauben ich wußte! Du, die, als ob aus Furcht davor, Genuß dabei zu empfinden, oder wahrhaftig aus keuscher Treue mich zurückwies, als ich – halb im Übermut, und halb im Scherz, ganz und gar jedoch in Unschuld – meinen Kopf an ihre Schulter zu lehnen suchte, und doch immerfort den Qualm ihrer Zigarette in mein Gesicht zu blasen für schicklich erachtete!

Du, die überall Zweifel anzubringen wußte, hier im Schönen einen Makel und dort in eleusischer Perfektion das Mal des Banalen ausmachte! Du, die das Jahrtausende alte Spiel zwischen Locken und Jagen, Scheuchen und Abwenden mit mir spielte, als wäre meine Niederlage schon sicher gewesen von dem Augenblick an, da ich sie zuallererst gewahrte!

Necktest mich, und sicherlich genoß ich es, jede Sekunde, auch, als Du fragtest, ob ich Deiner schon überdrüssig geworden wäre – wie könnte ich! Doch fand ich im Schweigen mehr Wahrheit als in all der Torheit, die ich bereits zum Besten gegeben hatte, und ein übergroßes Maß an unaussprechlicher Freude, Dich – so hoffte ich (und hoff‘ ich noch!) – zum Freunde gewonnen zu haben. Denn ich möchte schaffen dürfen, ohne zerstören zu müssen, weiß ich doch um den Wert der morbiden Schönheit des im Verfall Begriffenen; und behüte mich Gott davor, Hand anzulegen an Dinge, die and’ren heil’ger sind als mir, selbst dort, wo nur ein einziges Wort endgültige Verwüstung über liebgewonnene Ödnis brächte.

Ich Irrer! als ich zuließ, daß Du durch Flehen und Betteln Dich entwürdigtest, mich beschämtest, da ich, Hochmut und marmorne Härte vortäuschend, mein tief’res Einsehen und Mitgefühl verbarg. Denn wo Du denkst, dieser alte Wandersmann sei ob Deines Liebreizes wie alle anderen – befangen – ist’s halb nur wahr: mein kleines Herz ist schlicht das eine Mal zu oft zu Bruch gegangen und vor einem weit’ren Male gar zu bang. So ford’re mehr nicht, als einem Freunde zu geben ich Willens wär; und verdenk‘ mir nicht, wenn ich im Dunkeln verborgen halte, was zu erhellen nur dem Augenlichterpaar der Einen gebührt, die auch mir in Liebe Einlaß in ihr Heiligtum gewährt.

Drum, Du Schöne, lebe, liebe, tanz und trink aus Glückes reichem Kelch, frage nicht mich oder sonst wen weiter nach dem Größ’ren, Höh’ren dieser Weltgewebe, nach dem einen Ziel von allen Lebenswegen: diese Antwort kann Dein Herz allein Dir geben. Lausch nur leis der Melodie in allem um Dich herum – und summ dazu Deine eig’ne Harmonie. Denn sicher kommt der Tag, und wir sehen uns wieder, und vielleicht, vielleicht nur singen wir einander die frohesten uns’rer Lieder: mehr wagt‘ ich nicht, zu wünschen und zu hoffen; klopfe nicht, meine Tür steht offen.

1 Kommentar

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  1. crissy  •  Nov 24, 2010 @06:00

    schön! – ob SIE es auch liest?

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