Leonard Cohen wusste alles

Dugarun, Gastbeiträge

Das Internet ist schon eine tolle Sache. Früher hätte so mancher noch auf einer Bananenkiste im Park stehen müssen, um der Welt seine Sorgen und Erkenntnisse mitzuteilen. Heute kann der vernetzte Mensch eine E-Mail direkt an die Bundeskanzlerin schreiben, CC: Bundespräsident, Bundesverfassungsgericht, Botschafter ausgewählter Nationen und sämtliche Bundestagsabgeordnete – ein einziger Klick, und schon sind alle gleichzeitig informiert. So erfährt man immer wieder erstaunliche Neuigkeiten.

Die meisten dieser geplagten Menschen wollen sich nur mal beschweren, dass sich zum Beispiel die örtliche  Bank mit der Justiz und der öffentlichen Verwaltung verschworen hat, ihnen kein Konto zu geben. Etwas schwerer hat es schon die Dame mit der Klage, dass Wolfgang Schäuble seit Jahren versuche, sie zu vergiften. Oder die andere Dame, deren Vater von dem ehemaligen NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark vor ihren Augen gefoltert und umgebracht wurde, welcher sie weiterhin ständig verfolgt um sie zu überreden, für das Pentagon zu arbeiten, weil sie seit 1968 ein Dutzend Mal den 11. September vorhergesagt hat. Außerdem haben die Amerikaner ihr Telefon angezapft, was man daran sieht, dass Donald Rumsfeld sich mal live im Fernsehen auf ihr Gespräch mit Harrison Ford bezogen hat, und Heidi Klum wörtlich ihre Vorhersage wiederholt hat, dass Saddam Hussein in wenigen Tagen gefunden wird. Sogar Julian Assange hat sie schon mal gefragt, warum ihr Name in Pentagon-Dokumenten auftaucht. Wenigsten hat sich Kronprinz Wilhelm-Alexander inzwischen zweimal persönlich an der Autobahn für die Rolle entschuldigt, die der niederländische Geheimdienst bei der Ermordung ihres Vaters gespielt hat; die Typen vom BND halten ihr immer nur eine Knarre an den Kopf.

Heute also kriegten wir die Strafanzeige eines Rechtsanwalts zur Kenntnis, der sich früher schon in drängenden Problemfällen wie der geplanten Dezimierung der Menschheit durch die guten alten Chemtrails engagiert hat. Diesmal geht es allerdings um den schweren Anschlag, den ausländische Geheimdienste am 26. Juni auf die Eröffnung der Fußball-WM der Frauen in Berlin verüben wollen, um sie dann den Moslems in die Schuhe zu schieben. Deutliche Hinweise hierfür finden sich unter anderem in Form von Leonard Cohens altem Gassenhauer „First we take Manhattan, then we take Berlin“, der ja zu allem Überfluss auch noch mit der Einspielung einer deutschen Radiomeldung zum Anschlag auf die Deutsch-Arabische Gesellschaft in Berlin 1986 anfängt. Das wusste ich zum Beispiel vorher gar nicht – man sieht, bei solchen Sachen lernt man was. Mindestens genauso schwerwiegend auch die Darstellung von Bomben, panisch flüchtenden Menschen, einer brennenden Stadt und satanischen Symbolen in dem aktuellen Nike-Werbespot mit der Nationalspielerin Lira Bajramaj. Ganz wie der 11. September lange vorher in Hollywood-Filmen angekündigt wurde. Man muss nur mal die Kabbala bemühen und die richtigen Quersummen ziehen.

Immerhin – anders als manch anderer Prophet, der später ganz schön dumm da gestanden hat, baut der wackere Rechtsanwalt für alle Eventualitäten vor. Wenn dann am 26. Juni gar kein Anschlag stattfinde, so erklärt er, werde das wohl daran liegen, dass die finsteren Pläne der Drahtzieher mittlerweile immer mehr Menschen über das Internet enhüllt würden. Dieser bestechenden Argumentation kann man sich natürlich nicht entziehen und möchte auf jeden Fall an der Weiterverbreitung dieser brandheißen Informationen mitwirken. Was ich hiermit getan haben möchte. Dankt mir nicht.

8 Kommentare

8 Kommentare

  1. Akareyon  •  Jul 2, 2011 @02:34

    fnord die strafanzeige hat 23 seiten fnord

  2. BansheeOne  •  Sep 12, 2011 @15:32

    Heute wieder so eine Nachricht von einer verfolgten Seele nebst 116-seitiger Verfassungsbeschwerde und separater Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bekommen. Demnach erfülle die von Angela Merkel hinsichtlich Irak betriebene Kriegstreiberei die Tatbestandvoraussetzungen von § 27 StGB (psychologisches Motivieren zu einer Straftat). In Anbetracht der mordlustigen Psychologie der Kanzlerin sei dann nur folgerichtig, dass Merkel Wolgang Schäuble zum Bundesfinanzminister ernannt habe, der bekanntlich Spendengelder von dem Waffenhändler Karl-Heinz Schreiber angenommen hatte, ohne diese zu deklarieren. In Anbetracht dieser illustren Regierung erstaune dann auch nicht, dass der SPD-Vorsitzende Gabriel und der amtierende Präsident am Bundesverfassungsgericht Vosskuhle Folter und Mord von kranken deutschen Bürgern zu Forschungszwecken als zulässige Einnahmequellen betrachteten, und dass Vosskuhle mit seiner Entscheidung vom 30.06.2009 nicht nur allfällige Verfassungsbeschwerden gegen die neue EU-Verfassung abgewiesen, sondern konkludent die Todesstrafe in Deutschland eingeführt habe.

    Aus unerfindlichen Gründen ist das Ganze dann an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann adressiert. Aber vielleicht kann der ja der Dame helfen.

  3. Akareyon  •  Sep 12, 2011 @19:17

    …zuständigkeitshalber vielleicht?

    Ich krieg ja den Spruch nicht los, den anlässlich des in Düsseldorf stattgefundenen Armutssymposiums Anfang diesen Jahres (die Dugarun berichteten) jemand losließ, als es im Plenum um die Adressaten der gemeinsamen Erklärung ging (so nach dem Motto: An: Stadtverwaltung D’dorf, An: Landesregierung NRW, An: Bundesregierung, An: EU-Parlament, einmal auf jeder Etage der Hierarchienpyramide ein Päckchen abgeben): „Das ist, als würde man den Mißbrauchstäter mit der Opferbetreuung beauftragen.“

    Na, aber wenigstens hat sich in Berlin jemand damit herumschlagen müssen und wer weiß, auf welch fruchtbaren Boden der Same fallen könnte…

    Im eigenen Interesse: auf die Schnelle kann ich keine sachlichen Mängel an den Ausführungen der Dame feststellen (ich weiß allerdings nicht, worauf sich die Anschuldigung bezieht, Gabriel und Voßkuhle hätten Folter und Mord zu Forschungszwecken gebilligt), aber ansonsten hört sich das an, als gehörte sie hier zur Stammleserschaft…

  4. Akareyon  •  Sep 12, 2011 @21:40

    …gibt mir irgendwie schon zu denken.

  5. BansheeOne  •  Sep 13, 2011 @11:32

    Hintergrund für die Folter- und Mord-Bezichtigung ist offenbar, dass das Verfassungsgericht die Beschwerde der Dame wegen verweigerter Nachbehandlung an der Uniklinik Freiburg abgelehnt hat (was Herr Gabriel jetzt damit zu tun hat, weiß ich allerdings auch nicht). Aufgekocht mit meiner Lieblings-Ente, wonach die Aufnahme der Europäischen Charta der Menschenrechte mit dem Verbot der Todesstrafe in die EU-Veträge die Wiedereinführung eben dieser ermögliche (das wäre eigentlich mal einen eigenen Post wert), und das Ganze unter dem Betreff „Massenmörderin Angela Merkel“. Kleiner haben’s solche Kunden nämlich nicht.

  6. Akareyon  •  Sep 16, 2011 @21:45

    Das wäre in der Tat einen eigenen Post wert. Mich würd das nämlich auch mal interessieren. Wikipedia hat einen Absatz zu dem Thema, worin auch nur erklärt wird, daß das alles eigentlich nicht so schlimm ist (nur, um nicht hier zu zitieren…)

  7. BansheeOne  •  Sep 17, 2011 @07:39

    Der Wiki-Artikel stellt die dürren Fakten eigentlich schon richtig dar. Ich führe das mal ein bisschen aus, sobald ich ganz wach bin [schnarch].

  8. Akareyon  •  Sep 18, 2011 @12:14

    Wünsche wohl geruht zu haben.

    Vielen Dank auch an dieser Stelle nochmal für die Mühe; sicherlich entkräftet das auch den nicht sehr stringenten Vorwurf der Dame, die sich offensichtlich im guten Glauben an die Kritik von Elsässer, Gauweiler, Schachtschneider et alii anlehnt und (so wie sich das hier aus der uninformierten Entfernung darstellt) ansonsten vom Empfinden persönlich erlittenen Unrechts motiviert, die Schuld daran nach viel Hin und Her irgendwo im Aussen/im System verortet und – folgerichtig – im Rahmen der ihr gegebenen Mittel die Vertreter desselben vor den höchsten Kadi zerrt. Meinen Respekt hat sie also ungeachtet der sachlichen Mängel; aber vielleicht muß man auch selbst mal arg geschunden durch die Mühlen der Bürokratie gefallen sein, um den „adressatenlosen Zorn“ (ich liebe Georg Schramm) nachempfinden zu können, der sich bei weniger leidenserprobten/-gewöhnten Mitmenschen statt in apathischer Frustration in Schriften wie der von Dir erwähnten entladen muß.

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