Tage wie diese, die da kommen

Dugarun, Gastbeiträge

Kürzlich also im Kino gesehen: „Die kommenden Tage“, die schon im Päpstinnen-Thread angekündigte Willi-Deutschmann-Produktion und Verwurstung modischer Zukunftsängste. Ich bin mit Vorbehalten daran gegangen, weil solche Machwerke zu blatantem politischen Predigertum neigen: Entweder „oh mein Gott, unsere Machtverhältnisse zerstören die Zukunft!“ oder „oh mein Gott, die Zukunft zerstört unsere Machtverhältnisse!“ Zu meiner positiven Überraschung vermeidet der Film diese Fallen weitgehend. Das liegt vielleicht daran, das er das Zerbröckeln einer Gesellschaft auf das Beispiel einer Familie herunterbricht, und die Veränderungen um diese herum ganz beiläufig darstellt. Schade eigentlich, dass die aufwändige Produktion auf überwiegend mattes Interesse gestoßen zu sein scheint.

Wie schon die Besetzungsliste nahelegte kann man sich zwar des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass hier jemand ein Remake des „Baader Meinhof Komplexes“ drehen wollte. Mittendrin gibt es dann die Einblendung „Vier Jahre später“, und boing! – schon gibt es automatische Verkehrssteuerungssysteme, animierte Werbung auf den Karrosserien öffentlicher Verkehrsmittel, volltransparente Computerdisplays in der Bibliothek und Flotten von Transportluftschiffen, die EU zerbröselt südlich der Alpen unter dem Migrationsdruck und Berlin wird zum Flüchtlingslager. Aber im Großen und Ganzen kommen die Charaktere und ihre Umgebung glaubwürdig rüber (einschließlich dummer Hühner, denen man die Lizenz zum Kinderkriegen abnehmen sollte), was einem auch Dystopien ja immer nahebringt. Der Film predigt nicht, sondern ist die ausgewogene Darstellung einer möglichen nahen Zukunft, ohne einfache Lösungen zu bieten. Dass das Ende nicht befriedigt, dürfte denn auch Absicht gewesen sein.

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