Stichwort: Hinterfragung.

Occupy KNAX

Dugarun

+ + + U P D A T E  (26.12.2011) + + +

Mittlerweile hat man sich dazu herabgelassen, Information durchsickern zu lassen:

Wir haben die Pinnwand für Beiträge Dritter vorübergehend geschlossen, diese Einstellung verbirgt leider auch alle alten Beiträge, die nicht von uns sind. Aber weg sind die Beiträge nicht, keine Bange. /red


Vorbemerkung:
der Deutsche Sparkassen – und Giroverband hatte auf Facebook seine Kunden und potentiellen Kunden zum Dialog eingeladen (die Dugarun berichteten), „Diskutieren Sie mit uns“, heißt es dort immer noch, und:

Wir stellen uns einer offenen und transparenten Diskussion. Mit diesem offenen Format haben wir Anregungen aus der Occupy-Bewegung und von Anonymus aufgenommen. Wir werden uns bemühen, auf Ihre Fragen, Anregungen und Kritik sachlich, konkret und so schnell wie möglich zu reagieren. Dabei wünschen wir uns einen respektvollen Umgang aller Nutzer miteinander.

Tatsächlich entbrannte eine teils sehr emotionale, teils äußerst sachliche Debatte. Ob die Sparkassen auf Lebensmittel spekulieren würde wie die Deutsche Bank, wurde gefragt; der Vorwurf gemacht, man wolle ja nur Werbung mit der Bewegung machen. Die Redaktion des Sparkassenverbands reagierte auf Beleidigungen, Diffamierungen und Unterstellungen souverän, wandte die übliche Salamischeibchentaktik an (nur zugeben, was man nicht leugnen kann) und ansonsten mangelte es nicht an guten Vorschlägen – natürlich darunter auch der einer grundsätzlichen Geldsystemdebatte, der sich die Sparkasse jedoch kategorisch verschloß, weil Zins ja zum Sparen anregt und Sparen sei das wichtigste momentan!!11! Auf die aufgezeigten Diskrepanzen in ihren eigenen Rechenbeispielen und Buchungssätzen gingen sie dann gar nicht erst ein.

Alles in allem dennoch eine angeregte, interessante und informative Debatte, zumal man doch das eine oder andere Mal noch mit einem Argument konfrontiert wird, das man so noch nicht kannte. Gestern hat sich die Redaktion anscheinend entschlossen, alle Pinnwandeinträge – und damit Diskussionsstränge – die sie nicht selbst gestartet hat, zu prunen. Weg. Futsch. Jetzt stehen da nur noch ihre eigenen Beiträge mit vielen „Gefällt mir“s… strange! Es gab Andeutungen, daß man sich gerade mit der „Aggregation“ und „Visualisierung“ und einer besseren Übersicht auf Softwareseite beschäftige, es bleibt zu hoffen, daß sie ein Backup gezogen haben und wirklich nach Neujahr Ernst machen mit der Debatte. Irgendwie nämlich mag ich nicht glauben, daß die erst einen Honigtopf da hinstellen und dann die Falle zuschnappen lassen, so dumm kann kein Manager sein, erst zur Diskussion einzuladen und dann allen die Tür vor der Nase zuzuknallen.

es sollte ja eigentlich eine Überraschung für das neue Jahr werden. Aber wir arbeiten an einer übersichtlicheren Darstellung der Diskussionen. Dann müssen nicht so viele Fragen und Antworten wiederholt werden und man kann sich besser orientieren. Hier müssen unsere Technikkollegen aber über das Facebook-Angebot hinaus etwas „basteln“. Aber die bekommen das hin. Die sind gut! /ca

In jedem Falle möchte ich meine dort veröffentlichte KNAX-Geschichte nicht dem digitalen Nirwana und der Herrschaftswillkür eines informationsdespotischen Systems überantwortet wissen und reposte sie hier. Ursprünglich bestand nämlich die Hoffnung, daß die Sparkasse die Systemkritik in der Sprache ihrer eigenen Traumwelt am besten verstehen würde, und ganz erloschen ist diese Hoffnung noch nicht.

(KNAX ist ein Werbecomic, der von den Sparkassen seit 1974 alle zwei Monate in Millionenauflage (mit enormem propagandistischen Erfolg) an „junge Kunden“ verteilt wird und daher auch in meinem Pantheon seinen rechtmäßigen Platz eingenommen hat. Die Robinsonade stellt eine mittelalterliche Idealgesellschaft dar, in der jede Zunft und Gesellschaftsschicht von einem Charakter des Inseldorfes KNAX dargestellt wird – Schankwart ist der Wirt, Schlapf der immermüde Nachwächter, Emmerich der Kaufmann, Gantenkiel der Bänker, der zum Sparen aufruft, Ambros der Schmied und Erfinder, Backbert und Steuerbert die Seebären und Malocher,  Walter Wildfang der „Grüne“ usw. Die Antihelden sind die Fetzensteiner unter der Leitung von Fetz Braun, die auf einer Burg ausserhalb des Dorfes leben und mit ihren Raubzügen das beschauliche Idyll hin und wieder auflockern. Eine Vorstellung aller Figuren findet sich im Fotoalbum der KNAX-Homepage).

~~~

Wir schreiben das Jahr 2011. KNAX ist schon lange kein isoliertes Inselidyll mehr, auf dem die Eskapaden der Fetzensteiner mehr zur willkommenen Abwechslung und sportlichen Betätigung beitragen als zu dauerhaftem Ärger und Entzweiung. KNAX ist globalisiert, KNAX versinkt in Arbeitslosigkeit, Depression und Zivilisationsmüll. Emmerich schreibt andauernd höhere Preise an seine Waren, Ambros hat sich auf Waffen und sonstiges Schmerzzufügungswerkzeug aller Art spezialisiert, Pierre Kattun hat seine Produktion nach Fernost ausgelagert und verkauft die Kindersklavenarbeit als teure Markenklamotten, Pomm-Fritz und Pomm-Friedel kippen ihre Milch lieber empört ins Meer, als sie zu billig zu verkaufen, Backbert hat auf einem riesigen Fischtrawler anheuern müssen, um über die Runden zu kommen, und fängt die Fischgründe leer, während Steuerbert arbeitslos ist und mit besorgniserregenden Leberwerten zuhause rumgammelt (wiederum zum Unfrieden jener, die Überstunden machen müssen), Schankwart vereinsamt in einer meist gähnend leeren Kneipe, Walter Wildfangs Wald ist weggerodet und Dodo und Didi hängen lieber zuhause oder auf der Straße rum, als sich mit der immer dreisteren Selbstbereicherung Fetz Brauns auseinanderzusetzen. Bleiben noch Nero und Kiki oder daß Brunhold endlich ein schlechtes Gewissen kriegt (das ganze vor dem inneren Augen vielleicht noch im Zeichenstil von Frank Frazetta vorstellen)…

[..]

– DRITTER AKT –

[Schankwarts Schänke. Betrübte Stimmung, tote Hose, Schankwart putzt gelangweilt saubere Gläser, aus denen nur noch selten getrunken wird, zum hundertsten Male – allein in dieser Nacht. Nur Feelicia und Gantenkiel stecken beim gedämpften Licht einer Petroleumlampe die Köpfe zusammen.]

„Gantenkiel“, begann Feelicia die Unterhaltung mit ihrer typisch liebensgewürzigen Art, „wie konntest Du nur zulassen, daß ausgerechnet Fetz Braun das Monopol aufs Gelddrucken bekommt? Wär das nicht dein Job, jedes Jahr nur so viel Geld zu drucken, wie wir hier tatsächlich auf der Insel für diesen Zeitraum brauchen?“

„Ja aber…“, hub Gantenkiel an.

„Nix ‚ja aber’!“ Feelicia konnte auch zornig gucken, das war ihm nie so aufgefallen. „Wie wär’s mal mit ‚Warum nicht?‘ – Das war doch klar, daß Fetz Braun nichts gutes im Schilde führte, als er Dir anbot, das Geld bei sich auf Burg Fetzenstein zu drucken.“

„Wir dachten, er hätte sich gebessert! Es waren alle einverstanden! Und seitdem ist er ja auch nicht mehr auffällig geworden, wir sehen ihn im Dorf so gut wie überhaupt nicht mehr.“

„Nein, nur noch einmal im Jahr, wenn wir unsere Schulden an seiner Zugbrücke abliefern müssen und, weil wir mittlerweile kaum noch was haben, um seine Forderungen erfüllen müssen: Überstunden, Zeitarbeit… selbst von mir verlangt er letztlich mehr Kräuter, als ich je pflanzen und er je rauchen kann, und ich mag gar nicht aussprechen, was er mir durch Zipfel für Vorschläge zur Tilgung unterbreiten lassen hat.“ Sie schauderte und machte einen angewiderten Gesichtsausdruck, der erahnen ließ, daß sie ein ums andere Mal schon so verzweifelt gewesen war, über Fetzens Angebot ernsthaft nachzudenken zu müssen. Eine Zeitlang hatte sie wenigstens Emmerich im Laden zur Hand gehen können, doch der mußte sie wieder entlassen, weil er sich ihren Lohn nicht leisten konnte, so schlecht gingen die Geschäfte. „Gantenkiel, mach die Augen auf, er hat sich von Ambros seine Burg vergolden und mit Blidenartillerie ausstatten lassen und droht, die Stadt in Schutt und Asche zu legen, wenn wir seine Forderungen nicht erfüllen! Hast du mal die Yacht gesehen, die unter seinem Felsen ankert? Die ‚Bankette‘, die er auf seiner Burg feiert?“

Gantenkiel wollte etwas sagen, doch Schankwart stellte ihm geräuschvoll einen neuen Humpen hin, und er nahm erstmal einen Hieb, ohne aufzublicken. Dann nahm er all seinen Mut zusammen. „Was soll ich denn tun? Kann ich was dafür, daß Steuerbert keinen Job hat? Ich will dir mal was sagen, ich kann ihm einfach kein Geld mehr geben, weil er es am dritten schon komplett versoffen hat. Und die Pomms kommen mit ihren Raten für den Kredit für den neuen Kuhstall nicht nach. Von irgendwas muß ich doch auch leben!“

„Wir sollten protestieren!“ rief sie. „Und du auch.“

„Ich hab doch gesehen, was dabei herauskommt. Damit er uns wieder mit seinem Zwiebelnebelsprühzeug verscheucht wie im Oktober?“ Feelicias Gesicht verfinsterte sich bei der Erinnerung an die rotverqollenen Augen und anderen miesen Tricks, mit denen Fetz Braun ihren letzten Zwergenaufstand niedergeschlagen hatte. Diesmal war er ihnen anscheinend wirklich über. Gantenkiel lehnte sich zurück, nahm noch einen Schluck und war überzeugt, seinen Standpunkt in aller Entschiedenheit klargemacht zu haben.

Da tapste Nero herein, um die Pizza für Dodo und Didi abzuholen. Sein Gang war schwer und traurig geworden, seit das Unheil über Knax hereingebrochen war und die Kinder ihn mit Kiki allein gassigehen ließen. Nero ließ sich von Feelicia begrüßen und knurrte Gantenkiel an, der das zwar schon gewöhnt war, trotzdem innerlich zusammenzuckte. Bedrückt sahen sie zu, wie er sich die aufgebackene Tiefkühlpizza von Schankwart geben ließ und dieser nach dem Geldbeutel am Halsband suchte – vergeblich. „Schon gut“, sagte Schankwart und kraulte Nero hinterm Ohr, „geh nur, ich schreib’s auf den Deckel von den beiden“, und warf Gantenkiel einen bösen Blick zu, vor dem dieser sich hinter seinem Humpen wegduckte. Nero wuffte etwas hundisches an der Pizzapackung zwischen seinen Zähnen vorbei und schob wieder ab. Kiki schaute durch die Tür, sah Gantenkiel, kam angeflitzt, sprang von der Bank auf den Tisch, zeigte ihm beide ausgestreckte Mittelfinger und verschwand wieder so schnell, wie sie gekommen war.

„Siehst Du, Feelicia? Selbst Didi und Dodo stopfen sich nur noch mit Junkfood voll. Und auf mir wird rumgehackt. Was hab ich den falsch gemacht? Warum soll ich für alles verantwortlich sein?!“, wimmerte Gantenkiel.

„Das sagt doch keiner! Aber wir können doch nicht so tun, als ob das ewig so weiterginge!“

„Was schlägst Du vor?“

Doch da wurden sie wieder unterbrochen, denn Schlapf betrat die Stube und schlurfte langsam zum Tresen, nuschelte ein „moin“ in die Runde und bestellte sich sein Feierabendbier.

Gantenkiel sah auf die Uhr. „Donnerwetter, es ist früh Uhr morgens… sind wir schon so lange am Diskutieren?“

Da erhellte sich Feelicias Gesichtsausdruck plötzlich. „Du, ich glaube, ich habe eine Idee.“

„Ich auch! Wir räuchern Burg Fetzenstein aus!“ wütete Schankwart, der, wie jeder gute Wirt, jedes Wort mithörte, selbst, wenn er so tat, als wäre er gar nicht da. Doch Feelicia verzog das Gesicht, denn dazu mochte sie die Fetzensteiner viel zu sehr und war überdies der Auffassung, daß Gewalt nur Gegengewalt erzeuge.

„Ja, es reicht wirklich. Ich komme kaum noch zum Schlafen“, jammerte da Schlapf. „Ich muß doch ausgeruht sein für meinen Job!“

Feelicia lächelte milde, während Schankwart sich vor Lachen hinter dem Tresen kringelte und Gantenkiel nur trübe in seinen Humpen starrte. Schlafen konnte er nämlich schon lange nicht mehr ohne die ungesund starken und fürchterlich bitteren Tees aus Feelicias Kräutergarten.

„Nein, Schlapf. Hört mir zu“, sagte Feelicia. „Geld ist doch, was gilt. Das heißt, Fetz Braun hat nur deshalb Macht über uns, weil das Geld, das er druckt, fast genauso aussieht wie das, das wir vorher benutzt haben.“ – „Schön und gut, aber das wird jetzt doch zu fee-losophisch!“, wandte Gantenkiel ein. Feelicia verzog das Gesicht, verkniff sich jedoch eine bissige Replik. Ihr war ja auch bewußt, daß ihre Glaubwürdigkeit stark gelitten hatte, weil sie die Fetzensteiner immer gegen allzu unfaire Angriffe verteidigt hatte. Als Mediatorin hatte sie bei dem jüngsten Angriff der Fetzensteiner auf den Wohlstand und den Frieden auf KNAX jedoch zur Gänze versagt, doch sie wollte doch etwas gutmachen! „Wir drucken einfach unsere Komplementärwährung! Wenn Brunhold die nächste Ladung Geldscheine auf dem Marktplatz auskippt, lagern wir das alles einfach bei Dir ein, drucken Gutscheine im Gegenwert und statten diese mit einer Umlaufsicherungsgebühr aus. Nach einem Jahr ist es nur noch 90& wert oder sowas in der Art.“

„Wer würde denn so ein Geld haben wollen?“, erwiderte Schlapf müde, und Gantenkiel nickte eifrig, nachdem er ein paar Buchungssätze und Exponentialfunktionen auf seine Serviette gekritzelt hatte.

„Eben das ist der Punkt!“ triumphierte Feelicia. „Wir würden alle zusehen, das Geld so schnell wie möglich wieder loszuwerden – der letzte mit so einem Schein hat den schwarzen Peter und muß die Umlaufsicherung bezahlen.“

„Das setzt sich doch nie durch!“ Auch Schankwart schüttelte jetzt verständnislos den Kopf.

„Warum nicht? Wenn du dir sicher sein kannst, daß du die Gutscheine bei Gantenkiel wieder gegen Fetzentaler eintauschen kannst, würdest du sie doch annehmen, oder nicht? Für Didi und Dodo machst du doch sowieso Deckel.“

Schankwart überlegte kurz und nickte schließlich.

„Und wenn Emmerich auch noch mitmacht…“

Da fiel Schankwart etwas ein: „Warum sollte Steuerbert zum Beispiel überhaupt an deine Gutscheine kommen?“

„Na, oft genug hilft er ja doch den Pomms auf dem Hof, er sagt doch selbst, sonst fällt ihm die Decke auf den Kopf. Das Problem ist nur, daß die Pomms ihn nicht bezahlen können, weil sie auf ihren Hof eine Hypothek bei Fetz Braun aufnehmen mußten und da am Abstottern sind. Aber wenn Emmerich auch mitmacht, kann er ihre Karotten zum Beispiel ja damit bezahlen. Dann geben sie das Steuerbert für die Hilfe bei der Ernte. Derselbe Geldwert läuft viel schneller um und sorgt so für echtes Wachstum. Es soll ja keiner reich werden, wir wollen doch bloß alle was anständiges zu tun haben. Wir werden ja immer mehr zu Fetzensteinern und fangen an, uns gegenseitig zu übervorteilen.“

„Ich verstehe die Rechnung nicht. Dann könnten die Pomms den Steuerbert doch gleich in Fetzentalern bezahlen?“ Gantenkiel nahm den Hut ab, um sich am Kopf zu kratzen.

„Sicher, doch schlechtes Geld verdrängt gutes. Wenn Du die Wahl hast, ‚echtes‘ Geld auszugeben oder einen Gutschein, der Dir in der Börse brennt, gibst Du den doch zuerst ab. Erinnert Ihr Euch an die Fünf-Mark-Scheine? Die waren so selten und ausserordentlich schick – wenn man so einen hatte, hat man den zuletzt ausgegeben oder sogar aufbewahrt. Genauso wär’s mit den Gutscheinen. Die würden ganz fix die Runde machen, weil jeder die so schnell wie möglich wieder loswerden wollen würde, daß aus einem Gutschein für 100 Fetzentaler, die bei dir im Tresor lagern, in der Zeit locker ein Vielfaches an Produktivität freigesetzt worden wäre; ich hab mal gelesen, in irgendeiner Kleinstadt in den Bergen auf dem Festland soll das schonmal ganz wunderbar geklappt haben. Es ist ja nicht so, daß Steuerbert nichts tun will – schließlich hat er ständig Zoff mit Backbert deswegen – er sieht nur nur nicht mehr ein, sich den Buckel krumm zu machen, während Fetz Braun es sich gutgehen läßt. Soll der sich doch mit seinen Fetzentalern seine Hütte tapezieren! Wir haben eigentlich genug zu tun – wir können Walter Wildfangs Wald wieder aufforsten…“ – „Die Stadtmauer müßte mal wieder gestrichen werden…“, gähnte Schlapf und bettete sein Haupt auf den Tresen, um weiterzuschlafen.

So bekam er nicht mit, daß Mampf und Zipfel die Stube betraten. Man grüßte finster-verlegen und anstandshalber, ohne sich dabei tieferer Aufrichtigkeit zu versichern, und die beiden bestellten im unverschämten Befehlston was zu Essen bei Schankwart, um sich am Nachbartisch breitzumachen und allgemein flegelhaft zu benehmen. Indes, glücklich schienen auch sie nicht, denn wie sie Feelicia anvertraut hatten, ging ihnen das Gehabe von Fetz Braun in letzter Zeit fürchterlich auf den Zwirn, sagten aber nichts, der ganzen leckeren Mampfereien wegen, die ihnen Fetz Brauns jüngster und ungewohnt erfolgreicher Beutezug einbrachte; wenn sie auch zugeben mußten, daß es in letzter Zeit zuviel des Guten wurde und sie ganze Wagenladungen an Brot, Fisch und Käse über die Burgmauer ins Meer kippen mußten, damit es ihnen nicht im Burghof verdirbt, was wiederum den Fischen gar nicht schmeckte, wie Backbert regelmäßig versicherte. Im Übrigen war Fetz Braun – so munkelte man – selbst nicht ganz geheuer bei der Geschichte, hätte das aber nie im Leben zugegeben, schon allein der Fallhöhe aus dem Burgturmfenster wegen – was vermutlich seine verzweifelten Aufrüstungsbestrebungen erklärte.

„Sst“, machte Gantenkiel verschwörerisch, und als Feelicia nicht sofort reagierte, trat er ihr unter dem Tisch sanft auf den Fuß. Verdutzt schaute sie auf. Mit einer Kopfbewegung und seltsamen Grimassen deutete er auf die beiden Neuankömmlinge. Feelicia verstand nicht sofort. „Die da überzeugen!“ flüsterte er. „Eher bringst du Langbart Integralrechnung bei“, zischte sie zurück, doch dann unterhielten sie sich über das Wetter, um keinen Verdacht zu erregen, zahlten angelegentlich ihre Zeche bei Schankwart und traten hinaus auf die Dorfstraße.

„Früher haben wir uns zwar auch aufgeregt, aber da hat’s noch Spaß gemacht, sich zu fetzen mit den Fetzensteinern“, sinnierte Gantenkiel, als er Feelicia Richtung Stadttor begleitete. „Ja, jetzt haben sie es echt mal zu weit getrieben.“ – „Und du meinst, das würde klappen mit den Gutscheinen?“ – „Schlaf einfach die Nacht drüber und dann quatsch einfach mal mit Emmerich. Dem müßte das doch auch lieb sein, wenn er wieder verkauft und vor allem wieder anständiges Brot und Käse im Sortiment hat, nicht diesen fertig abgepackten Fraß. Und vergiß Pierre nicht. Er hat schon ewig nichts mehr gemalt und er macht einen sehr unausgeglichenen Eindruck, seine ‚Kreationen‘ wirken etwas gestelzt in letzter Zeit. Das letzte Kleid, das er für mich nähen sollte, bestand aus Bindfäden, er meinte, das würde man jetzt so tragen. Den Preis darf ich gar nicht erzählen.“

Gantenkiel verdrängte die Vorstellung aus seiner Phantasie und räusperte sich. „Wieviele ‚Inselrettungsgutscheine‘ willst du denn drucken?“

„Genau so viel, wie wir brauchen, um die Stadtmauer zu streichen und den Wald wieder instand zu setzen und die Produkte der Pomms bezahlen zu können. Es geht doch gar nicht darum, was da für eine Zahl oder für ein Symbol draufsteht, sondern, daß es eine Gültigkeit besitzt, und die Gültigkeit erfährt es doch erst dadurch, daß wir es verwenden und uns gegenseitig für unsere Dienstleistungen und Produkte bezahlen – wohlgemerkt, uns gegenseitig, nicht Fetz Braun und seine Bande. Du bist der Mathematiker, du mußt doch wissen, wie Wirtschaft funktioniert.“

„Und wie erklären wir das den anderen am besten? Was ist mit Ambros? Er macht gerade das Geschäft seines Lebens! Ohne den wär der Ofen schon längst aus in der Stadt.“

Sie sah ihn schief an. „Es wird ihm wohl kaum gefallen, daß seine martialischen Bärenfallen den ersten Verteidigungsring von Burg Fetzenstein bilden. Deswegen sind Dodo und Didi doch so sauer auf ihn; weil es einmal fast um Kiki geschehen wäre – und einmal hat Brunhold Kiki und Nero schon fast über den Haufen gefahren mit seiner dämlichen Prachtkutsche. Dabei hat sich Ambros mal so gut mit den beiden verstanden. Du doch auch.“

Gantenkiel nickte. Aus den netten, aufgeweckten Kindern, die sich immer über seine Werbegeschenke beim Inselspartag gefreut hatten, waren erbitterte Kritiker geworden, denen er kaum noch erklären konnte, wie Geld überhaupt genau funktioniert, weil er es selbst nicht verstand und die meiste Zeit damit zubrachte, die ganzen Konten irgendwie so hinzupuzzeln, daß er Fetz Braun regelmäßig den verlangten Zins zurückzahlen konnte, den dieser dafür verlangte, daß er ihm die Fetzentaler zur Verfügung stellte und das „Ausfallrisiko“ trug, so, wie sie es vertraglich vereinbart hatten – übrigens mit dem Einverständnis aller Einwohner der Insel.

„Aber was machen wir Steuerbert?“ – „Du immer mit deinem ‚ja aber’!“, lachte Feelicia da und knuffte ihm zärtlich an die Schulter, doch er tat schon aus Reflex so, als hätte sie ihm böse wehgetan, und sie entschuldigte sich nicht. „Laß mich das mal machen, und Zipfel und Mampf knöpfe ich mir auch noch vor. Die haben doch nur Bammel, daß sie wieder fürchterlich den Mors versohlt kriegen. Hätten sie ja auch verdient“ – fügte sie leiste hinzu, seufzte und wies betrübt auf die kaputten Fenster, die blätternden Fassadenanstriche und die von Schlaglöchern zerfressene Straße, über deren erstes fahles Morgenlicht Horden von Ratten zwischen den an den Häuserwänden gestapelten Müllbergen hin- und herhuschten. Walter Wildfang hätte vorher NIE die Worte „Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen“ auch nur gedacht, geschweige denn ausgesprochen, und nun war die Ausführung selbiger schon Normalität und täglich Brot für ihn geworden! Irgendwas war faul mit der Insel, soviel war klar, und auch Gantenkiel schaute sich um, als sähe er das alles zum ersten Mal. Komisch, vor seinem Haus war meist aufgeräumt, wenn nicht Didi und Dodo dort herumlungerten und Handzettel verteilten, in denen sie ihn – ihn, Gantenkiel! – der abscheulichsten Ungeheuerlichkeiten zeihten.

Emmerich machte gerade mit morgendlich-entnervtem Gesichtsausdruck seinen Laden auf, Steuerbert stand schon wie ein abgetakelter Seelenverkäufer bei Windstärke zehn wankend mit einer Tasche voll Pfandgut auf seiner Matte und machte einen sehr ungesunden Eindruck. Aus Ambros‘ Schmiede quoll schwarzer Rauch auf und verdeckte die Strahlen der aufgehenden Sonne, aus einem Fenster fielen klimpernd serienproduzierte Bärenfallen und Morgensternkugeln für Burg Fetzenstein. Pierre schloß seine Fensterläden auf und hängte die neuesten Knaxxi-, Hugo Knoxx-, Knaxiknax- und Knolxe&Insulana-Klamotten in die Auslagen, obwohl er wußte, daß nur Gantenkiel – der sowas nicht trug – und die Fetzensteiner sich den Fummel noch leisten konnten, ausserdem hatte er Didi im Verdacht, neuerdings einfach zum Zocken übergegangen zu sein, statt seine Hosen zu bezahlen. Sie erreichten das Tor und gaben sich die Hand zum Abschied. „Kopf hoch“, lächelte Feelicia und stupste Gantenkiel zärtlich unters Kinn. „Wir kriegen das hin. Mit den Fetzensteinern sind wir bisher immer irgendwie fertiggeworden, oder nicht?“

Da mußte auch Gantenkiel lächeln, und er sah ihr noch eine Weile nach, als sie sich auf den Weg zu ihrem Baumhaus machte…

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„Occup KNAX“ ist Fan Fiction ohne monetäre Gewinnabsicht. Markenrechtliche Bestimmungen bleiben daher unberührt. Um Verbreitung, Ausführung und Verfilmung wird ausdrücklich gebeten).

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Besetzt!

Dugarun

Irgendwie haben diese Filmheldinnen ja was, die irgendwann im Laufe des Plots ihren Widersachern hilflos ausgeliefert sind. Ikonisch: Prinzessin Leia Organa als politische Gefangene Darth Vaders in „Star Wars – A New Hope“ und als Tanzsklavin von Jabba dem Hutt in „Star Wars – Return of the Jedi“. Intensiv: Evelyn Salt in „Salt“. Fast schon klassisch: Hermione Granger in „Harry Potter and the Deathly Hallows“. Die Taarna-Episode in „Heavy Metal“  stimmt gar einen regelrechten Hymnus an die in Fesseln gelegte Kämpferin für die gerechte Sache an.

In diesem Sinne ein kleines heiteres Filmeraten:

Occupy Eugene

Foto: Chris Pietsch / cryptome.org

Aus welchem Film mag dieser Ausschnitt stammen? Und wie lautet erst der Plot dazu, wenn es zwei Polizisten braucht, das Mädel abzuführen, bzw. an den auf dem Rücken gefesselten Armen über die Straße zu schleifen? Klar ist, daß sie – wenn sie auch auf den ersten Blick recht harmlos aussehen mag – es faustdick hinter den Ohren haben muß und sicherlich verdammt gefährlich ist. Im Hintergrund ist der Eingang zu einer Filiale der Chase Bank zu sehen. Handelt es sich vielleicht um eine Bankräuberin? Eine Spezialagentin? Dafür sieht sie noch recht jung aus. Woher dieser entschlossen-stoische Gesichtsausdruck? Und wer garantiert, daß sie nicht gleich mit einem einzigen Karate-Trick alle drei Cops gleichzeitig ausschaltet und aus dem Bild flieht? Wann kommt der Streifen in die Kinos?

Der Film: die Realität, Unterkapitel: die Occupy-Bewegung. Der Plot: 99% der Weltbevölkerung müssen unter der Knute einer kleinen Elite leiden, die sich mithilfe der Regierungen an der Produktivität der arbeitenden Bevölkerung auf Kosten von Natur, Umwelt und Gesellschaft in abstoßerregendem Ausmaße bereichert haben. Nur eine Handvoll von Widerständlern leistet zivilen Ungehorsam, beruft sich auf das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Rede und besetzt – wie die Vorbilder der Revolutionen in Kairo und anderen Städten, die 2011 vom „arabischen Frühling“ gestreift wurden, und wie die Protestbewegung in Spanien  – öffentliche Plätze, um ihren Unmut über die globalen Verhältnisse zu bekunden.

Fast Forward: Eugene, Oregon, am 17. November 2011. Unsere Heldin wird zusammen mit 16 weiteren Demonstranten verhaftet, nachdem sie den Eingang einer Bank besetzt haben.

Damit sollte sich die emotionale Wirkung des Bildes eigentlich in Wohlgefallen auflösen. Es ist davon auszugehen, daß das sture Gör mehrmaligen Aufforderungen seitens der Polizei, den Platz zu räumen, nicht nachgekommen ist, und offensichtlich haben die Polizeibeamten keine andere Wahl, als das verzogene Blag auf diese Weise wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt in Gewahrsam zu nehmen, wenn sie sich weigert, auf ihren eigenen Füßen zu gehen – und stattdessen die Beine anzieht, um eine „würdigere“ Verhaftung (wie im Falle von Naomi Wolf) zu verunmöglichen.

Und damit wird ein weiteres Problem der Occupy-Protestler offensichtlich: sie berufen sich auf die unantastbaren Werte der demokratischen Grundordnung (wie das Recht auf Versammlungsfreiheit), stellen in ihrer Arroganz und ideologischen Verblendung jedoch ihre „gute Sache“ über die Anweisungen der Ordnungshüter, die zur Durchsetzung eben dieser Ordnung ausgebildet, befähigt und von demokratischen Institutionen legitimiert wurden, um dann medienwirksam rumzuplärren, wenn das Ende der Party aufgrund unhaltbarer hygienischer Zustände und Nichtbefolgung der Ordnungsanweisungen der Polizei ausgerufen wird, wie in New York im Zusammenhang mit Occupy Wall Street durch den Bürgermeister Bloomberg geschehen. Geschieht ihnen ganz recht!

„Ein weiteres Problem“? Das – mittlerweile zur Genüge debattierte – Hauptproblem der Bewegung ist nach wie vor, daß sie sich nicht artikulieren können. Was wollen die eigentlich? Kommunismus, Sozialismus, Anarchie? Abschaffung der Banken? Man fragt zehn Teilnehmer und erhält hundert Antworten. Wie soll man die denn bitteschön ernst nehmen? Eine Bewegung um der Bewegung willen? Was für eine Veränderung gibt es lautstark auf der Strasse zu fordern, die man nicht auch alle vier Jahre auf gesittete Weise per Kreuz an der Wahlurne bestellen kann, wie sich das für eine Demokratie gehört?

Anstatt öffentliche Parks und Anlagen in Beschlag zu nehmen und vor Bankfilialen herumzulungern, täten die „Empörten“ sich selbst und der Gesellschaft einen größeren Gefallen, wenn sie sich duschen, rasieren, kämmen und um einen Job bewerben würden. Dann kämen sie auch nicht auf die Idee, monatelang den Behörden auf der Nase rumzutanzen und dann abzufeiern, daß ausgerechnet Al Jazeera und RT von der Evakuierung des Camps berichten, während die einheimische Presse sich gar nicht erst für den führungslosen Chaotenhaufen interessiert. Klar, denn es gibt einfach wichtigeres in der Welt als ein paar unbelehrbare Späthippies mit ihren ewiggestrigen Träumereien von einer friedlichen Welt unter dem Banner des internationalen Kommunismus oder was auch immer.

Doch zurück zum heiteren Filmeraten:

Morpheus offering Neo two pills

Remember: all I'm offering is the truth (WB)

Klar, „The Matrix“. Morpheus hält seine Ansprache über die Wirkung der beiden Pillen – rote Pille: ausgestöpselt werden, schmerzhaftes Erwachen zu Erlöserdasein und Heldentum. Blaue Pille: weiter in einer miefigen Bude auf der Computertastatur schlummern, Drogen ticken, Anschiss vom Chef abholen, „believe whatever you want to believe“.

Bezeichnend indes: noch während er Neo beide Pillen hinhält, und just, da dieser sich nach der roten Pille ausstreckt, läßt er ihn mit einem „Remember!“ innehalten und betont: All I’m offering is the truth…

„Die rote Pille“ steht in der modernen Populärkultur seit über zehn Jahren für das Erweckungserlebnis aus einer immer unwirklicher werdenden Realität. So, wie der Film sich beim „Zauberer von Oz“, „Alice im Wunderland“ und nicht zuletzt bei Platos Höhlengleichnis bedient, ist er selbst zur Parabel über eine Welt geworden, die ein Gefängnis für den Geist darstellt und aus der auszubrechen entweder unmöglich oder zumindest extrem schmerzhaft ist, so, wie auch manche „Befreite“ aus Platos Höhlengleichnis das gleißende Sonnenlicht nicht ertragen und zurück in die Höhle flüchten, um sich weiter am Spiel der Schatten an der Wand zu ergötzen. Morpheus macht Neo jedoch klar, daß es in dieser Geschichte kein Zurück geben kann; zwar wird im späteren Verlauf ein anderer Held dieser Geschichte, Cypher, einen Versuch unternehmen, sich nachträglich die „blaue Pille“ zu geben und alles zu vergessen – jedoch mit erwartbarem (Miß-)Erfolg.

Sein Bestreben, sein Bedauern, nicht die blaue Pille genommen zu haben, ist nachvollziehbar, denn die „Freiheit“ ausserhalb des Gefängnisses ist viel gefahrenreicher und unangenehmer als das unspürbare und geruchsneutrale Gedankengefängnis der Matrix: mieses Essen, ein klappriges Schiff, durchgeknallte Eso-Freaks, Eifersüchteleien unter den Crewmitgliedern und die ständige Angst, vom „System“ entdeckt und aufgebracht zu werden. Das hätte einem auch vorher mal gesagt werden können! Dann lieber über eine dicke Magensonde in der Speiseröhre mit den flüssigen Toten ernährt werden, um als menschliche Batterie den Rest des atrophierten Daseins in einem Schleimtank zu fristen und nichts von alledem mitbekommen…

Und damit zurück zu den Straßenbesetzern.

Es ist wichtig, im Hinterkopf zu behalten, daß es sich für viele – aus eingangs beschriebener Sicht – um einen unkoordinierten Sauhaufen handelt, der eigentlich gar nicht weiß, was er will, die öffentliche Ordnung stört und sich der Staatsgewalt widersetzt und sich demzufolge nicht nur eine – relativ harmlose – Ingewahrsamnahme wie die oben abgebildete damit rechtfertigen läßt; auch die großzügige Anwendung von Tränengas (in Eugene, anders als in New York und den meisten anderen Städten Amerikas, seit ’99 wegen des Einsatzes gegen eine Baumbesetzung bähbäh), Schlagstöcken, das Aufgebot von berittener Polizei und LRADs („non-letale“ Schallwaffen) gegen allzu bockige Störenfriede (Kinder, Greise, Behinderte) und die Inbeschlagnahme der „Volksbibliothek“ findet mehr als nur verhaltenen Beifall auch auf Seiten jener, für die die „99%“ zu sprechen glauben.

Hinzu kommt, daß selbst im Lager jener, die größere Schnittmengen mit den Ansichten und Forderungen der Bewegung teilen, die Skepsis groß ist: stecken vielleicht die Gewerkschaften oder die CIA dahinter? Was, wenn auch diese Revolution wieder von finsteren Mächten aus dem Hintergrund gesteuert wird, um, wie George Orwell es in „1984“ beschreibt, einfach nur die Führungsriege auszutauschen, sich also für die „Dritte Klasse“ nur die Melodie ändert, nach der sie zu tanzen hat? Man kann nie paranoid genug sein.

Dann erst läßt sich erklären, warum all die Leute überhaupt an dem Zirkus teilnehmen, statt ihre Forderungen auf ein Blatt Papier zu schreiben und als Petition einzureichen. Adressat sind nämlich nicht die Spekulanten und die Polizei, auch nicht die Bänker oder die Regierung. Sie sind lediglich Erfüllungsgehilfen jener Gewaltpolitik und Vernichtungslogik, gegen die sich die Kritik der Bewegung richtet.

Adressaten sind wir.

Die weltweiten Proteste haben – wenn auch bisher nicht eine einzige Forderung erfüllt wurde – eines geleistet: sie haben die Ohnmacht der habend/herrschenden Klasse im Umgang mit dem friedlichen, doch entschlossenen und lautstarken Protest einiger weniger bloßgestellt und besonders das überhebliche Getue westlicher Nationen  dem Rest der Welt gegenüber in Sachen „Demokratie“ und „Menschenrechte“ als billige Dampfplauderei entlarvt. Die Mainstream-Medien haben sich mit ihrem süffisanten Unterton, Auslassungen und tendenziösen Halbwahrheiten als Hofberichterstatter und Show-Einheizer geoutet. Denn anders, als diese glauben machen wollen, sind die Forderungen der Bewegung doch relativ leicht zusammenzufassen: Liebe, Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit! Ganz so unverständlich sollte das nicht sein.

Natürlich geht es auch präziser. Nun wäre es unsinnig, die Forderungen (inoffizielle Liste) der US-amerikanischen Occupy-Bewegung ins Deutsche zu übersetzen; hier gibt es keinen „Patriot Act“, der abgeschafft werden könnte (abgesehen vom TBEG); 9-11 läßt sich von hier aus auch nicht neu untersuchen; es gibt hier kein Schuldendrucksystem wie die Federal Reserve Bank, von dem man sich mit einer läppischen Milliarde loskaufen könnte.

Doch auch hier gibt es eine enorme Arbeitslosenquote, prekär Beschäftigte und Überstundenzwang – Seit‘ an Seit’! Auch hier entzieht sich die Ökonomie den Begrifflichkeiten und der Kontrolle der tatsächlichen Bedürfnisse derjenigen, denen der Markt doch eigentlich dienlich sein sollte und wollte. Auch hier, wie überall, verbarrikadiert sich die politische Klasse hinter Unausweichlichkeiten und blanker Alternativenarmut. Auch hier geben schon längst Großkonzerne die Melodie vor, die gespielt wird, auch hier wird mit Berufung auf zu verteidigende Menschenrechte für den nächsten Krieg gerüstet. Auch hier geht die Staatsgewalt mit unverhältnismässigen und quasi-militärischen Mitteln gegen den Protest von Kindern und Rentnern vor.

Wir, die Adressaten, lassen seit Jahren eine kleine Elite für uns über unsere Zukunft entscheiden, statt die Verantwortung dafür zu übernehmen, was mit unserer Umwelt geschieht, während wir uns in der Sicherheit wiegen, von fähigen und unabhängigen Experten beraten und regiert zu werden, aus Furcht davor, all die kleinen Annehmlichkeiten des Kapitalismus – fließend Wasser, elektrischer Strom, Internetzugang, billige Klamotten und das neue iPhone – zu verlieren, wenn wir uns für die Freiheit entscheiden und die „Anarchie“ über uns hereinbricht. Nicht nur, daß wir dafür  billigend in Kauf nehmen, daß auch schonmal ein „robustes Mandat“ die „Wirtschaftsinteressen“ sichert, hochtoxischer Atommüll durch die Botanik gekarrt wird und das Mittelmeer für Tausende zum nassen Todesstreifen wird. Nicht nur, daß wir die Schuld für das Versagen eines korrupten Systems eher bei der Dummheit, Gier und Faulheit unserer Mitmenschen verorten als bei den Mechanismen, die mit aller psychologischer Gewalt den naturgegebenen Wissensdurst, den Gemeinschaftssinn und den Tatendrang schon im Vorschulalter zu unterdrücken versuchen.

Darüberhinaus müssen wir uns auch noch mit einem gerüttelten Maß an Zynismus wappnen und Spott und Hohn über die „Träumer“ und „Berufsdemonstranten“ ausschütten, die die Hoffnung auf eine friedlichere und gesündere Welt noch nicht aufgegeben haben und denen die Gesellschaft nicht anders zu begegnen weiß als mit Häme, Schikanen, Prügelei, blinder Zerstörungswut und Tränengas; die dennoch lieber das Risiko einer Verhaftung eingehen, als sich weiter aus Angst vor der Gewalt des Staates und desillusioniert von der Apathie derer, denen es noch zu gut geht, zu verkriechen und einfach aufzugeben, um die längst überfällige Revolution auch diesesmal an die nächste Generation weiterzudeligieren.

Rewind: Eugene, Oregon, am 17. November 2011. Die „Emerald City“ in der Nähe von Springfield wurde von ihrem damaligen Bürgermeister bereits die „anarchistische Hauptstadt Amerikas“ genannt. Vielleicht ist unsere Heldin also nur mit zur Bankbesetzung gegangen, weil sie einen von den Anarcho- Typen knuffig findet. Vielleicht hat sie auch teilgenommen aus tiefster, innerster Überzeugung, daß etwas geschehen muß und gerade dabei ist, zu geschehen; froh darüber, sich mit ähnlich und gleich Gesinnten austauschen zu können und nicht alleine protestieren zu müssen.

In diesem Falle wäre sie wirklich gefährlicher als jeder Bankräuber, denn sie hat eine Idee, einen Glauben, eine Hoffnung; und vielleicht läßt das angedeutete Lächeln erahnen, daß sie weiß, wie entblößt, schwach, verzagt, hilflos und ängstlich die Staats-Gewalt im Umgang mit einem 16jährigen Mädchen und seinen Idealen aussieht.

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Warum das World Trade Center zerkrümelt ist (von einem Laien für Laien)

Dugarun

ein Nachtrag zu Truth is Bunk und A layman’s open letter to Professor Zdenek Pavel Bazant

Am 13. September 2001, zwei Tage nach „dem Tag, der die Welt verändern sollte“ (die Überreste der Türme qualmten noch), präsentierte Professor Bazant, weltweit führender Experte für die Skalierung der Festkörperphysik, eine Pressemitteilung mit dem Titel Why did the World Trade Center towers collapse?. Im Januar 2002 wurde die Untersuchung im Journal of Engineering Mechanics der American Society of Civil Engineers veröffentlicht. Professor Bazant et al. legen anhand einer vereinfachten Rechnung dar, daß ein progressiver, gravitationsbedingter  Totalkollaps der beiden einst höchsten Gebäude der Welt unausweichlich war, nachdem die Flugzeuge hineingeflogen sind und mehrere Stockwerke in Brand setzten.

2005 veröffentlichte das National Institute of Standards and Technology einen umfassenden Bericht über den Kollaps der Türme. Ausgestattet mit einem Budget von 20 Millionen U$, bauten sie die Bürowaben nach, verteilten Papier und Computer auf den Arbeitsplätzen und setzten sie in Brand, maßen die Temperaturen, führten Streßtests mit Verbindern und Streben durch und erstellten hochpräzise Computermodelle von den Flugzeugeinschlägen und den verursachten Schäden und erklärten, damit die Bedingungen nachgestellt zu haben, die zur Initiierung der Kollapssequenz geführt hat. Eine Erklärung oder ein Modell für den Kollaps selbst lieferte das NIST nicht, da dieser, nachdem die Bedingungen für eine „Initiierung“  hergestellt waren (nachgebende Stahlträger), unausweichlich war, wie der Bericht mit Bezug auf Professor Bazants Artikel feststellt – obwohl, wie das NIST bemerkt und wie auf den zahlreichen Videoaufnahmen zu sehen ist, bis zu diesem Zeitpunkt die restlichen Stockwerke keinerlei Schaden erlitten hatten.

Im März 2007 veröffentlichte Professor Bazant, diesmal in Zusammenarbeit mit Mathieu Verdure, die Analyse Mechanics of Progressive Collapse: Learning from the World Trade Center and Building Demolitions, das wieder im Journal of Engineering Mechanics erschien. Basierend auf den Untersuchungsergebnissen aus Bazant/Zhou, 2002, präsentierten sie ein vereinfachtes 1-D-Modell der Türme, um zum selben Schluß zu kommen: ein Kollaps war unausweichlich.

Einige Kritiker bemängelten, ein 1-D-Modell würde der komplexen Fragestellung nicht gerecht. Andere erklärten, die Rechnungen müssten falsch sein, da kein Gebäude, keine Struktur, kein Material jemals vorher noch seitdem unter seinem eigenen Gewicht zusammengestaucht wurde und erklären unter Berufung auf die thermodynamischen Gesetzmäßigkeiten, daß der Kollaps entweder hätte gebremst werden müssen, schlimmstenfalls die Türme gekippt oder geknickt wären, ein „globaler Kollaps“ indes unmöglich wäre.

Beachtlich ist jedoch, daß Bazants Rechnungen die Realität offensichtlich hinreichend genau modellieren, denn tatsächlich kommt das Dach – wie in der Realität – rechtzeitig innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens von zehn bis vierzehn Sekunden unten an (kein Freifall, aber nah genug dran).

Modelle vereinfachen, um die Vielzahl unbekannter und zunächst irrelevanter Faktoren auszuschließen, grundsätzlich ist also der Ansatz von Bazant gültig und wurde seitdem von Dr. Frank Greening, Dave Thomas und vielen anderen Ingenieuren aufgenommen und ist damit, als Grundlage für den NIST-Bericht von 2005, Dreh- und Angelpunkt der wissenschaftlichen Beweisaufnahme der offiziellen Darstellung der 9-11-Terroranschläge. Fall gelöst, und wer jetzt noch Einwände ausspricht, kann nicht mehr alle Kerne in der Melone haben. Die Experten haben gesprochen.

Indes: die Experten haben keinerlei Modell vorgestellt, um die Kollapsmechanik anschaulich zu erklären und simple physikalische Experimente reichen nicht aus, um das Phänomen zu reproduzieren (siehe Truth is Bunk). Wie kann das sein? Wie muß man ein Haus bauen, damit es sich in sich selbst zusammenfaltet? Schlechte Architektur führt zu Kippen und Neigen, nicht zu Stauchung. Dem Laien bleibt also nichts anderes übrig, als seine alten Physik-Schulbücher nochmal rauszukramen oder von seinen Kindern auszuleihen, um das Formelwerk von Professor Bazant nachzuvollziehen.

Zunächst ist festzuhalten, daß die Berechnungen auf den Seiten 1-4 in Mechanics of Progressive Collapse: Learning from the World Trade Center and Building Demolitions in Wahrheit nur halb so kompliziert sind, wie sie erstmal erscheinen mögen; in einfacherer Form wird man als Physik-Schüler der 7. bis 10. Klasse mit diesem Stoff vertraut gemacht. Als Grundlage dienen lediglich die folgenden Gesetze:

Geschwindigkeit ist gleich Weg pro Zeit: v=s/t (Einheiten: km/h, m/s)

Impuls ist gleich Masse mal Geschwindigkeit: p=m*v (Kraft pro Zeit)

Beschleunigung ist gleich Geschwindigkeit pro Zeit: a=v/t (Einheit: m/s²)

Kraft ist gleich Masse mal Beschleunigung: F=m*a (Einheiten: kg*m/s², Newton)

Energie ist gleich Kraft mal Weg: E=m*s (Einheiten: Joule, Newtonmeter, Kalorien, Wattstunden, Tonnen TNT)

Federkraft ist gleich Auslenkung mal Federkonstante: F=-k*L (Einheit für die werkstoff- und formabhängige Federkonstante bzw. „Steifigkeit“: Newton pro Meter)

(Siehe auch bei Wikipedia: Impuls, Impulserhaltungssatz, Stoß, Kraft, Energie, Federkonstante usw.)

Bazant funktioniert so: um das Modell zu vereinfachen, nehme man den in einigen Stockwerken beschädigten und noch brennenden Turm und gehe davon aus, daß die Beschädigungen der sich durch den Kern schneidenden Flugzeuge einen Freifall der oberen Stockwerke auf den unteren Gebäudeteil ausgelöst haben. Mit anderen Worten: aus einem 100% intakten Turm schneide man ein Stockwerk irgendwo oberhalb der Mitte heraus und lasse den oberen Teil auf den unteren Teil stoßen. Für den oberen Teil nehme man eine Masse von 58.000 Tonnen an (Gesamtmasse eines Turms, je nach Quelle, zwischen 250.000 Tonnen und 520.000 Tonnen), für die Höhe eines Stockwerks 3,7 Meter.

Die Geschwindigkeit des Falls ist, wie Galileo Galilei gezeigt hat, unabhängig von der Masse des fallenden Objekts, und hängt nur von der Erdbeschleunigung, der sogenannten „Gravitation“ ab. Die Erdbeschleunigung beträgt an der Erdoberfläche rund 9,81 m/s² und wirkt Richtung Erdmittelpunkt. Um diese Kraft zu überwinden, muß Energie eingesetzt werden, und je schwerer ein Objekt ist, desto mehr Energie ist erforderlich. Diese Energie ist daraufhin im Objekt „gespeichert“ und wird wieder freigesetzt, wenn das Objekt fallengelassen wird. In einem „geschlossenen System“ geht keine Energie verloren, sondern wird nur umgewandelt – von potentieller Energie (=Lageenergie) in kinetische Energie, von kinetischer Energie in Verformungsenergie (Brechen, Reissen, Scheren, Biegen) oder in Wärmeenergie (Reibung).

Aus den Formeln ergibt sich für einen Fall aus einer Höhe von 3,7 Metern eine Endgeschwindigkeit von 8,52 m/s und somit für eine Masse von 58.000t die kinetische Energie von 2,105 GJ. Die bis jetzt nur potentielle Energie wird freigesetzt in dem Moment, in dem das Stockwerk dazwischen „weggebeamt“ wird. Und diese nun kinetische Energie wird wieder umgewandelt in dem Moment, in dem die oberen 58.000 Tonnen auf den Rest des Gebäudes plumpsen. Reicht das aus, um das komplette Gebäude einzureissen? Laut Professor Bazant ja.

Zunächst berechne man (Why did the World Trade Center towers collapse?, Formeln 1-3, Seiten 1-7) dazu die Kraft, mit der der obere Gebäudeteil auf den unteren wirkt. Mithilfe der Formel für die Federkraft und unter Annahme einer Federkonstante des Baustahls von 71 GN kann gezeigt werden, daß diese Wucht die Kraft, mit der der obere Teil bisher 30 Jahre lang im Ruhezustand auf die Türme gewirkt hat, um den Faktor 31 übersteigt. Plötzlich wirkten statt 58.000 Tonnen 1,8 Millionen Tonnen auf den unteren Gebäudeteil, mehr als das Dreifache des kompletten Eigengewichts! Das Energieaufkommen übersteigt die Energieabsorptionsfähigkeit des zerquetschten Stockwerks um das 8,4-fache! Das hält kein Gebäude auf der Welt aus, ist doch klar, daß es da koppheister geht. Q.E.D.

Soweit die Beweisführung von Professor Bazant 2002. 2005 bringt das NIST seinen berühmten und für die Medien sakrosankten Report über den Kollaps heraus und erwähnt den Kollaps in einer Fußnote nur um zu erklären, der sei ja schon zur Genüge untersucht worden.

2007 legt Professor Bazant nach: in Mechanics of Progressive Collapse: Learning from the World Trade Center and Building Demolitions (man beachte den Titel!) heißt es mit Bezug auf die Untersuchung von 2002, im Prinzip sei ja alles schon erklärt und weitere Erklärungen überflüssig, aber als ehemaliger Mathe-Olympionik beweist er Sportsgeist und dreht eine Ehrenrunde zum Auflockern.

Wieder gültigerweise werden die wuchtigen Stahlträger des WTC der Einfachheit halber behandelt, als bestünden sie aus vier gelenkig miteinander verbundenen Teilen. Tatsächlich ist auch diese Vorgehensweise, anders als von einigen Kritikern bemängelt, vollkommen legitim und nachvollziehbar, sogar durchaus üblich unter Baustatikern. Siehe auch: Wikipedia, Knicken.

Zur Veranschaulichung dessen, was mit einem Träger, Balken oder kompletten Stockwerk passieren kann, ist dem Artikel Fig. 4 beigefügt:

Fig. 4 from "Mechanics of progressive collapse"

Fall a) zeigt, was passiert, wenn m*g, also die Kraft, die auf einen Stab wirkt, größer ist  als F_c („crushing force“), der Kraft, die man braucht, um einen Stab zu zerbrechen. Da jede Kraft eine Gegenkraft erzeugt (actio=reactio, Isaac Newtons drittes Axiom, Grundlage aller Physik), steigt zunächst der Widerstand gegen eine Verformung. Man nehme ein rohes Ei zur Hilfe, um das Phänomen nachzuvollziehen. Legt man zuviele Bücher drauf, bricht es (die Gelenke geben nach), denn dann wird m*g größer (m ist die Masse der Bücher, g die Erdbeschleunigung) als F_c wird, und nachdem die Schale durch ist, fällt der Bücherstapel weiter. Ist der Stapel groß und schwer genug, zerbricht er auch mehrere übereinandergestapelte Eier.

Fall b) zeigt, was passiert, wenn m*g, also die Kraft, die auf den Stab wirkt, kleiner ist als F_c, also der Kraft, die man braucht, um den Stab zu zerbrechen: die Masse wird entschleunigt, bzw. abgebremst (siehe auch „Negativer Vortrieb“). Dies ist der Fall, wenn ein einzelnes Buch auf das Ei fallen läßt, denn jetzt wird m*g nicht durch m größer, sondern durch g, denn die Beschleunigung g wäre in diesem Falle abhängig von der Federkonstante der Eierschale – diese ist ziemlich starr und steif, also wird das darauffallende Buch sehr stark abgebremst. Da, wie gesagt, actio=reactio, setzt das Ei dem Stoß des Buches eine genauso große Kraft entgegen, so lange, bis die Energie des Falls (=die Fläche unter der Kurve für die Kraft, also das Integral von F über u) in Verformungsenergie umgewandelt wurde (die Schale bricht). Diese Negativ-Beschleunigung ist g und so groß, daß m*g, die daraus resultierende Stoßkraft, größer ist als die Bruchkraft der Eierschale. Das Buch setzt zwar seinen Fall fort, ist aber für einen kurzen Moment, wenn auch nur minimal, entschleunigt worden. Man versuche, mehrere übereinandergestapelte Eier mit einem einzigen Schlag zu zerbrechen!

Fall c) zeigt, was passiert, wenn m*g, also die Kraft, die auf den Stab wirkt, sehr viel kleiner ist als F_c, also der Kraft, die man braucht, um den Stab zu zerbrechen: die Masse wird auf 0 abgebremst. Dies ist der Fall, wenn man das Buch sehr vorsichtig auf das Ei legt oder nur aus sehr geringer Höhe fallen läßt. Denn g ist jetzt nicht sehr viel größer als 9,81 m/s², die Erdbeschleunigung. Das Ei setzt diesem m*g locker seine eigene Kraft entgegen. In der Architektur geht es darum, dafür zu sorgen, daß alle möglicherweise auftretenden Kräfte viel kleiner sind als die Bruchkraft der verwendeten Baumaterialien und ihrer Verbindungen untereinander. Das wird erreicht, indem man F_c, also die Bruchkraft, sehr hoch ansetzt. Baustahl ist da sicher eine gute Entscheidung. Für jedes Stockwerk muß gelten: die Bruchkraft muß größer sein als die komplette Masse aller Stockwerke darüber multipliziert mit der Erdbeschleunigung multipliziert mit einem kleinen Sicherheitsfaktor, weil man möchte, daß man noch ein paar Möbel ins Haus stellen kann. Ausserdem muß es möglich sein, auch mal seinen Kugelschreiber vom Tisch rollen zu lassen, ohne, daß durch den Stoß eine Beschleunigung auftritt, die die Bruchkraft übersteigt. Dies wird in der Regel gewährleistet, indem man den Sicherheitsfaktor bei 1,5 bis 2 ansetzt; bei den Türmen soll er sogar 3 betragen haben.

Offensichtlich kommen für den Kollaps der Türme die Fälle b) und c) nicht in Frage, denn die Kraft des herabsausenden oberen Gebäudeteils (m*g) war 31x größer als die Kraft des ruhenden oberen Gebäudeteils, so, wie in Fig. 4a gezeigt. Folglich überstieg m*g bei allen 109 Stockwerken (eins haben wir schließlich schon weggebeamt) F_c, die Bruchkraft, um ein Vielfaches, folglich war der Kollaps unaufhaltsam, die Türme waren „verdammt“ („doomed“). Soweit die Beweisführung von Professor Bazant 2007.

Um ganz sicher zu gehen, daß sich da kein Gedankenfehler eingeschlichen hat, verfasste der Autor einen offenen Brief an Professor Bazant und seine Kollegen (A layman’s open letter to Professor Zdenek Pavel Bazant), bekam aber bestätigt, daß die Berechnungen korrekt und unabhängig überprüft worden seien. Schließlich seien die Türme eingestürzt, wie im mathematischen Modell auch, die Sprengungstheorien seien „Märchen“.

Es gibt da allerdings eine winzige Diskrepanz zwischen dem Energieerhaltungssatz und den Berechnungen von Professor Bazant: das oberste Stockwerk des unteren Gebäudeteils setzt der Stoßkraft des oberen Gebäudeteils eine genauso große Kraft entgegen, da actio=reactio, demzufolge müßte der fallenden Masse Bewegungsenergie entzogen werden und zwar genau so viel, wie bei der Verformung (Biegen, Brechen, Stauchen usw) umgewandelt wird. Dieser Rechenschritt fehlt jedoch in den Berechnungen von Professor Bazant! Er zieht die Bremskraft nicht von der Stoßkraft ab, um die Energie zu berechnen, die zur Verformung des nächsten Stockwerks zur Verfügung steht. Stattdessen wird für jedes Stockwerk Fall a) angenommen: er rechnet für alle 108 übrigen Stockwerke mit der selben Kraft von 31*58.000 Tonnen. Nur so bringt er es fertig, das Gebäude mathematisch innerhalb von weniger als 20 Sekunden zusammenzustauchen. Er benutzt sozusagen den oberen Gebäudeteil als Hammer, um weitere 108 Male auf den Rest vom Gebäude einzukloppen, oder eine hydraulische Presse, um das Gebäude mit konstanter Kraft einzudrücken.

Statt also, wie zunächst vorgerechnet, von einer Eingangsenergie von 2,1 GJ auszugehen, werden – mathematisch gesehen – mindestens das Hundertfache, also rund 230 GJ, klammheimlich und stillschweigend ins System eingefügt, um die Mathematik irgendwie hinzubiegen.

Denn natürlich gilt Fig. 4a nur für einen ganz kurzen Augenblick, und zwar, solange m*g, die Kraft des Aufpralls, 31x größer ist als wenn die Masse in Ruhe auf den Gebäude lagern würde. Hiervon muß dann aber F_c abgezogen werden, die Kraft, die benötigt wird, um ein Stockwerk einzudrücken (siehe Superpositionsprinzip, Kräfteparallelogramm). Der obere Gebäudeteil wird verlangsamt, wie ein Ei ein Buch verlangsamt, seine Bewegungsenergie wurde in Verformungsenergie umgewandelt. Bald danach (für alle anderen u, d.h., den Rest der Strecke bis zum Erdboden) muß jedoch für alle restlichen Stockwerke so lange Fig. 4b gelten, also der Fall immer weiter verlangsamt werden, bis alle Bewegungsenergie in Verformungsenergie umgewandelt wurde, Fall c) eintritt und der Fall gestoppt wird – so, wie jedes erdenkliche Stoßexperiment und jedes Gebäudemodell, egal, wie schwach und wie schlecht konstruiert, bestätigen wird, solange man keinen fiesen Mausefallenmechanismus einbaut oder an der Strippe zieht.

Auch Professor Bazant muß also mindestens 230 GJ Energie in jedem Turm verstecken – Federenergie, Lageenergie, thermische Energie – um das Gebäude auf Ground Zero zusammenzustauchen, verschweigt aber seinen Kunstgriff, weil er ja gerade widerlegen will, daß es Bomben oder Schneidladungen oder Ausserirdische gebräucht hätte, um die Gebäude geplättet zu bekommen.

Dr. Greening war so freundlich, dem Autor eine Exklusiv-Preview seiner Untersuchungen zukommen zu lassen und begeht darin, wie in seinen bisherigen Veröffentlichungen, genau denselben Faux Pas wie Professor Bazant und andere nach ihm, wie z.B. Dave Thomas; auch, wenn die Herangehensweise ab und zu eine andere ist. Da diese Beweisführung nahtlos übertragbar ist, soll auf eine Analyse ihrer Rechenwege verzichtet werden.

Zusammenfassung: die Experten, die seit dem Kollaps der Türme die offizielle Darstellung  von der Totalzerstörung mittels Flugzeug und Bürobrand mit ihrem Fachwissen untermauern, haben eines der grundlegendsten Gesetze der Physik einfach „vergessen“ – den Energieerhaltungssatz, der da besagt:

Die Gesamtenergie in einem abgeschlossenen System bleibt konstant.

Klammheimlich verstecken sie die Energie, von der die „Verschwörungsspinner“ seit 10 Jahren fabulieren, in ihrem Formelwerk und behaupten gleichzeitig, daß es diese Energie gar nicht gäbe – übrigens mit der Begründung, dafür hätte es weit über 100 Tonnen TNT bedurft, und der Betonung, es käme auf die Energie an und nicht auf die Steifigkeit oder Stärke der Konstruktion.  Ein Versehen muß ausgeschlossen werden, nachdem der Autor Professor Bazant, Dr. Greening, das NIST und das ASCE auf die Diskrepanz hingewiesen hat und ihm von Professor Bazant und Dr. Greening höchstselbst versichert wurde, das hätte schon alles seine Richtigkeit so – und ja, die Flugzeuge waren’s mit den Terroristen drin mit den Teppichmessern und dem vielen Kerosin.

Ein Physikschüler würde im schlimmsten aller Fälle eine schlechtere Note bekommen, sein Halbjahreszeugnis vollends versauen, sitzenbleiben und müßte mit elterlichem Playstationverbot rechnen, wenn er so eine Rechnung abliefern würde. Wenn den weltweit führenden Experten so ein „Lapsus“ unterläuft, werden daraufhin Kriege geführt, Menschen werden gefoltert, getötet und verstümmelt, Flugreisende durchleuchtet, Notstandsgesetze ausgerufen, Grundrechte beschnitten, die „Welt verändert“, Kritiker als Spinner diffamiert oder Wahnerkrankungen diagnostiziert.

Eine einfache Überprüfung hätte gereicht: wenn k, die Federkonstante, im Falle von Baustahl 71GN/m betragen soll, wovon Professor Bazant seit dem 13.09.01 als Grundlage für alle folgenden Berechnungen ausgeht, so läßt sie sich doch vergleichen mit der tatsächlich beobachteten Steifigkeit des unteren Gebäudeteils. Denn wenn das so berechnete 31-fache der Ruhekraft (58*10^6 kg * 9,81m/s²) des oberen Stockwerks ausreicht, um die „Feder“ 400 Meter weit auszulenken, ergibt sich daraus eine Federkraft von nur 44,095,950N/m – dem 1610. Teil von ursprünglich 71.000.000.000 N/m. Dabei beruhte die komplette  Berechnung von vorneherein darauf, daß von einer vollständig intakten Struktur ausgegangen wurde. Nun plötzlich fehlen auf einmal 99,94% der Steifigkeit. Unter dieser Annahme wären die Türme gar nicht erst aufrecht stehengeblieben! Professor Bazant et al haben das Gegenteil erreicht von dem, was sie bewirken wollten: sie haben eine vollständige Zerkrümelung beider Türme auf kompletter Höhe bewiesen (Dr. Greening an den Autor: „The ‚spring‘ you refer to was not compressed 400 meters! It was broken into a million pieces long before that […]“) und dank ihrer Berechnungen läßt sich sogar die dafür notwendige Mindestenergie quantifizieren. Q.E.D.

Damit ist der Fall 9/11 weiter ungeklärt und alle Theorien (ausser der offiziellen Darstellung, die Flugzeuge und die Brände hätten einen kunsttypischen „progressiv-disproportionalen Gravitationsglobalkollaps“ verursacht) müssen wieder ernsthaft in Betracht gezogen werden.

Bis auf weiteres schlägt der Autor den Arbeitsbegriff „Zerkrümelung“ vor, nachdem von beiden Türmen statt zwei riesengroßen Trümmerhaufen  lediglich ein paar Stahlträger und gesinterte Betonklumpen, die kaum die Kellergeschosse bis Ground Zero füllten, sowie Tausende Tonnen Staub übriggeblieben sind, die sich über eine Fläche von mehreren Quadratkilometern fingerdick über die Stadt verteilt haben.

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A layman’s open letter to Professor Zdeněk Pavel Bažant

Dugarun

UPDATE, 11/10/11: Professor Bažant and Dr. Greening were so kind to reply to my emails. Please find our correspondence right after the original letter.

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CC: Yong Zhou, Mathieu Verdure, Jia-Liang Le, Dr. Frank R. Greening, S. Shyam Sunder (NIST) and f. ASCE.

(a printable PDF of this letter may be downloaded here)


Dear Professor,

dear scientific community!

Thank you for taking the time to consider my thoughts on your works „Why did the World Trade Center collapse?“ and „Mechanics of Progressive Collapse“.

I am writing to you today because I found your publications* to give the only non-conspirational explanations for the 9/11/01 collapses of the Twin Tower buildings. Based on your work (2002), even NIST concluded in NCSTAR 1 (2005) that no further  theoretical or experimental examination of the collapse sequence was needed, because, once the impacted stories began to give in, „the towers were doomed“.

I found this odd ever since I saw the towers collapse for the first time, and although, out of a layman’s natural curiosity, I tried to find explanations other than those outrageous demolition theories that have been postulated by a few outsiders in the past  years, I have found none that made sense to me; so I find no other way than to ask your assistance in understanding your work. Since this is still a matter of great importance to many all around the world, please accept my sincere apologies for choosing to publish this letter openly on my blog so other members of the scientific community may join the discussion.

To be honest, those differential equations scared me off a little, but I remembered from high school that an integral describes the area under a curve in a coordinate system, Energy is Force times Distance, Force is Mass times Acceleration, I remembered Isaac Newton’s lex quarta and so forth, so it wasn’t that hard anymore to decode the equations (1) – (3) in your paper from 2002 and (1) – (6) in 2007.

For better understanding, a copy of Figure. 4 from „Mechanics of Progressive Collapse: Learning from World Trade Center and Building Demolitions“ is included:

Fig. 4 from "Mechanics of progressive collapse"

I understand you have proven that the kinetic energy of a 3.7m drop would be sufficient to overcome the peak of the resisting force curve (Fig. 4a) and, after that, continue to buckle. A quick check on Wikipedia shows the four Euler cases and I understand that from a technical perspective, a steel beam can indeed be regarded as four parts connected by three (plastic) hinges. I understand that at first, it’s hard to push against a match but once it’s broken, it’s broken and the fall will speed up again, driven by gravitation or any other pushing force. In any case, FC, the force needed to crush the story should be much (two or three times) bigger than m*9.81m/s² (as you show in Fig. 4b), otherwise, the building wouldn’t keep upright in the first place. That’s what architecture and engineering is about: putting stuff on top of each other to decelerate gravity’s acceleration of everything in and above it to v=0, which is guaranteed by an FC reasonably greater than the weight of what it’s supposed to hold upwards.

Only when block C comes down at great velocities and a=31*9.81m/s² is m*a >> FC so the story gets „crushed“ (up or down, you choose) as demonstrated by Fig. 4a. But is global collapse really inevitable, logically?

What about the next story? By now, just some of the potential energy of Block C has been converted to kinetic energy (by the energy the planes brought in (deformation and heat, gets a whole story out of the way for Block C’s free fall)), which in turn has been converted to internal energy, because the structure has been deformed. According to what we have learned about the conservation of energy, the sum of all impulses in a closed system stays the same and as we do not assume that any form of energy (as, for example, a lot of unknown mass or gears, levers, momentums or spring energy built in with a watchmaker’s precision, or an upside down rocket on the roof, or chemical energy which could be transformed into thermal energy to cut the colums to provide for better „hinges“ or even  extraterrestrial aliens with superlasers shooting from outer space, which would all serve the same purpose – to assure that g*m(z) > FC) has been smuggled into the towers prior to the attacks to explain why for all stories g*m(z) = m*a > FC (the case you show in Fig 4a), K, as converted to W(uf), should become smaller, i.e. K’=K-W(uf).

Again: of course, in the beginning, a=31*9.81m/s² as you computed from the stiffness C, accordingly, Fig. 4a applies; but g is still only 9.81m/s², so m*9.81m/s² < FC as in Fig. 4b applies for the whole rest of the building which suffered no damage at all (until then), as everyone including you and NIST (2005) agree. So, in theory, F(u) should decrease from story to story, except if someone or something besides earth’s 9.81m/s² is pulling (or pushing, if you will). Accordingly, the deceleration should have resulted in a collapse arrest sooner or later as you show in Fig 4c.

Yet, as we have witnessed on September 11th, 2001, the towers accelerated downwards with an average of aobserved= 2*h/t² = 2*400/(14s)² = 4.08 m/s² ≈ 0.42 g, so the resisting force that accelerated the building upwards was only Ftotalfriction = m*a = 58,000,000 kg * (9.81-4.08) m/s² ≈332 Meganewtons.

That is not much compared to the force the topmost floor of the lower building block must have had at least before a plane crashed into it: Fload= m*g = 58,000,000 kg * 9.81 m/s² ≈ 569 MN (+some little just to be sure). And that’s just the topmost floor, in theory, all Fload of each of the 110 floors should sum up, according to the superposition principle. Just imagine Fload for the colums on ground level!

This, in turn, means, that – against all logic (except that of a few outsiders), but according to your own explanations – indeed Fig 4a does apply so that m*g >Fc during collapse, distributed evenly among all 110 stories, so, essentially, a huge ΔFa was hidden in the building, ready to be triggered by a relatively small F(u), to make sure that FC< m*g all the way from the top to the bottom. Ergo, we can conclude that, since we do not want to insinuate that m somehow became greater because a lot of mass has been brought up there, and since we may want to exclude hypothesises explaining how g locally became a lot greater than 9.81m/s² during this very hour (or that springs or an upside down rocket attached to the roof accelerated the towers all the way down to Ground Zero) to explain how g (or a, in this case) remains much greater than 9.81m/s² for un=400m, that the only way to bring down the buildings would be for FC to drop way below m*g*security factor on each level one after another – for all remaining 108 floors above and beneath the impact area.

You state that what matters is neither strength nor stiffness, but is energy. So, E_kinplaneimpact= 1/2 * 124,000kg * (225 m/s)² ≈ 3.14 Gigajoules. This plus E_heatkeroseneis what, in our 1D-model, causes E_potBlockC to be released all of a sudden by displacing all columns (which obviously took several minutes to prepare, for until then, the towers were standing – hurt and smoking from 3GJ of deformation energy and burning from E_heatfires, but upright). E_potBlockC now in turn, after falling 3.7 meters and gaining a speed of 8.52 m/s (since v= sqrt(2*g*s) = sqrt(2*9.81m/s² * 3.7m)), becomes E_kincrush= 1/2 * m * v² = 1/2* 58,000,000kg * (8.52 m/s)² ≈ 2.1 GJ (≈K in your paper, I believe).

Compared to the potential energy of each tower, Epotential= m*g*h = 500,000,000 kg * 9.81m/s² * 400m / 2 ≈ 981 GJ, a very small amount of input energy sufficed to bring down the complete structure, while one would expect that the sum of all W(u1) to W(u110) would be a huge lot greater than K, even greater than Epotential, diminishing a*m(z)*un along u in Eq. 3 (2007) as a=31*g approaches a=g, since usually in a building ΔFd> ΔFa, resulting in an increasing Φ(u), so that sooner or later Φ(u) > K (Eq. 5) and the fall is stopped, as with every other static structure we know of.

To be even more precise, Φ(u) is even bigger because of the area over λh in Fig. 4a-c. The „rubble“ and the softened steel would „dampen“ any force, as indicated by the steep rise in the curve for F(u), and so would the acceleration force needed to overcome the inertia of the next floor slow downwards movement.

As the collapse was not arrested for 110 floors and the downwards acceleration was bigger than the deceleration (=upwards acceleration) for 10-23 seconds, a critical review of your own analysis begs the question why m*a was greater than FC throughout the whole structure so that ΔFa>ΔFd and Φ(u) < K for all u from top to bottom of three buildings (WTC 1, 2 & 7) that have been built to withstand storms and earthquakes and faithfully did so for three decades.

The towers were „doomed“ and collapse was „inevitable“ only under the assumption that for each floor, the rules of Fig. 4a apply. It is hard to see why such a building would be allowed to be built in the first place, as its collapse bears features of a metastable system or a 19th century perpetuum mobile mechanism rather than of anything remotely statical; just a small impulse would trigger a huge mechanism that switches from decelerating earth’s 9.81m/s² to 0m/s to accelerating 500.000.000 kg structure of steel and concrete with 0.42 gs so it keeps moving all the way, folding into itself.

This cannot be the result of some chaotic and random process, but requires meticulous planning, as can easily be verified in experiment by alternately stacking weights and paper rings on each other (as seen in http://www.youtube.com/watch?v=caATBZEKL4c and http://youtu.be/rGw58logz0o): no model of what looks anything like a „tower“, even with so much m distributed (as m1, … mn) over h that FC is just a little bigger than m*9.81m/s² (putting just a little more weight on one paper ring than 1.8 Kg would crush it instantly, an extreme form of Fig. 4a). Choosing a generous drop height and a nice mC for a good C-block (picking up a third of the 1825g and letting them drop from 0,2m) will not result in total collapse. Parts of the „tower“ structure will get „crushed“ between earth and falling object. „Crush-up“ and „crush-down“ appear simultaneously, the impulse runs through the structure, „crushes“ the weakest „hinges“ (right down to floor level, where m*g is closest to FC with just a tiny ΔFd), and, as expected, Fig. 4b&c ensue: collapse is arrested (if kept from „toppling“) with most damage where block C and B+A made contact and on floor level, while „rubble“ (crumpled paper rings) dampened the impacting force.

Even if there’s a gradient of FC over h, but so is of m. And of course FC(n) and F(h) is just the weakest points, hinges, connectors and trusses combined, including shearing, buckling and all that which can happen when things go mechanic. However, for a, say, 80% intact steel building, that should be more than just 332 MN resisting a 58,000t-block (distributed over 400 meters and its own load being something between 250,000t to 400,000t) vertically; bearing in mind that the structure hardly swayed visibly when it was hit horizontally by a fast-moving plane and even absorbed the huge fireballs that we saw when half of the kerosene exploded. So, even with another 2.1 GJ being triggered by the ensuing office fires and fireproofing being razored off the columns in the impact zone, global collapse should neither be inevitable nor the most logical thing to expect, as documented by the EMS setting up a triage desk in the lobby of the already burning south tower (NCSTAR 1, p. 44) and hundreds of firefighters still making their way upwards to save lives. Those were heroes, not maniacs with suicidal tendencies.

Dave Thomas was kind enough to explain on his website how the stiffness of a spring can be computed and inserts a value of 71,000,000,000N/m, as you do for (2002) and (2007) as a basic premise for the rest of your calculations. If, however, F=-kx, then, as we observed, the „spring“ was displaced 400 meters by 31 times the force of block C, so k=-F/x and for F=31*FLoadBlockC: K=-31*58,000,000kg*9.81m/s²/-400m=44095950N/m which is 1610 times smaller than 71×109N/m – what a „spring“ the towers must have been then that it lost 99.94% of its stiffness!

Although I am not an expert, I’d like to prefer science, empiric studies and sane logic over blind superstition, ignorance and outlandish conspiracy theories as they were common during the dark ages and, as we have learned from history, inevitably lead to oppression, prosecution of minorities and the torture of innocents. This is the 21st century.

As Galileo Galilei said: „in questions of science, the authority of a thousand is not worth the humble reasoning of a single individual“, I herewith would like to offer my 0.02€ to the discussion over why the towers fell and express my hopes that you as the leading expert in the research of scaling the mechanics of solids will propose a model of the towers featuring the same distinct properties during a – however induced – collapse sequence to shed even more light on what happened on September 11th, 2001 and which still influences the lives of many all around the world.

Kind regards,
Akareyon

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*this letter refers to:

Bazant, Zhou (2002): Why Did the World Trade Center Collapse?—Simple Analysis

Bazant, Le, Greening, Benson (2007): Collapse of world trade center towers: what did and did not cause it?

Bazant, Verdure (2007/2008): Mechanics of Progressive Collapse: Learning from World Trade Center and Building Demolitions

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Professor Bazants reply:

Dear Mr. Akeyron: It is impressive when a layman grasps phenomena normally requiring higher level of training. We appreciate your expression of support, but we are too busy to have time to engage in a discourse at this level. For us, the analysis of WTC was a small, unfunded and temporary interest.

Dear Professor Bazant,

I understand that you must be very busy, so thank you very much for your fast reply.

I just wanted to point out that according to your 2007 paper, m*g would have to be greater than F_c as in Fig. 4a for all 110 floors of each tower to guarantee global collapse so, if interpreted correctly, regardless on which level, your work inadvertedly SUPPORTS controlled demolition theories instead of refuting them.

What for you may have been a temporal interest, is of great significance to those still riddled with doubt over what happened on 9/11, as policy makers around the world, including those in my country, still base their decision-making mainly on the validity of your work (on which NIST relies, on which, in turn, media rely and shape public opinion), and many suffer from that very policy – for example, when the war against terror is fought in their country.

I must not speak on their behalf, but on my own, for when I went to school (in 1990’s Germany), our teacher wanted us to interview our grandparents about their knowledge of the Holocaust. 9/11 being the „American Holocaust“ which I have witnessed in my lifetime, I must expect my kids to ask me one day why the WTC collapsed and I would feel ashamed to admit that – even after asking the very experts who proved a global collapse under its own weight feasible – I could only „guess“ how and why the towers fell, even if it gives them a bad lesson about science, superstition and conscience.

If, perchance, you or your colleagues ever start a new small and unfunded analysis, they may want to avoid the mistake that I have pointed out in my letter to you, so I thought I better notify you about that pitfall.

Again, thank you for your time and consideration!

Yours sincerely

Akareyon

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Professor Bazants reply:

With this I disagree. Briefly, out have to consider dynamic equilibrium (d’Alembert principle). in which all the inertia forces must be superposed on the gravity forces and the resisting forces. You need to look at some elementary text on structural dynamics. Our argument refutes rather then supports the fairy tale of controlled demolition.

Professor,

that’s exactly my argument. m*g in Fig. 4 cannot be 31*m*9.81m/s² for all 110 floors, because kinetic energy m*g*u = m*g’*u‘ + W_deformation, so g should become smaller and smaller while proceeding through u until m*g < F_C as should be in a static building. The superposed resisting forces of the lower block as a structure that has not suffered any serious damage yet should be much greater than block C’s „feeble“ 31*m*9,81m/s², unless something besides earth’s 9,81m/s² keeps accelerating block C+rubble layer.

Sincerely,

Aka

(no reply so far)

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Dr. Greenings reply:

Dear Mario,
Perhaps the attached material will help answer your questions:
Frank Greening

(attached was a Word document with chapter 6.2 from The Pulverization of Concrete in WTC 1 During the Collapse Events of 9-11, with the addition of „An Assessment of the Time Delays Involved in the WTC Collapse Events“ made which, according to google, hasn’t been published yet so I really feel honored :-)

Dear Doctor Greening,

thank you very much for your time and consideration!

However, the attached excerpt from your work „The Pulverization of Concrete in WTC 1 During the Collapse Events of 9-11″, riddled me with questions very similar to those in my original letter, even though your approach is slightly different from that of Bazant/Zhou (2002) and Bazant/Verdure (2007).

Let me quote:

„Thus, setting Mn to 5.8 * 107 kg, M1 to 0.39 * 107 kg and with vi equal to 8.52 m/s, we readily determine that the first impacted floor of WTC 1 moved off with a velocity vf equal to 5.4 m/s; that is 3.1 m/s or 36 % slower than the impact velocity. Nevertheless, this reduced velocity was more than sufficient to guarantee a self-sustaining global collapse of WTC 1.“

With all due respect: non sequitur. You can’t just crush one story and say, just like NIST and Bazant/Verdure do: „after that, the towers were doomed“, „global collapse ensued“, „global collapse was inevitable“. It does not match experimental observation, it is not the most logical thing to happen. We still have another 108 floors to go! (110-1 for the impact damage which causes freefall and -1 we’ve just crushed).

Because, for the next story, the same equation applies:

½ Mn vi2 = ½ [Mn + M1] vf2 + Ed

This time, with our second vi only vf from the first step (first step’s vi * 64/100 = first step’s vf = 5.4m/s = second step’s vi) and according to the law of conservation of energy, another Ed (603 MJ) must again be substracted from the second ½ Mn vi2 to derive vi for the third step. Only one plane impact, so only one free fall, and of course only one energy input of 2.1 GJ, sorry. Thus, with a total input energy of only 2.1GJ (which I agree upon given a 3.7m freefall of 58.000t near earth’s surface), the collapse should get arrested after crushing three or four floors, if each floor’s Ed = 603 MJ, as you calculated.

According to Table 1 in your report, [„An Assessment of the Time Delays Involved in the WTC Collapse Events“] the structure’s „Force action distance“ is only 11 centimetres, which might be the case in a perfect scenario given the fact that the impacting forces found their least energy-consuming way through the weakest parts of the structure, i.e. bolts, „plastic hinges“ and so on, and afterwards, there’s another small „free fall“. But I checked your numbers according to the equations given [d = (v2 – u2)/(2g – Fy/M] and [Δt = 2d/(u + v)] and found that you must have derived each Δt and d in your table for each story from Fy = 2 * 1010 Newtons – while conservation of momentum, Newton’s lex quarta and the d’Alembert principle (which Professor Bazant was so kind to inform me of) and every observation I have made in my lifetime dictate that Fy diminishes with each story crushed, d be 11 centimeters or 3.59 meters!

In essence, what you have done, mathematically, is just what Bazant/Verdure (2007) had to do in their report to make the towers collapse as fast and as completely as they did in reality. In your report, Fy = 33 * Fst for all 110 floors. In their work, m*g > FC (where g = 31*9,81m/s²) as shown in Fig. 4a applies to all 110 floors (and as I have explained in my open letter and which is no mistake, as Professor Bazant insists). 500.000.000kg of mass distributed over 400 metres‘ height, yet the retarding force acting against earth’s acceleration of 9.81m/s² is only m*a = 58.000.000 kg * (9,81-4,08) m/s² ≈ 332 Meganewtons where a = 2*h/t² = 4,08 m/s² ≈ 0,42 g. for h=400m and t=14s.

In other words, your math is correct, as the graphs in your Figure 1 show, but begs for a different interpretation, as it also proves an „inside job“ for the collapse of the Twin Towers – literally: there must be a lot of force, i.e. 110*Fy, that is, a lot of energy hidden inside the buildings (other than that of the planes and the fires and the resulting 3.7m freefall) to ensure global collapse. I am desperately out of jokes by now about what that could have been – springs, gears, levers, martians with superlasers or an upside down rocket on the roof, there are many forms of energy around – so I must suggest in all seriousness, for this is not a laughing matter, that you and your colleagues rethink the official „gravitational collapse“ hypothesis, blow the whistle and inform the public about your – inadvertent – findings.

Otherwise, one would have to explain how an input energy of 2.1 GJ could trigger 110* Ed + Epotential > 1 TJ [where Ed = 603 MJ, as you calculated, and Epotential = m*g*h = 500.000.000 kg * 9,81m/s² * 400m / 2 ≈ 981 GJ] UNLESS the towers were built as amplification machines (with gears, springs and levers in them) rather than good old buildings, as those working in it for 30 years believed and as we know them ever since our forefathers erected the first pyramids.

Yours sincerely

(Akareyon)

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Dr. Greenings reply:

Mario,

No amplification machine required! That’s why it’s called disproportionate collapse…..

Dr. Greening,

Frankly, what it’s called is not of primary interest because it has been pancake, card house, crush-up-crush-down, trusses, global collapse, progressive collapse, gravitational collapse, piledriver, controlled demolition, implosion, explosion and telescope mast already. In religion, opinions may differ about how to name things, in science, two plus two make four. When science says that bumblebees can’t fly, bumblebees don’t stop flying. Instead, science seeks to explain and found that bumblebees have those wings to actually flap them. If Fy = 33 * Fst, as you say (or g*m=31*9,81m/s²*m, as Professor Bazant demonstrates), and if Fy = 20,000,000,000 N and h=110*0.11m (your „force action distance“) then W=242GJ – that’s not unlike our 2,105 GJ *110 floors = 231 GJ. But there was only one plane, one fire and a 80-90% unhurt solid structure. So mathematically, you’re dropping Block C again and again and again. Or pulling. Or pushing. Or getting something out of the way. Please re-read my original letter, third-to-last paragraph: „If F=-kx, then, as we observed, the ‚spring‘ was displaced 400 meters by 31 times the force of block C, so k=-F/x and for F=31*FLoadBlockC: K=-31*58,000,000kg*9.81m/s²/-400m=44,095,950N/m which is 1610 times smaller than 71×109N/m“ – where are those 99.94% of its stiffness gone and whence come those additional > 230 GJ?

Aka

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Dr. Greenings reply:

The „spring“ you refer to was not compressed 400 meters! It was broken into a million pieces long before that, so your calculation is meaningless. Try calculating how much a column can be compressed before it reaches its elastic limit. If you work with Prof Bazant’s values you will see his k is for one floor height, but the pile-driver model is not to be taken too literally because the building ceases to act as a spring after a few milliseconds…..

(emphasis mine)

Thank you, Doctor, now I understand what I’ve been trying to say. Have a nice 11.11.11 :-)

4 Kommentare

TRUTH IS BUNK

Dugarun

Eine Druckfassung (v0.91b) dieses Beitrags liegt im PDF-Format vor.

WAR IS PEACE

FREEDOM IS SLAVERY

IGNORANCE IS STRENGTH


TRUTH IS BUNK


~~~

Einleitung

Freedom is the freedom to say that two plus two make four. If that is granted, all else follows.

[…]

„How can I help seeing what is in front of my eyes? Two and two are four.“

„Sometimes, Winston. Sometimes they are five. Sometimes they are three. Sometimes they are all of them at once. You must try harder. It is not easy to become sane.“

– George Orwell: Nineteen Eighty-Four, 1948

Am Morgen des 11. September 2001 schlugen bei klarer Sicht zwei Linienverkehrsflugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center in New York ein und setzten diese in Brand. Infolgedessen stürzten beide Türme knapp eine Stunde später ein. Tausende starben in den Trümmern, Millionen Rundfunkteilnehmer verfolgten das Geschehen live. Ein weiteres Flugzeug traf das Pentagon in Washington, ein viertes stürzte auf freiem Feld ab.

Gesteuert wurden die Flugzeuge von islamischen Terroristen. Geplant wurde das Attentat von Osama bin Laden, einem international gesuchten Top-Terroristen und Anführer einer militanten Gruppe namens „Al Kaida“, die von Afghanistan aus operierte, mit dem Motiv, den „American Way of Life“ zu zerstören.

Wer Zweifel an dieser Darstellung anmeldet, muß fest damit rechnen, im öffentlichen Diskurs, wie er von den führenden Print- und Rundfunkmedien vorgegeben wird, ebenso pathologisiert zu werden wie „die anderen paranoiden Verschwörungstheoretiker“, die so absurden Wahnvorstellungen wie denen von Ausserirdischen, einer Hohlerde, Homöopathie, Telepathie, morphogenetischen Feldern, freier Energie, Intelligent Design, Reichsflugscheiben und der drohenden globalen Machtübernahme durch Annunaki-Reptilwesen vom Planeten Nibiru verfallen sind – oder gar mit Holocaust-Leugnern verglichen zu werden.

Denn der „Truth“-, wörtlich, „Wahrheits“-Bewegung, die sich unter anderem aus Vereinigungen von Piloten, Architekten, Ingenieuren, Feuerwehrleuten, Polizisten, Journalisten, Geheimdienstmitarbeitern und Angehörigen der Opfer zusammensetzt und mit Hinweis auf die Vielzahl der Ungereimtheiten und Auslassungen in der offiziellen Darstellung eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse fordert, stehen die Untersuchungsberichte der 9/11-Kommission, der Federal Emergency Management Agency und des National Institute of Standards and Technology, die Darstellung in den öffentlichen Medien (beispielsweise) sowie die „Debunker“ entgegen (von „bunk“, etwa: Nonsense, Schwachsinn), um die „Truther“ davon zu überzeugen, daß in den amtlichen Untersuchungsberichten jede mögliche Frage längst beantwortet und jede weitere Diskussion, Frage oder Anmeldung von Zweifel zum Thema schwachsinnig, wenn nicht gar Ausdruck einer noch schwereren psychologischen Erkrankung oder bösartig und politisch motiviert sei.

Tatsächlich haben die offiziellen Untersuchungsberichte der FEMA, der 9/11-Kommission und des NIST sowie die ehrenamtlichen Debunker eine Menge der Behauptungen, wie sie von „Truther“-Produktionen wie „Loose Change“ aufgestellt wurden, so wort- und formelreich wie schlüssig widerlegen können, etwa die „no-plane“- und Hologramm-Theorien und was es dergleichen zum Schaden des truth movement noch gab. Zugunsten der offiziellen Darstellung sei auch hingenommen, daß die Anschläge trotz des mächtigsten Militärapparates der Menschheitsgeschichte überhaupt nur aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände und menschlichen Versagens möglich waren.

Im folgenden soll es aus diesen Gründen nicht darum gehen, mit weiteren haltlosen Spekulationen diese oder jene Theorie zu beweisen oder eine der vielen Hypothesen zu untermauern oder die Vielzahl der weiterhin ungeklärten Fragen neu zu stellen, die allzu leichtfertig gemeinsam mit den so leicht aus den Ärmeln zu schüttelnden wie zu widerlegenden Behauptungen (beispielsweise der, daß es nie einen Mohammed Atta gegeben hätte) und allzu abstrusen Spinnereien (wie der, daß Lord Voldemort die Türme mit dem Todesstern gesprengt hat, um die Matrix zu resetten) einfach vom Tisch gewischt wurden.

Stattdessen soll mithilfe öffentlicher Quellen und auf Basis der von Archimedes, Galileo Galilei und Isaac Newton beschriebenen physikalischen Gesetzmäßigkeiten, wie sie jeder Schüler im Physikunterricht spätestens ab der 7. Klasse kennenlernt, nachgewiesen werden, daß die offizielle Darstellung des Massenmords vom 11.9.2001 bewußt Auslassungen enthält und daß der abschließende Untersuchungsbericht des NIST, der „Final Report on the Collapse of the World Trade Center Towers“, seine titelgebende Aufgabe, die Kollapse der Zwillingstürme zu untersuchen, verfehlt.

Warum das ein Skandal ist und schärfsten und entschiedendsten Protest fordert?

The specific objectives were:
1. Determine why and how WTC 1 and WTC 2 collapsed following the initial impacts of the aircraft and why and how WTC 7 collapsed.

– NIST NCSTAR 1, WTC Investigation, xxix

Vorgeschichte

Die Baumeister New Yorks konnten zurückblicken auf Jahrzehnte der Erfahrung im Hochhausdesign, als sie die Statik der Zwillingstürme berechneten. Seismisch relativ ruhig gelegen, mußten sie doch mit den regelmäßigen tropischen und subtropischen Zyklonen rechnen. Nicht zuletzt, weil 1945 eine B-25 im Irrflug ins Empire State Building eingeschlagen war, wurden auch solche und ähnliche Möglichkeiten einberechnet. Das Kippen eines Hochhauses würde in Lower Manhattan eine fatale Kettenreaktion auslösen. Es gab daher gewisse Bauvorschriften, was die Stabilität anging.

Aus den Erfahrungen mit Bauwerken, die in monsungefährdeten Gebieten mit schweren Dächern vorm Wegfliegen geschützt werden sollten, die dann bei starken Erdbeben das Haus unter sich begruben (das sogenannte „pancaking“), hatte man gelernt. Ein Grundprinzip der sogenannten „tube-in-tube“-Architektur der Zwillingstürme, mit eingehängten Leichtbauzwischendecken eine Ableitung der Windlasten von der Fassade auf den Kern zu gewährleisten, wird bis heute praktiziert – bei Rekord-Wolkenkratzern wie bei Altbausanierungen.

So wackelten denn die Türme auch kaum (ein Überlebender aus den oberen Stockwerken berichtet allerdings von einer Auslenkung, die sieben bis zehn Sekunden gedauert habe), als die Maschinen ein Loch in die Fassade schlugen, sich einen Weg durch die Etagendecken bahnten und das Gittergerüst des zentralen Gebäudekerns (die „Wirbelsäulen“ der beiden Gebäude) verwüsteten und dabei selbst zu Kleinstteilen zerfetzt wurden. Einzelne, schwerere Teile durchschlugen das Gebäude auf kompletter Breite und traten auf der anderen Seite wieder aus. Ein großer Teil des Kerosins entzündete sich instantan, gigantische Feuerbälle schossen aus der gegenüberliegenden Fassade. Die betroffenen Stockwerke standen sofort in Flammen, dicke, schwarze Rauchwolken zogen über die Stadt. Die Gebäudeteile unter den Feuern konnten größtenteils evakuiert werden. Das NIST kommt zu dem Schluß, daß die unteren Gebäudeteile strukturell vollständig intakt geblieben seien, während die Sprinkleranlage ein Übergreifen der Feuer auf die Brandlast der umliegenden Stockwerke nicht verhindern konnte.

Einige wenige Viertelstunden später, noch während Feuerwehrmannschaften in den Gebäuden um Menschenleben kämpften, sackten bei beiden Türmen plötzlich, kurz hintereinander, die vom Brand betroffenen Stockwerke unter der Last des darüberliegenden Gebäudeteils zusammen.

Als nächstes geschieht, den zahlreichen Videoaufzeichnungen des Geschehens zufolge, dieses: die Absackbewegung setzt sich nahezu ungebremst fort. Beide Gebäude stürzen kollapsartig in sich zusammen, indem der obere Teil der Türme nacheinander jedes Stockwerk unter sich zertrümmert. Erst sinkt der eine Turm zu Boden, wenige Minuten später der andere. Der Beton der Zwischendecken wird zu feinem Staub zermahlen, der an der Kollapsfront zu allen Seiten austritt, in dicken Wolken zu Boden fällt und durch die Straßenschluchten Manhattans quillt.

Auf der anderen Straßenseite wird die den Türmen zugewandte Fassade von WTC 7, einem 47-stöckigen Hochhaus, von herabfallenden Trümmerteilen zerstört. Feuer bricht aus. Die Feuerwehr gibt das Gebäude auf. Am späten Nachmittag sackt auch dieser Wolkenkratzer, scheinbar im Freifall, in seinen Grundriß zusammen.

Diese Vorgänge waren und blieben einmalig in der Geschichte der Architektur, und die Mechanik hätte akribisch untersucht und hinterfragt werden müssen, damit so etwas nie wieder passieren kann. Denn zur Zeit besteht die einzige Möglichkeit darin, die Knochen und Eingeweide von Flugreisenden zu befragen.

Offizielle Untersuchungsergebnisse

Any intelligent fool can make things bigger and more complex. It takes a touch of genius – and a lot of courage – to move in the opposite direction.

– Albert Einstein (?)

Tatsächlich erkennt der NIST-Untersuchungsbericht an: „The towers withstood the impacts and would have remained standing were it not for the dislodged insulation (fireproofing) and the subsequent floor-fires. The robustness of the perimeter frame-tube system and the large size of the buildings helped the towers withstand the impact.“ (xxxvii)

Lediglich in der Fußnote heißt es: „The focus of the investigation was on the sequence of events from the instant of aircraft impact to the initiation of collapse for each tower. For brevity in this report, this sequence is referred to as the ‚probable collapse sequence,‘ although it includes little analysis of the structural behaviour of the tower after the conditions for collapse initiation were reached and collapse became inevitable.“ (xxxvii; s.a. S. 82)

Es wird also („der Kürze halber“) nichtmal der Versuch unternommen, die Mechanik der Kollapse zu erklären! Keinerlei Erklärung für dieses katastrophale Phänomen, abgesehen von lapidaren Hinweisen wie diesem:

„Once the upper building section began to move downwards, the weakened structure in the impact and fire zone was not able to absorb the tremendous energy of the falling building section and global collapse ensued“ (S. 145)

Stattdessen werden Fragen beantwortet, die nur wenige Menschen mit Sinn und Verstand gefragt haben können: „NIST also did not find any evidence that missiles were fired at or hit the towers. Instead, photographs and videos from several angles show that the collapse initiated at the fire and impact floors and that the collapse progressed from the initiating floors downward, until the dust clouds obscured the view.“ (S. 146)

„The downward movement of this structural block was more than the damaged structure could resist, and the global collapse began.“ (S. 152)

Zwar wird (durch eine nicht näher erläuterte „Justierung“ der Eingangsdaten (S. 144)) erklärt, daß und wie die beschädigten Stockwerke eingesackt sind, es gibt sogar recht aufwendige Computersimulationen dazu – doch warum wurde auch der intakte Teil der Türme innerhalb kürzester Zeit Stockwerk um Stockwerk zertrümmert? Keine Antwort. So heißt es denn auch in den FAQ des NIST unter Punkt 6, „What caused the collapses of WTC 1 and WTC 2?“, nur lapidar:

Based on its comprehensive investigation, NIST concluded that the WTC towers collapsed because: (1) the impact of the planes severed and damaged support columns, dislodged fireproofing insulation coating the steel floor trusses and steel columns, and widely dispersed jet fuel over multiple floors; and (2) the subsequent unusually large number of jet-fuel ignited multi-floor fires (which reached temperatures as high as 1,000 degrees Celsius, or 1,800 degrees Fahrenheit) significantly weakened the floors and columns with dislodged fireproofing to the point where floors sagged and pulled inward on the perimeter columns. This led to the inward bowing of the perimeter columns and failure of the south face of WTC 1 and the east face of WTC 2, initiating the collapse of each of the towers. Both photographic and video evidence—as well as accounts from the New York City Police Department aviation unit during a half-hour period prior to collapse—support this sequence for each tower.

(NIST FAQ)

Mit anderen Worten: der Kollaps wurde verursacht, weil einige Stockwerke wegen der Feuer nachgegeben haben. Daraufhin ist auch der intakte Teil des Gebäudes in sich zusammengesunken. Der Beweis für diese Annahme ist, daß man auf den Videos sieht, wie es brennt und daß dann die Gebäude in sich zusammensinken.

Mit diesem Zirkelschluß, der im Vergleich zu den sehr umfangreichen Erklärungen, zu den äußerst präzisen Finite-Elementen-Computermodellen (inklusive der Rotorenblätter der Flugzeugturbinen) und vielen anderen Tests, Modellen und Detaildiskussionen, die alle nur von der Initiation der Kollapssequenz sprechen, auffallend wortkarg daherkommt, weicht das NIST der selbstgestellten Fragestellung aus:

Warum und wie kollabierten die Türme – warum hielt der intakte Teil der Gebäude die Kollapse nicht signifikant auf? {1}

Von fehlgeschlagenen Sprengungen oder dem Schadensbild von Hochhäusern nach Erdbeben ist das Phänomen eines „global collapse“, „classic progressive collapse“ oder „gravitational collapse“ in dieser Form nicht bekannt. Seit wann läßt man Häuser so zusammenbrechen und diskutiert in der Fachwelt nur/immerhin über bessere Fluchtwege?

Schon aus architektonischer Sicht hätte also unbedingt untersucht werden müssen, welcher Mechanismus den progressiven Kollaps nach der Initiierung ermöglicht hat.

Bemerkenswerterweise fällt das im öffentlichen Diskurs nicht auf. Stattdessen wird der Bericht in grob nachlässiger Übergehung des Impulserhaltungssatzes als letztmöglich zu sprechendes Wort in dieser Angelegenheit gehandelt und noch zehn Jahre später jede Andeutung eines Zweifels an den amtlichen Untersuchungsergebnissen und jede Forderung nach einer neuen und unabhängigen Untersuchung als Ausdruck einer paranoiden Verschwörungspsychose abgetan.

Skandalös daran ist, daß die zugrundeliegenden physikalischen (Gedanken-)Experimente, Modelle und Formeln in weiten Teilen dem entsprechen, was der Physik-Lehrplan Schülern des 7. bis 10. Schuljahres abverlangt.

Theorie

Corpus omne perseverare in statu suo quiescendi vel movendi uniformiter in directum, nisi quatenus illud a viribus impressis cogitur statum suum mutare.

Mutationem motus proportionalem esse vi motrici impressae, et fieri secundum lineam rectam qua vis illa imprimitur.

Actioni contrariam semper et aequalem esse reactionem: sive corporum duorum actiones in se mutuo semper esse aequales et in partes contrarias dirigi.

– Isaac Newton: Philosophiae naturalis principia mathematica. Tomus Primus, London 1726

Zur Erinnerung: treffen zwei Körper aufeinander, können viele verschiedene Dinge passieren – sie können sich verformen, abstoßen, erwärmen und abbremsen (es ist sogar möglich, mit einem Hammer einen Teil des Eisens eines Nagels auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen – wenn man ihn beispielsweise in einen alten Eichenbalken schlägt, kann es zum Funkenflug kommen).

Allen möglichen Reaktionen gleich zu eigen jedoch ist: wenn das „System geschlossen“ ist (grob gesagt: man hat alle Variablen zusammen, keine weitere Energie wirkt von aussen ein), geht keine Energie verloren – und keine Energie wird erzeugt. Energie kann nur von einer Form in eine andere umgewandelt werden.

Zum Beispiel kann potentielle Energie („Lage-Energie“) in kinetische („Bewegungs-Energie“) umgewandelt werden, wie es beim Domino Day geschieht. So könnte man mit einem winzigen Impuls eine lange Kettenreaktion starten, infolge derer riesige Massen beschleunigt werden. In diesem Falle müßte man zur Gravitation/Masse/Kraft auch die Energie des ursprünglichen „Aufrichtens“ all der Potentiale in die Bilanz aufnehmen.

Was sich so tricky anhört, ist in Wahrheit ganz einfach: „actioni contrariam semper et aequalem esse reactionem“, kurz: actio = reactio. Immer.

Das liegt an der Masseträgheit. Wird ein Körper mit einer bestimmten Kraft beschleunigt, setzt er dieser eine genau gleich so große Kraft entgegen.

Dies ist ein fundamentales Gesetz der Physik und geht zurück auf Jahrhunderte und Jahrtausende der mathematischen und philosophischen Erforschung der Naturgesetze durch die Menschheit, soweit dokumentiert, und wurde so im 18. Jahrhundert formuliert von Sir Isaac Newton, nach dem die SI-Einheit für Kraft benannt wurde.

In der Realität wird immer ein Teil der Bewegungsenergie darauf verwendet, z.B. eine Reibungskraft zu überwinden (Nagel in den Balken) oder in Verformungsenergie verwandelt zu werden (z.B. eine Feder zu spannen oder einen Klumpen Knete zu verformen).

Um den Kollaps eines der Türme näherungsweise physikalisch zu beschreiben, ist es zunächst nicht zwingend notwendig, architektonische Details wie die Zugfestigkeit der einzelnen Verbindungselemente oder die Knickspannung jedes Stahlträgers zu kennen.

Es soll genügen, mit folgenden Näherungswerten und Annahmen zu rechnen:

Erdbeschleunigung: 9,81 m/s²
Größe eines Turms: 64 m * 64 m * 400 m
Gesamtmasse eines Turms: 500.000.000 kg
Masse des Gebäudeteils oberhalb der Einschlagsstelle: 58.000.000 kg
Fallzeit: 14 s

Ließe man also eine Bowlingkugel aus 400 Metern Höhe auf den Erdboden fallen, würde sie idealerweise nach 9,03 Sekunden auf dem Erdboden aufschlagen. „Idealerweise“, weil sie in der Realität aufgrund der Reibungskraft des Luftwiderstands gebremst würde. Im luftleeren Raum würde auch eine Daunenfeder nach t = sqrt(2*h/g) = 9,03 Sekunden unten ankommen, wie Galileo Galilei nachgewiesen hat!

Wenn stattdessen der obere Gebäudeteil 14 Sekunden braucht, um dieselbe Strecke zurückzulegen, ergibt sich daraus eine mittlere Beschleunigung von a = 2*h/t² = 4,08 m/s² ≈ 0,42 g.

Da die Kraft das Produkt aus Masse und Beschleunigung ist (d.h., ein Kilogramm Masse auf der Erde eine Kraft von 9,81 Newton auf eine Feder ausübt), läßt sich so also die Bremskraft (auch: „negativer Vortrieb“) ermitteln, die der untere Gebäudeteil dem oberen während des Falls entgegengesetzt hat:

F_brems = m*a = 58.000.000 kg * (9,81-4,08) m/s² = 236.640.000 Newton ≈ 332 Meganewton.

Das ist zugegebenermaßen eine etwas unhandliche Zahl und soll deswegen in Relation zu der Kraft gesetzt werden, mit der der obere Gebäudeteil den unteren 30 Jahre lang belastet hat:

F_trag = m*g = 58.000.000 kg * 9,81 m/s² = 568.980.000 Newton ≈ 569 MN

Diese Zahl beschreibt lediglich das Gewicht der oberen Stockwerke, und damit die Kraft, die der untere Gebäudeteil einer abwärtsgerichteten Kraft (Erdbeschleunigung mal Masse) mindestens entgegengesetzt haben muss. Dabei wurde sogar ausser acht gelassen, daß das Gebäude mit größter Wahrscheinlichkeit auch viel größeren Kräften (Windlast, Erdbeben, King Kong) standgehalten hätte.

Beim Sturz widerstand der gesamte untere Gebäudeteil dem oberen Gebäudeteil mit weitaus weniger als 58% der ursprünglichen Tragkraft des obersten Stockwerks des unteren Gebäudeteils!

Nun kann eingewendet werden (und wurde eingewendet), daß mit so einer einfachen Rechnung nicht die komplexe Kollapsmechanik beschrieben werden kann, da ein Stockwerk aufs andere fiel, sich also die Masse mit jedem Stockwerk vergrößerte und damit auch der Impuls, der auf das jeweils nächste Stockwerk wirkte.

Indes, dem Superpositionsprinzip, Isaac Newtons „lex quarta“, zufolge addieren sich sich sämtliche Kräfte vektoriell zu einer resultierenden Kraft, das heißt: so komplex ein Modell zur Beschreibung der Kollapsmechanik auch werden mag, so darf der aufwärtsgerichtete Anteil der vektoriellen Summe aller einzelnen Kräfte die ermittelten 332 Meganewton nicht übersteigen, anders ausgedrückt: um die Differenz zwischen den ursprünglich weit über 569 MN und den 332 MN während des Kollapses zu erklären, müssten im Modell mithilfe von Hebeln, Gewichten, schiefen Ebenen, Federspannungen oder anderen Energieformen mehr als 237 MN abwärtsgerichteter Kraft „eingebaut“ und so auf mindestens 90 Stockwerke verteilt werden, daß sie nacheinander zum Wirken kommen!

Ein weiterer Einwand (siehe auch) berechnet die Kraft, mit der der obere Gebäudeteil beim Fall aus der Höhe eines Stockwerks auf den unteren Gebäudeteil stoßen würde, der Einfachheit zuliebe davon ausgehend, daß der Brand irgendwie alle Träger und Verbinder in einem Stockwerk gleichzeitig geschwächt hat, um zu zeigen, daß allein die Wucht des Aufpralls ein Versagen der kompletten Struktur zur Folge hätte, da sie die maximale Tragkraft des Gebäudes bei weitem überstiege.

Das ist soweit zwar richtig, läßt aber ausser Acht, daß ein solcher „Kraftstoß“ erstens vom heissen, also weichen, Stahl gedämpft worden wäre (die Bewegungsenergie wäre zuallererst in Verformungsenergie verwandelt worden), zweitens vom Stoßpunkt aus in beide Richtungen gewirkt hätte (und nicht nur nach unten), drittens die dem Stoßpunkt nächsten Stockwerke zuerst zerschmettert hätte und sich viertens die Schockwelle mit ca. 4500m/s (Schallgeschwindigkeit im Baustahl) durch die Struktur fortgepflanzt hätte, also auf kompletter Höhe aufgefangen worden wäre, und fünftens:

jedes Stockwerk, jedes Büromöbel, jeder Bleistift und selbst jedes Luftmolekül mußte zuerst beschleunigt werden und hätte den Sturz des oberen Gebäudeteils verlangsamt, jedes Knicken, Scheren, Biegen, Brechen, Schneiden, Reissen oder auch nur Reiben, jede Deformation hätte Energie gekostet, die der Abwärtsbewegung entzogen worden wäre und nach dem Zusammenbruch einiger Stockwerke nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte, auch noch die restliche Masse des Gebäudes zu beschleunigen!

Dennoch soll die Rechnung nachvollzogen werden: wieviel Energie würde freigesetzt, wenn die oberen 14 Stockwerke ein Stockwerk tief (3,7m) im freien Fall auf die Stockwerke darunter fallen würden?

E_kin = 1/2*m*v²

Die Geschwindigkeit, mit der die Stockwerke aufprallen, ist abhängig von der Fallhöhe: v = sqrt(2*g*s) = sqrt(2*9,81m/s² * 3,7m) = 8,5202 m/s, folglich

E_kin_prall = 1/2 * m * v² = 1/2* 58.000.000kg * (8,52 m/s)² ≈ 2,1 Gigajoule

Da man Energien in diesen Größenordnungen selten begegnet, soll sie in Relation zu etwas „bekanntem“ gesetzt werden – etwa zur kinetischen Energie eines Flugzeuges, das mit einer Masse von 274.000 Pfund (124.000kg) und einer Geschwindigkeit von 503 mph (225 m/s) fliegt:

E_kin_impakt = 1/2 * 124.000kg * (225 m/s)² ≈ 3,14 GJ.

Die Energie des Flugzeugeinschlags (kleinere Masse, dafür größere Geschwindigkeit im Quadrat) von der Seite war größer, als die Energie des Aufpralls nach einem Freifall der oberen Stockwerke auf die unteren aus der Höhe von 3,7 Metern wäre! Und diese 2,1 Gigajoule sollen die restlichen 442.000 Tonnen Masse in 14 Sekunden 340 Meter weit beschleunigt haben. Nun, die Erdschwerkraft hat ja auch mitgeholfen, schließlich war in dem Gebäude auch potentielle Energie gespeichert (durch das Aufrichten der Masse beim Bau):

E_pot = m*g*h = 500.000.000 kg * 9,81m/s² * 400m / 2 ≈ 981 GJ {2}

Fast ein Terajoule wurde beim Kollaps zur Gänze umgewandelt! Doch noch immer wurde kein einziger Stahlträger auf sich selbst zurückgefaltet, keine Betondecke zu einem (hochtoxischem) Feinstaubgemisch zermahlen und kein Trümmerteil seitwärts beschleunigt, denn das Terajoule „stand“ 30 Jahre stabil in Manhattan. Doch der Fall wurde ja auch gebremst, also wurden von den 981 GJ „nur“

E_brems = 500.000.000 kg * (9,81-4,08)m/s² * 400m / 2 ≈ 573 GJ

in innere Energie (Deformation, Reibung und Wärme) umgewandelt. Die Eingangsenergiesumme von 5,24 GJ stellte 408 GJ, 42% der potentiellen Energie, zur Beschleunigung der gesamten Struktur zur Verfügung. Nur 58% der potentiellen Energie mußte darauf verwendet werden, die Verbindungen durch Knicken, Torsion, Scherung und Reissen zu lösen.

Selbst dann also, wenn man die Energie des Impakts des Flugzeuges mit der Energie addieren würde, die ausgelöst werden könnte, wenn ein besonders heimtückisch brennendes Kerosin alle Träger einer Etage gleichzeitig desintegrierte, um einen Freifall der oberen Stockwerke zu initiieren, müßte erklärt werden, wie damit ein Hundertfaches an potentieller Energie ausgelöst werden konnte!

Ist das ein zwingender Beweis für eine Sprengung, d.h., die heimliche Einbringung von in chemischer Form gespeicherter Wärmeenergie? Nicht unbedingt.

Es ist durchaus denkbar, daß ein Mechanismus eine kleine Kraft derart verstärkt, daß sie eine große Wirkung erzielt. So kann, wie bereits erwähnt, durch das Anstupsen eines Dominosteins eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden, bei der immer größere Steine umgekippt werden, bis schließlich ein tonnenschwerer Marmorblock zu Fall kommt. Dies setzt jedoch voraus, daß vorher Arbeit verrichtet wurde, sprich: durch das Aufrichten vieler immer größer werdender Steine potentielle Lageenergie im System gespeichert wurde. Auch das Spannen einer Feder erfüllt dieselbe Funktion, und nur der Vollständigkeit halber sei die elektromagnetische Energie als weitere mögliche Energieform erwähnt (die natürlich erst umgewandelt werden müßte).

Sicher wäre es auch möglich, den genannten Marmorblock bereits so weit anzukippen, daß er im metastabilen Gleichgewichtszustand verharrt und nur noch angepustet werden muß, sodaß er endgültig umkippt. In diesem Sinne ist das womöglich bekannteste Beispiel für eine Struktur, bei der sich ein Kollaps von oben nach unten fortpflanzt und das Gebäude sich in sich selbst einfaltet, wohl das Kartenhaus: der Ruck der oberen, schrägstehenden Karten überwindet die Haftreibung bzw. hebt den Formschluß der Kartenkanten im darunterliegenden Stockwerk auf, sodaß diese umkippen und wiederum die Etage unter sich anstoßen usw. – auf vergleichbare Weise könnten sicher auch bei den Türmen die Stahlträger in einer raffinierten Hebelmechanik wechselseitig gelenkig und „auf Kipp“ gelagert gewesen sein, sodaß es einem Dominoeffekt entsprechend in sich selbst „kippte“; und wenn es tatsächlich einen guten Grund dafür gibt, ein Gebäude auf diese Weise zu planen und umzusetzen, sozusagen mit ganz viel Fingerspitzengefühl zwei bis drei metastabile, mechanische Bomben im Domino-Kartenhausdesign mit der Energie von über hundert Tonnen TNT in die City New Yorks zu stellen, wird ihn jemand von den verantwortlichen Bauingenieuren in Erfahrung bringen wollen.

In jedem Falle der Annahme einer kunstgerechten Planung und Ausführung jedoch kann ausgeschlossen werden, daß ein Bauwerk, dessen Statik gegen ein Kippen bzw. Neigen bei Windgeschwindigkeiten bis 260 km/h {3} gesichert ist und beim Einschlag eines vollbetankten Linienverkehrsflugzeugs nichtmal sichtbar wackelt, aufgrund eines technischen Defekts, architektonischer Inkompetenz (oder „weil man halt billig bauen mußte“, wie es zuweilen heißt) den energieärmsten Weg lotrecht durch sich selbst hindurch findet. Selbst die Wahrscheinlichkeit einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände muß statistisch ausgeschlossen werden, da das Phänomen sich kurz darauf wiederholte – beim anderen, zuerst getroffenen Zwillungsturm, dessen Kern eine verschiedene Struktur aufwies. Ein chaotischer und unkontrollierter Kollaps hätte erfahrungsgemäß mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Kippen bzw. Neigen der Türme oder ein Abrutschen des oberen Gebäudeteils zur Folge gehabt.

Von WTC 7 mal ganz abgesehen.

Modell und Experiment

Eppur si muove!

– Galileo Galilei, 1633 (?)

Als Klassiker unter den Experimenten zur Impulserhaltung gilt das Newton- bzw. Kugelstoßpendel. Lenkt man eine Kugel aus und läßt sie fallen, stößt sie gegen die anderen Kugeln, der Stoß pflanzt sich bis zur letzten Kugel fort und diese wird (wegen der Reibungskräfte nur fast) genauso weit ausgelenkt, während alle anderen Kugeln im Ruhezustand verharren. Stoßen zwei Kugeln auf die anderen, werden auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls zwei Kugeln abgestoßen.

Dies gilt für den ideal elastischen Stoß, bei dem keine Bewegungsenergie in innere Energie (Umformungsenergie, Wärmeenergie) umgewandelt wird. Ersetzt man die Stahlkugeln durch Knetkugeln (oder rohe Eier), wird ein viel größerer Teil der Bewegungsenergie in Deformationsenergie umgewandelt: die Kugeln in der Nähe des Stoßpunktes verformen sich (Eier brechen an der Stoßstelle), die anderen Kugeln bewegen sich kaum oder gar nicht.

Da es sich jedoch um einen „gravitational collapse“ gehandelt haben soll, wurde im Experiment ein Turm aus 48 ausgedienten Vinyl-Singles mit einer Gesamtmasse von 1850 g und mit Klebepunkten zu Ringen zusammengefügten Papierstreifen (mit einer Höhe von je 2,5cm und einem Durchmesser von ca. 6cm) übereinandergeschichtet, um die Struktur zu simulieren.

Ablauf: ein einzelner Papierring wurde mit allen 48 Platten gleichzeitig belastet, hielt das Gesamtgewicht jedoch nur, wenn es mit äußerster Vorsicht nach und nach daraufgelegt wurde. Schon der Impuls von zwei weiteren darauffallenden Schallplatten brachte den Ring zum Kollaps. So wurde sichergestellt, daß die Struktur so labil wie möglich war. Da ausserdem ein Kippen des Turms unumgänglich schien, wurden die Platten (D_innen=3,5cm) und Ringe über ein vertikales Rohr (D=2cm) geführt und im Freifallexperiment sichergestellt, daß Impulsverluste durch Reibung, Verkeilen und Verkanten mit der Führung weitestgehend ausgeschlossen werden konnten.
Anschließend wurden abwechselnd Ringe und Platten zu einem ca. 1m hohen Turm übereinandergeschichtet. Ein leichtes Antippen der Struktur versetzte sie in Schwingung, ein stärkerer Impuls hätte ohne die Führung sicher ein Kippen bewirkt. Daraufhin wurden die oberen Stockwerke angehoben und fallengelassen, um ein gleichzeitiges Nachgeben aller Kernstützen zu simulieren.

Beobachtung: der unterste Papierring sowie die Ringe direkt am Stoßpunkt versagten komplett, einige der Ringe in der Nähe des Stoßpunktes wiesen Verformungen auf. Der Großteil der „Struktur“ dazwischen, auch oberhalb des Stoßpunkts, blieb jedoch erwartungsgemäß vollständig intakt.

Das Experiment wurde daraufhin mit je zwei Platten pro Papierring wiederholt, um ein höheres Gewicht pro Stockwerk zu simulieren. Ein Totalversagen der Struktur blieb jedoch auch bei diesem Versuchsaufbau aus – der Großteil der Ringe verformte sich nicht und der Turm blieb stehen.

Das Versagen des untersten Ringes stützt die Hypothese, daß der Stoß sich selbst durch Papier hindurch schnell genug fortpflanzen konnte, um auf voller Höhe der Struktur abgefedert zu werden, anstatt nacheinander mit voller Wucht auf jedes Stockwerk zu wirken.

Ein „classic progressive collapse“ ist im Experiment also nur sehr schwer nachzuvollziehen, da selbst bei einer äußerst instabilen Konstruktion der Kollaps aufgrund des Energieerhaltungssatzes nicht näherungsweise simuliert werden kann.

Der Vollständigkeit halber wurden weitere Versuche unter Zuhilfenahme von äußerst waghalsiger Jengaklötzchen- und Kartenhausarchitektur unternommen, was in einigen Fällen tatsächlich einen Totalkollaps zur Folge hatte, jedoch die Hypothese von unzulänglicher Statik bei der Planung der Türme erst recht ad absurdum führte. Zur Veranschaulichung der grundsätzlichen Möglichkeit einer Auslösung größerer Bewegungsphänomene mittels eines kleinen Eingangsimpulses stand dem Experimentator ermangels eines Lego-Technik-Bausatzes ansonsten vorerst nur eine Hoberman-Sphäre zur Verfügung.

Zusammenfassung

Wäre ein Kollaps zu erwarten gewesen, hätten die Emergency Medical Services ihre Triage in der Lobby des bereits brennenden Südturms installiert (NIST NCSTAR 1, WTC Collapse, S. 44)?

Der Untersuchungsbericht des NIST übergeht die Kollapsmechanik von WTC 1 & 2 mit wenigen Sätzen, setzt den Kollaps sogar als unvermeidlich und einzig logische Folge des strukturellen Versagens der vom Brand betroffenen Stockwerke voraus, ohne auf die offensichtlichen Differenzen zwischen der eingebrachten und der ausgelösten Energie oder auf die Diskrepanz zu alltäglich beobachtbaren Phänomenen einzugehen.

Der Report gleicht damit formal der Klassenarbeit eines Physik-Schülers, in der er erklären soll, wie ein Körper auf einer schiefen Ebene vom Haftreibungszustand in den Gleitreibungszustand gebracht werden kann, ohne je wieder zum Halten zu kommen, und dabei seitenweise minutiös den Versuchsaufbau zur Quantifizierung des beschleunigenden Stoßes zur Überwindung der Haftreibung beschreibt – ohne dabei ein einziges Wort über die Gleitreibungskraft zu verlieren; „der Kürze halber“, wie er in einer Randnotiz gewissenhaft vermerkt. Zu recht müßte mit roter Tinte darunter geschrieben stehen: „Aufgabe verfehlt!“

Die Freigabe der Dokumente zur Statik der Zwillingstürme könnte viele Unklarheiten beseitigen. Bis dahin jedoch kann selbst mit der physikalischen Formelsammlung eines Siebt- bis Zehntklässlers und einfachen Experimenten nachgewiesen werden, daß der offizielle Untersuchungsbericht einen Skandal durch bewußte Auslassung zu vertuschen versucht:

die Mechanik der lotrechten Kollapse der Zwillingstürme setzt exakte und präzise Planung voraus.

Schlußfolgerungen

Δῶς μοι πᾶ στῶ καὶ τὰν γᾶν κινάσω.

– Archimedes von Syrakus (287-212 v. Chr.) / (?)

Zu erwarten, daß der Abschlußbericht des NIST von jedermann mit gesundem Menschenverstand als das letzte Wort akzeptiert wird, das in der Causa 9/11 gesprochen werden kann, ist ein Faustschlag ins Angesicht der Wissenschaftlichkeit; die öffentliche Lächerlichmachung bis hin zur Pathologisierung jeglichen Zweifels an der offiziellen Darstellung der Vorgänge rund um die Anschläge vom 11. September 2001 ist eines seriösen, investigativen Journalismus unwürdig; die politischen Folgen fatal.

Warum das heute, mehr als zehn Jahre später noch von Belang ist? Hieß es nicht noch bis vor kurzem „Why?“ und „Never forget“, sprach nicht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika: „We must uncover every detail and learn every lesson of September 11th“? Doch nicht nur wurden Details nicht gelüftet, sondern während des Unterrichts nicht zugehört, gestört, rumgezappelt und die Implosion von einer Million Tonnen Masse und drei Millionen Kubikmetern Raum unter den Teppich gekehrt.

Zehn Jahre und einen Administrationswechsel später ist der Forderung der Angehörigen der Opfer nach einer unabhängigen Neuuntersuchung nicht nachgekommen worden – change we can believe in?

Mehr noch.

Nicht nur, daß die Anschläge als Rechtfertigung für InvasionsVerteidigungsangriffe auf souveräne Nationen, für staatliche Überwachung und die Aufhebung der Unschuldsvermutung dienten und dienen; nicht nur, daß seitdem mit der institutionellen Folter Relikte voraufklärerischer Epochen und totalitärer Staatensysteme wieder diskutabel und praktikabel wurden; nicht nur, daß die Kluft zwischen Juden, Christen und Moslems vertieft wurde; nicht nur, daß der deutsche Bundestag noch in der 136. Sitzung vom 27. Oktober 2011 unter TOP 14 die „Gesetze zur Änderung des Bundesverfassungsschutzgesetzes“ (17/6925 & 17/7513), eine Verlängerung des „Terrorismusbekämpfungsgesetzes“/“Otto-Kataloge“ (14/7727 & 14/7386, Zitat: „Alternativen: Keine“) durchgewunken hat; der 11. September 2001 hat auch in der Hinsicht „die Welt erschüttert“ (Der Spiegel), als daß seitdem ein blinder Expertenglaube gefordert und vorausgesetzt wird, der jegliche Form der Äußerung von Kritik und Skepsis gleichsetzt mit Schwachsinnigkeit, Desinformiertheit, Wahnerkrankungen oder gar böswilligem Gedankenterrorismus und Volksverhetzung, sie im schlimmsten Falle jedoch schlicht ignoriert. Es wurden doch im Abschlußbericht alle Fragen von studierten Ingenieuren und Doktoren beantwortet, die werden es wohl besser wissen!!1!

Wenn beispielsweise zehn Jahre später eine demokratisch legitimierte Regierung (unter der Leitung einer studierten Physikerin!) einen monetären „Hebel“ ansetzen will, um durch die Verschiebung immenser Geldmengen ein grundlegend fehlerhaftes Finanzsystem zu perpetuieren, oder faule Kompromisse mit der Kernenergielobby aushandelt, oder Schad- und Spionagesoftware auf private Rechner schmuggelt, scheinen – neben intuitiven Einwänden – auch logische, sachliche und empirisch begründete Bedenken keinerlei Gehör mehr zu finden, ausser, um weggewischt zu werden mit dem Argument, das sei halt alles sehr sehr komplex und man müsse deswegen den Experten vertrauen, anders ginge es eben nicht. Währenddessen verlegen sich die etablierten Medien auf das sichere Terrain des Deskriptivismus und der Weitergabe amtlicher Verlautbarungen, um die Analyse, Hinterfragung und kritische Kommentierung den Amateuren und Laien der Blogosphäre zu überlassen.

Daß in einem solchen Diskursklima „Verschwörungstheorien“ nahrhaften Boden finden und das Vertrauen der Bevölkerung in die Unvoreingenommenheit der wissenschaftlichen Institutionen, in die Unabhängigkeit der „vierten Säule der Demokratie“ und in die Urteilsfähigkeit ihrer Administration nicht eben gestärkt wird, liegt wohl auf der Hand; denn konsequenterweise müßte auch die dort vorherrschende Ablehnung gegenüber so „absurden Wahnvorstellungen“ wie denen von Ausserirdischen, einer Hohlerde, Homöopathie, Telepathie, morphogenetischen Feldern, freier Energie, Intelligent Design, Reichsflugscheiben und der drohenden globalen Machtübernahme durch Annunaki-Reptilwesen vom Planeten Nibiru revidiert werden.

Daher möchte dieses Referat den „festen Punkt“ des Archimedes weisen, an dem sich die Welt bewegen ließe in eine Zeit, da nicht die „99%“ durch den Mißbrauch akkumulierter und zentralisierter Macht geknebelt werden können; all jenen das notwendige Handwerkszeug bieten, die scheinbar in Stein gemeißelte Gewissheiten kritisch hinterfragen und überprüfen möchten, und dazu einladen, die Forderung nach Aufklärung und wissenschaftlicher Unabhängigkeit in die Öffentlichkeit – und natürlich in die akademischen und demokratischen Institutionen – zu tragen.

Denn nicht zuletzt geht es um die Freiheit, zu sagen, daß zwei und zwei vier ergibt.

If that is granted, all else follows.


Anhang

Weitere Experimente, Modelle und Erklärungen zur Physik der Kollapse finden sich im YouTube-Kanal von psikeyhackr, unter anderem eine Variante unseres Kollapsmodells sowie eine systematische Versuchsreihe zur Impulserhaltung und zur Einschlagsdynamik. Diese hatten maßgeblichen Anteil an der Entstehung des vorliegenden Beitrags.

Nur der Vollständigkeit halber sei dem Jengaturm-Modell auch eines zur Seite gestellt, das originär nicht mit 9/11 zu tun hat und die unerwartete Schwierigkeit illustriert, einen äußerst filigranen Turm aus 1000 Keva/Kapla-Klötzen zum Einsturz zu bringen.

Zur Vertiefung der architektonischen Problematik seien die offenen Briefe der Architects and Engineers for 9/11 truth an das American Institute of Architects und an das NIST empfohlen.

Teile der vorliegenden Überlegungen beruhen auf den Arbeiten von Gordon Ross, Richard Gage, David Chandler, Dave Thomas, Dr. Frank R. Greening, Prof. Zdeněk P. Bažant et al. sowie vielen weiteren anonymen „Debunkern“ und „Truthern“.

Diese Kritik wurde inspiriert von zwei Diskussionssträngen des gulli:board, „09/11 Verschwörung – Schwachsinn oder doch was dran?“ und „Die sich abzeichnende Neue Weltordnung“ (ca. ab Seite 500), allen Teilnehmern gilt besonderer Dank.

____________________

{1}
Einem zuweilen eingebrachten Einwand, der Kerosinbrand hätte, von aussen unsichtbar, eine Schwächung auch der 90 unteren Stockwerke verursacht, etwa durch ein Eindringen in die Fahrstuhlschächte oder durch einen Kamineffekt, widerspricht der Abschlußbericht des NIST selbst:

„The initial jet fuel fires themselves lasted at most a few minutes and office material fires would burn out within about 20 minutes in a given location. […] At any given location, the duration of temperatures near 1,000°C was about 15 min to 20 min. The rest of the time, the calculated temperatures were near 500°C or below. […] Of the more than 170 areas examined on 16 perimeter column panels, only three columns had evidence that the steel reached temperatures above 250 ºC […] Only two core column specimens had sufficient paint remaining to make such an analysis, and their temperatures did not reach 250 ºC. […] Using metallographic analysis, NIST determined that there was no evidence that any of the samples had reached temperatures above 600 ºC.“ (Quelle)

{2}
Um die potentielle Energie zu berechnen, sei eine Näherung per Mittelwert vorgenommen:

E_pot_oberstesStockwerk = 500000000kg/110 * 9,81m/s² * 400m = 17836363636 J
E_pot_mittleresStockwerk = 500000000kg/110 * 9,81m/s² * 200m = 8918180748 J
E_pot_unterstesStockwerk = 500000000kg/110 * 9,81m/s² * 3,7m = 164986344 J
(E_pot_oberstesStockwerk + E_pot_unterstesStockerk)/2 = 9000674990 J ≈ E_pot_mittleresStockwerk
=> E_pot_gesamt = E_pot_mittleresStockwerk*110 ≈ 990 Gigajoule

Es darf also vom Schwerpunkt in der Mitte (auf halber Höhe) des Gebäudes ausgegangen werden.

{3}
Die Windlast ist das Produkt aus Winddruck und Fläche: w = c_p * ρ/2 * v² * A, wobei ρ die Dichte der Luft bezeichnet (1,204kg/m³ bei 20°C auf Meereshöhe) und c_p ein dimensionsloser Beiwert zur Beschreibung der Form der angeströmten Fläche ist (und der Einfachheit halber 1 sei), also

w = 1/2 * 1,204kg/m³ * (72 m/s)² * 400m*64m = 80385580 kg*m/s² ≈ 80,4 Meganewton

Nachtrag: dieser Artikel ist noch recht dynamisch. Um die Änderungen nachvollziehen zu können und Mißverständnissen vorzubeugen, soll es hier für jede signifikate Änderung eine Version History der PDF-Dokumente geben.

Erste Fassung: v0.9b vom 3.11.11

6 Kommentare

Worum es geht.

Dugarun

Worum geht es?

Um mehrerlei. Unmöglich, den mehrschichtigen Gedanken, den auszuführen hier Anliegen sein soll, mit einer einzigen konzisen und – zugleich möglichst! – präzisen Formel auszudrücken, daher mal wieder der Umweg über Andeutungen, Querverweise, Parabeln und nur scheinbar sinnfreie Schwurbelei.

In der universalen Sprache der Mathematik ausgedrückt, gibt es jedoch einen gemeinsamen Nenner: ich kann nicht mehr. Ich habe die Schnauze voll. Ich bin krank, ich werde verrückt – und ich meine das seelische Leiden im neurologisch-medizinischen Sinne, nicht bloß den „Sprung in der Schüssel“, den ich mir bisher ohnehin jederzeit ohne Bedenken als Ausdruck gesunder und liebevoller Selbstironie attestiert habe.

Die Symptome sind schnell benannt: meine natürliche Anlage zur romantischen Melancholie entwickelt sich zu depressiven Episoden und kindischen Ausrastern („erhöhtes Agressionspotential, verminderte Impulskontrolle, herabgesetzte Frustrationstoleranz“).

Fremde, Freunde und Feinde loben oft und häufig meine umfangreiche Bildung, meinen Wissensdurst und meine Fähigkeit zu Analyse und Synthese, nennen das „Intelligenz“ und verbinden das ausnahmslos mit einem Ausdruck des Unverständnisses darüber, daß ich mein sogenanntes „Potential“ nicht nutze („warum wirste denn nicht Programmierer“, wenn ich mal wieder ihr hoffnungslos zerficktes System repariert habe, „warum wirste denn nicht Designer“, wenn ich mal wieder mit einer schicken Internetpräsenz für einen befreundeten Musiker aufwarte, „warum wirste denn nicht Elektroniker“, wenn ich mal wieder einen hübschen GameBoy gemodded habe). Zu meiner Zivi-Zeit sagte mal eine Schwester, ich versperrte mir „mit meiner Art“ oft selbst den Weg, und aus jüngerer Zeit stammen andere, jedoch sinnverwandte Formulierungen.

Sicher haben sie recht – hat schließlich jeder, aus seiner Sicht. Manchmal möchte ich mich von außen sehen wie andere, dann wieder bin ich froh, daß das nicht geht (aber wer kennt das nicht). Meine Selbstwahrnehmung indes bezeichnet diese Nichtnutzung als Ausschlußverfahren; nötigte man mich zur ehrlichen Selbstkritik, könnte ich mich noch der Trägheit bezichtigen. Nun nennt mich arrogant und überheblich, doch diese ganzen Kompomisse, die einzugehen mich die Umwelt bisher aufforderte, sind vollkommen indiskutabel – meine Überzeugung, mein „moralisch geschultes Gewissen“, verbietet mir, blindlings in jede Falle zu laufen, die die Umwelt mir stellt. Konkret meine ich damit: noch, noch spüre ich zuviel Leidenschaft, als daß ich mich ruhigstellen ließe mit Bausparvertrag, Doppelhaushälfte, Zweitgolf und scheidungsbedingten Unterhaltsforderungen für eins komma vier Kinder mit richterlich erwirktem Besuchsrecht am Wochenende. Diese „Trägheit“ kostet mich jede Menge Energie und ist meine Investition in eine Option auf den anderen Blickwinkel, der sich mir versperrte, ginge ich die mir vorgeschriebenen Wege.

Ob die Finanzierung meines Daseins durch ALG II-Mittel und die 30-Stunden-Wochen-Arbeitserprobungsmaßnahme der Jobagentur beim diakonischen Sozialkaufhaus für eins fuffzig Aufwandsentschädigung pro Stunde kein „fauler Kompromiß“ wäre, fragt der aufgeweckte und kritische Geist zu recht.

Also nochmal von vorn, ungefähr da, wo ich sage, daß ich langsam, aber sicher krank werde. Ich leide in galaktischen Maßstäben: die Dinge, die mich – wenn es nach diesen wohlmeinenden Freunden ginge – nichts angehen sollten, betreffen mich sehr wohl. Ich bin da ungefähr so sensibel wie Yoda und Ben Kenobi, die die „Erschütterungen der Macht“  trotz der enormen räumlichen Distanz sehr wohl spürten (fragt mal meine ehemaligen Klassenkameraden, die wissen sicher noch den einen oder anderen Schwank über meine Ausraster zu erzählen).

Zur Erinnerung, und um den Bogen zu spannen: in diesem Sommer vergifteten Tausende Tonnen Rohöls und die daraufgesprühten Chemikalien und Mikroorganismen die Lebensgrundlage unseren Planeten mit unabsehbaren Folgen für die komplexen Ökosysteme der Weltmeere, fast zwei Dutzend junger Männer und Frauen wurden bei einer Massenpanik auf einer Parade zu Ehren der Liebe inmitten der Leiber ihrer hunderttausend Mitfeiernden zerquetscht – hier nur diese zwei Beispiele für den Irrsinn, der auf der Welt herrscht, weil sie soviel Aufmerksamsenergie umsetzten. Schuldige und Verantwortliche waren schnell benannt, die sofort sich ent-schuldigten, Schuld und Verantwortung nach „unten“ oder „oben“ auf der Hierarchieleiter oder gar – zynismusinduzierter Kotzkrampf – an die Opfer weiterdelegierten.

Doch es sind nur Parabeln für den Zustand des Zeitgeistes, die mit dem restlichen kollektiven Wahn des Erdenmenschen (sollen zum achtundxigsten Male die imperialen Kolonialkriege, der systematische Genozid der Ärmsten und Wehrlosesten mittels Aushungerung und Vorenthaltung medizinischer Versorgung, die Anstachelung zum Hass gegen die Schwachen und Schwächsten inmitten unserer Gesellschaft, die Vergiftung und Panscherei unserer Lebensmittel, die ungehinderte Zerstörung der Natur oder der weltweite Feldzug gegen freie Gedanken- und Meinungsäußerung angeführt werrden?) eines gemeinsam haben: den juristischen Begriff des Motivs.

Die Anklage muß also lauten:

Mord, Terrorismus, Totschlag, fahrlässige Tötung, bewaffneter Raub, Menschenraub, Freiheitsentzug, Nötigung, räuberische Erpressung, Vergewaltigung, Körperverletzung, Gründung einer kriminellen Vereinungung, Diebstahl, Verrat, Irreführung, Verleumdung, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses, Vertragsbruch, Unterschlagung, Sachbeschädigung, Haus-, Landes- und Erdenfriedensbruch, Mißhandlung Schutzbefohlener sowie Anstiftung und Verschwörung dazu in Millionen schweren Fällen aus niederem Beweggrund,

nämlich Profit.

Für ein Gerichtsverfahren indes fehlt uns mehrerlei: Richter, Verteidiger, nicht zuletzt auch eine Rechtsgrundlage und ein Gericht. Hey, immerhin gibt es Angeklagte, Kläger und eine Vertretung, immerhin schon mal was.

Juristisch versiertere als ich seien an dieser Stelle aufgefordert und eindringlich gebeten, ihre geschulte Auffassung im Kommentarbereich zu diesem Beitrag auszuführen: wie könnte die Verteidigung aussehen? Würde sie auf unschuldig plädieren, versuchen, den Nachweis eines Vorsatzes einzufordern, verminderte Schuldfähigkeit aufgrund eines Affekts gutachtern lassen oder gar auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren? Würde sie sich auf Rabulistik verlegen, auf die Kläger zeigen und sagen: „Sie sind doch selbst schuld, denn wenn sie mitgemacht hätten, bräuchten sie jetzt nicht rumzujammern!“?

Nun also die medizinische Anamnese. Irgendeine Art von Geistesverwirrung oder Wahnzustand hat Besitz von der Menschheit ergriffen – oder war ihr schon immer zu eigen und tritt nun erst in all seiner grausamen Pracht zutage. Intelligenz, Logik und Ratio, auch abstrahierende Kreativität, derer sie sich als Alleinstellungsmerkmale unter den  bekannten Lebewesen zu rühmen pflegt, scheinen vollständig ausser Kraft gesetzt und steuern allmählich der Massenapoptose der humanoiden Rasse, wenn nicht gar allen höherentwickelten irdischen Lebens, zum Schutze der restlichen Sternensysteme unseres Universums vor Verseuchung durch diesen Irrsinn entgegen.

Und alle setzten so große Hoffnung in ihre Folgegeneration, daß diese es besser machen würden, daß die Zeit kommen würde, da Schluß mit der Prokrastination der „besseren Welt“ sein würde und wir endlich unsere Technologie, unser Wissen um die physikalischen Gesetze des Universums, die Ökonomie und die psychologischen und neurologischen Abläufe des Gehirns zum Wohle der Menschheit und des Planeten einsetzen würden – Gerechtigkeit, Glück, Frieden, Wohlstand, Freiheit, Freude, Fortschritt, Harmonie und der ganze Scheiß.

Mir scheint also, den Vorwurf der Nichtnutzung des Potentials kann ich ohne zu zögern wechseln – wohl wissend, daß zweimal Unrecht nicht einmal Recht ergibt. Ist es eine schwache Verteidigung, zu behaupten: jawoll, ich habe gewußt, was geschah, ja, ich machte mich mitschuldig durch Nicht-Handeln, war jedoch nie in der Position, all dem Einhalt  gebieten zu können, führte nur die Befehle aus und leistete die mir auferlegten „Pflichten“ aus Furcht vor den Sanktionen derer, die die Möglichkeiten zur Veränderung nicht nur nicht nutzten, sondern mir auch die Wege dorthin versperrten?

Die Verteidigung ist schwach genug, also urteilt in dem Wissen, daß man gemessen wird mit dem selben Maß, mit dem man selbst mißt, wenn Ihr sagt, dies sei das vorsorgliche Lippenbekenntnis jemandes, der sich ein Alibi verschaffen will für den unwahrscheinlichen Fall, daß er eines schönen Tages selbst ins Kreuzverhör der Anklage genommen werden könnte. Laßt bitte Gnade walten, ich flehe Euch an, verzeiht, daß ich mehr nicht getan habe, nicht mehr zu tun wußte, als Texte zu schreiben wie diesen, wenn das Gewissen allzusehr nagte wegen der Mitschuld, die nach reiflicher Abwägung allen Für und Widers auszulöschen oder nicht zu tragen mir nur durch Beendigung meines Daseins möglich scheint.

Laßt bitte mildernde Umstände gelten, wenn ich aussage gegen die wahren Verantwortlichen und die Taten, derer ich mich durch Mitwisserschaft und Duldung mitschuldig gemacht habe, ohne sie benennen zu können, und verweise auf die Wege, die zu gehen, auf die Mittel und Alternativen, die aufzuzeigen ich immer und immer wieder versucht habe und auch jetzt noch versuche. Nicht vehement genug, nicht eindringlich genug, nicht deutlich genug, nicht laut genug, nicht oft genug, nicht leidenschaftlich genug, lautet darauf der Vorwurf? Oder darauf, daß ich nicht vermochte, mit gutem Beispiel voranzugehen, versagte beim Versuch, in meinem Tun ein Heiliger zu sein? Oder darauf, daß ich irgendeine perverse Form der Lust in der Erniedrigung, Demütigung und Beleidigung als zum ewigen Scheitern verurteilter Versager, als unheilbarer Phantast, als in der sozialen Hängematte schmarotzender Bezieher staatlicher und viel zu hoher Hilfeleistungen und in den Faustschlägen gleichenden Maßnahmen des „Forderns und Förderns“ und der „ökonomischen Sachzwängen“ der „globalisierten Wirtschaft“ empfand, ausgeschlossen aus dem Kreis der zu freien Entscheidungen sich selbst, ihrer Bewegungen, Taten, Investitionen und ihre Umwelt betreffend Befähigten und unfähig respektive nicht willens, ohne Rücksicht auf Selbstachtung und Leidensgenossen in diesen einzudringen, weil es mir ja immer noch besser ging als jenen, denen nicht nur der Luxus kärglicher Sozialleistungen, sondern sogar der Zugang zu sauberem Trinkwasser und täglicher Nahrung verwehrt wurde?

Vergebt mir auch, wenn ich mich voller Anmaßung zum Sprachrohr der Verteidigung derer aufschwinge, denen es ähnlich oder genauso und noch viel schlechter geht wie mir, da sie von der Unfähigkeit, eine Anklage zu formulieren, geknebelt sind, wenn ich aufstehe für die, die sich, gefangen in Teufelskreisen und Schuldenspiralen, ihrer Lebensgrundlagen bis auf „Existenzminima“ entzogen, an ein letztes Quantum Lebensqualität klammern, indem sie ihren Weltschmerz, ihre Hilflosigkeit, ihren unbändigen Zorn und ihren unbedingten, da instinktiven Willen zum Leben mit dem Konsum von Drogen und medialem Junkfood sedieren; und beschuldigt mich nicht der zynischen Instrumentalisierung des Leides, wenn ich die in den Zeugenstand rufe, die, von Hunger und Seuchen bedroht, in der „Dritten Welt“ dem gleichen grauenvollen Ende entgegensehen wie die anderen Abermillionen, die wir aus unserer „schönen neuen Welt“ ausgeschlossen und am ausgestreckten Arm verhungern lassen haben, weil sie sich der Zwangsbeglückung durch die Heilslehren unserer Vorfahren widersetzten.

Seht mir auch nach, daß ich das Heil nicht in der Gründung einer Organisation, eines Vereins, einer Partei oder einer Bewegung suche in dem Wissen, wie diese in der Vergangenheit unterwandert und instrumentalisiert wurden, daß alles, was tun zu können ich glaube, darin besteht, diese Homepage zu unterhalten (die nur wenige besuchen), Texte zu verfassen (die nur wenige lesen und noch weniger verstehen), Links zu setzen (auf die keiner klickt), Musik zu komponieren (die fast keiner mag) und Bilder zu pixeln (die ich selbst nicht soo toll finde), kurz, daß es nichts gibt, was in irgendeiner Form einen in Euro und Cent quantifizierbaren Mehrwert darstellt, meine Funktion sich folglich einzig und allein darauf beschränkt, zu fressen, zu scheißen, zu schlafen und in unregelmäßigen Abständen die Punkte des vermeintlich Bekannten zum Hirnknoten meiner eigenen Auffassung von Welt und Wahrheit zu verbinden, indem ich, ohne Rücksicht auf alle Fremdwahrnehmungen, mit ideologischem, fast dogmatischen Eifer das weltweite Finanzsystem, die Weltregierung und das Paradigma des Materialismus an den Pranger stelle und immer mal wieder auf eine andere homöopathische Heilkräutertinktur hinweise, von der ich glaube, daß sie beizutragen in der Lage wäre, das Leben zu einem schöneren und lebenswerteren für alle Menschen und sonstigen Lebewesen zu machen.

Zum allerletzten Mal also: sorry, daß ich lebe. Können wir jetzt weitermachen?

So sieht es nämlich aus, wenn ich zornig bin: es gipfelt alles darin, daß ich mir selbst Vorwürfe mache, mich selbst schuldig fühle für das, was mir und meinen Leidensgenossen widerfährt und schließlich furchtbar viel Energie darauf verwenden muß, mich vor mir selbst zu rechtfertigen. Das kann doch nur äußerst ungesund sein, und wenn das so weitergeht, kann ich auch die Entwicklung einer handfesten schizoaffektiven Psychose nicht ausschließen. Woher kommt das?

Das ist es doch, was wir alle denken sollen; mach doch einfach mit bei unserer Gang, dann wird es dir besser gehen als denen, wir stellen dir ein Weib zur Seite, und wenn du ihr ein Kind gezeugt hast, werden wir dich in der Hand haben, denn dann wirst du bereit sein, alles zu tun, was wir von dir verlangen, weil es gut für uns und besser für dich und dein Weib und dein Kind und für dich ist.

Ich schreibe dies, solange ich mich zum Fassen wenigstens halbwegs klarer Gedanken befähigt fühle; und ich schreibe dies, damit Ihr nicht aus allen Wolken fallt, wenn meine neue Anschrift irgendwann die Stationsnummer der geschlossenen Abteilung einer Nervenklinik ist.

Ich bin doch auch nur ein Teil des Ganzen, trotz allem gepflegten Isolationismus (TV- und Radio-Abstinenz, weitgehende Vermeidung von Tageszeitungen und dergleichen) in ein Netzwerk auf Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen eingeflochten. Soziale Beziehungen nennt man das. Ich bin ein Teil des Kollektivs, dessen Organe die Umkehrung der Täter-Opfer-Beziehung geradezu kultivieren: da sind die Feiernden schuld, daß sie zu der Feier gingen, zu der sie eingeladen waren, daß sie in Panik gerieten, als Streß auf sie ausgeübt wurde und sie den Fluchtreflex nicht ausführen konnten, da sind die Massen schuld, daß sie sich von den Medien steuern lassen, da ist der Sklave schuld, daß er sich von seinem Herren auspeitschen läßt, da ist das Vergewaltigungsopfer schuld, daß der Peiniger seinen Trieb nicht hat kontrollieren können, da ist das Volk schuld, daß seine Regierung korrupt ist, da sind die Hartz-IV-Empfänger zu faul, einen prekären Job bei einer Leihsklavenschinderfirma anzunehmen, da sind die Armen selber schuld daran, daß sie mit ihrer Hände Arbeit die Reichen bereichern, da sind die Ausländer schuld, daß die Eingeborenen ihnen mit Skepsis und Verachtung begegnen – und im übrigen sind sie ja alle nur voller Neid. Ist das etwa Einsteins Erbe, daß nicht nur Zeit und Raum relativ sind, sondern man irgendwie auch Verständnis für die Verständnislosen, Toleranz für die Intoleranz aufzubringen hat, dem Haß Liebe entgegenbringen soll, sein Gehirn dermaßen um die Ecke zu biegen hat, daß Licht Welle undoder Teilchen ist, jenachdem, wie’s unserem Versuchsaufbau gerade in den Kram paßt? Fuck. Und ich soll verrückt sein… wenn es wirklich so ist, dann habe ich mich von der Pandemie des Schwachsinns infizieren lassen.

Da habt Ihr mein Verständnis:

Die arme Rüstungsindustrie, die sich gezwungen sieht, noch tödlichere, noch vernichtendere, noch mehr Waffen zu produzieren, um dem Ruf der Völker nach Frieden Folge leisten zu können!

Die arme Pharmaindustrie, die keine andere Wahl hat, als noch mehr krankmachendes Gift zu mischen, um den Wunsch der Kranken nach Heilung erfüllen zu können!

Die arme Medienindustrie, die gar nicht anders kann, als noch mehr Mindfuck zu fabrizieren, wenn sie den Bedarf an Wissen, Information, Kommunikation und Bespaßung erfüllen will!

Och, und all die anderen armen Industrien, die sich gezwungen sehen, am laufenden Band (oder in den billigen Kinderwerkstätten unterentwickelter Länder) wertlosen und toxischen Schrott zu produzieren, um den von ihnen herbeihypnotisierten Bedarf ihrer zahlungsfähigen Zielgruppen an der Illusion von Luxus, Wohlstand und Bequemlichkeit teilhaben zu lassen.

Die armen, bemitleidswerten Staats-, Regierungs- und Kommunalbeamten, die da noch irgendwem einen kleinen Gefallen als Gegenleistung für die bescheidene Spende schuldeten und den Vorgang der amtlichen Prüfung ein klein wenig beschleunigten und dabei wohl aus Versehen ein wichtiges (nämlich öffentliches) Interesse aus den Augen verloren!

Die armen Lobbyisten der Rüstungs-, Medien-, Pharma- und sonstigen Industrien, die den Regierungen ihre Gesetzesentwürfe in die Kodizes diktieren, getrieben vom Sachzwang und der Angst, ihre tollen Autos, Eigentumswohnungen und infolgedessen Weib und Kind zu verlieren, wenn sie nicht noch ein Knebelpatent, eine Gesetzesnovelle zur Vereinfachung des Vertriebs ihrer Produkte oder ein Verbot ökonomischerer, ökologischerer, sinnvollerer und gesünderer Alternativen zu ihrer Strategie durchgedrückt bekommen!

Ich Armer, der sich ein schlechtes Gewissen einredet, weil er sich den Luxus einer 8GB-Karte zu seinem „neuen“ Handy geleistet hat!

Scheiße, ich bin ja so voller Empathie!!!

An ihrer Stelle würde ich nämlich nicht anders handeln.

Neidlos, unumwunden, frank und frei gestehe ich: ich hätte auch gern schicke Klamotten, ein Dach über dem Kopf, für das ich nicht lebenslänglich Miete bezahlen muß, vielleicht sogar mit einem kleinen Garten dahinter, ein verständiges wie schön anzusehendes Weibsbild dazu, ein Gefährt, das mich von A nach B zu befördern vermag, leckeres und gesundes Essen, Freunde und Nachbarn, die ich dazu einladen kann, eine ehrliche und freudvolle Arbeit, um mir all das zu verdienen, und für den Feierabend eine Mediathek voll guter Bücher und Filme zur Entspannung, Vergnügung und Geisteserbauung – natürlich obendrein all das ohne die Furcht, es von jetzt auf peng wieder verlieren zu können (ich glaube, man nennt das „gesicherte Zukunft“). Und ich wüßte, daß das nur zu erreichen ist durch Akkumulation monetärer Mittel und würde mich, nach dem Erreichen dieses Ziels, vehement für den Erhalt dieses Status Quo einsetzen. So, wie sie es tun. Und dann hochheilig schwören, daß sie mehr zu tun nie in der Lage waren, nur Ausführende waren, im Herzen und eigentlich immer dagegen waren.

Und ich glaube, deswegen bin ich nicht an ihrer Stelle. Nein, ich bin nicht träge, ich verweigere mich bewußt. So färbe ich mir das schön:

ich kann es nicht, mit dem Wissen, wie die Mechanismen funktionieren, ohne auszusprechen, was verkehrt läuft – und könnte nicht aussprechen, daß der Kaiser splitterfasernackend durch die Botanik wackelt, ohne, daß ich dabei Ruf und Rang und Leben aufs Spiel setzte.

Denn der „Luxus“ ist nichts verkehrtes an sich, moralisch, meine ich. Die selbstgewählte Askese hat sicherlich ihren Wert für Meister und Gurus, doch der Ottonormalsterbliche hat, denke ich, einfach ein Lebensrecht auf die Befriedigung der oben so blumig umschriebenen Bedürfnisse der Maslowschen Pyramide.

(…und nur, um Mißverständnissen vorzubeugen: ich habe alles, was ich brauche…)

Wer sich zwischendurch gefragt hat, ob ich den eingangs erwähnten Bogen weiter zu überspannen gedenke, merkt vielleicht, daß ich gerade dabei bin, den Kreis zu schließen.

Also, was läuft verkehrt, was ist die Ursache für die Symptome für die kollektive Geisteskrankheit? Ich habe keinen blassen Schimmer! Aber es gibt da einen neuralgischen Punkt (unter vielen), den ich gerne weitermassieren möchte, weil es mit einer Behandlung allein nicht getan ist. Irgendwann kommt der Patient vielleicht selbst auf die Idee, seine Diät etwas gesünder zu gestalten und Do-In zu praktizieren…

Also: das Wirtschaftssystem. Die klassische Ökonomie geht davon aus, daß der Arbeiter produziert (Waren, Dienstleistungen) und dafür Geld erhält. Geld ist nichts schlechtes! Im Gegenteil. Es ersetzt den Tauschhandel. So haben wir es gelernt in der Schule, und trotzdem stimmt es. Es ist ein „Medium“, etwas „dazwischen“ (d.h. dem Produkt des einen und der Dienstleistung des anderen), weil es idealerweise so schön „flüssig“ (d.h., in der Hosentasche transportabel) ist und nicht verdirbt und was es sonst noch so für tolle Vorteile hat.

Und bei allem Bashing der Moderne: grundsätzlich offenbaren das Internetzeitalter und das der Industrialisierung zu viele optimistische Perspektiven, als daß man aus lauter Furcht vor verstörenden Endzeitdystopien dem Ruf „zurück zur Natur“ Folge leisten, sein iPhone gegen Flint und Holzkeule eintauschen und zurück in die Höhlen kriechen, oder besser noch, sich ein Fell wachsen lassen und auf die Bäume zurückklettern sollte.

Es ist also vollkommen in Ordnung, zu arbeiten, Geld zu verdienen und zu haben, gerne auch, „reich“ zu sein, sich fortzupflanzen, sich weiterzuentwickeln – geistig, bildungsmäßig, technologisch. Und ich sag Euch was: ich habe nichtmal was gegen einen anständigen, ehrenvollen und heldenhaften Krieg. Man kommt trotz Diskutierei nicht auf einen Nenner, ruft die Kumpels an, trifft sich auf dem Feld vor dem Dorf, haut sich gepflegt was auf die Omme, bis einer ganz laut „Aua“ sagt, läßt dabei alle Unbeteiligten in Ruhe und geht hinterher gemeinsam einen saufen, weil nun klar ist, wer der Stärkere und also „im Recht“ ist (hier meine kleine Konzession an alle aufgeklärten Militaristen unter uns).

Meine Kritik richtet sich also nicht gegen Kultur, Geld, Technologie, Wissenschaft und Forschung oder gegen die menschliche Natur, die all das hervorgebracht haben. Schlicht mit Richtung und Modus der seit Jahrhunderten dokumentierten Entwicklung bin ich nicht einverstanden, weil es menschlichere Alternativen gibt. Das möchte ich geklärt haben, bevor ich fortfahre, damit es nicht heißt, ich wollte die Uhr zurückdrehen oder wäre ein unverbesserlicher Utopist, und um nicht jene zu verschrecken, für die die ultimative Forderung nach der Rückkehr zu Stammeskulturen, nach der Abschaffung des Geldes und nach ewigem Weltfrieden ein Disqualifizierungsmerkmal als ernstzunehmender Gesprächspartner ist, weil sie sich vom Paradigma der Pragmatik das Träumen aus dem Leib wichsen lassen haben.

Die widernatürlichen und unmenschlichen Auswüchse unserer Zeit sind meinen umfangreichen und eingehenden Studien zufolge einem einfachen Dogma verschuldet und bedürfen einiger bestimmter, sanfter, einfacher, schmerzloser, heilsamer Eingriffe über mehrere Generationen hinweg – drei bis vier dürften genügen, um die Prägungen zu verarbeiten und zu nivellieren, an denen wir uns heute die ganze Zeit unbewußt stoßen.

Es fängt an mit einigen uralten Weisheiten: wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben; wir arbeiten, um zu leben, und leben nicht, um zu arbeiten. Verbinden wir diese Punkte, folgt, daß schon in der Schule (das Säuglingsalter und der Kindergarten in ihren Funktionen als „Erziehungseinrichtungen“ sind hier nicht ausgenommen), d.h., in frühester Kindheit, am besten mit jedem ab jetzt das Licht der Welt erblickenden Baby eine tiefgreifende Manipulation für den Rest des Lebens erfolgt. Das Wort „Manipulation“ hat ein Geschmäckle von Gewalt, indes ist jede Form der Kommunikation eine Manipulation, ergo (wie, laut Heinz R. Kunze, alles Gelungene) eine Form der Gewalt, und da es nicht möglich ist, nicht zu kommunizieren, und das noch hilflose und auf sein Muttertier angewiesene Neugeborene auf Kommunikation angewiesen ist, kommen wir um die Manipulation nicht herum: es kommt also darauf an, welche Form die Manipulation annimmt, was kommuniziert wird, welche Prägung wir vornehmen, materialistisch ausgedrückt: welche neuronalen Verknüpfungen sich im Kinderhirn verfestigen. Eltern/Erziehende haben es in der Hand, ob sie ihren Sproß zu einer stolzen und mächtigen Eiche heranwachsen lassen oder sich einen impotenten Geisteskrüppelkieferbonsai zurechterziehen.

Daraus folgt, daß Arbeit durchaus Spaß machen kann; mehr noch: sie soll Spaß machen, uns mit Freude und der Befriedigung erfüllen, etwas geleistet, beigetragen zu haben; Arbeit soll anerkannt werden. Daß in der Realität nicht so ist, läßt sich leicht erklären.

Die klassische Geschichtsforschung geht (überspitzt ausgedrückt) davon aus, daß, als die ersten Menschen aus dem an Nahrungsangebot reichen Süden in den Norden wanderten, sie feststellen mußten, daß man sich hier im Winter den Arsch abfriert und demzufolge die Pflanzen einfach unter der Erde bleiben, weil es da so schön kuschlig warm ist. Statt dem in Äquatornähe üblichen dolce far niente dank ganzjähriger Fruchtbarkeit und Überversorgung war Vorsorge angesagt, im Übrigen macht Not erfinderisch, also wurden Felder intensiv bewirtschaftet, Korn in Speicher gebracht, Fleisch geräuchert, Wälder abgeholzt, man brauchte für all das Werkzeug und Fachkräfte, kurz, es entstanden die Vorformen dessen, was wir heute Spezialisierung, Handel und Wirtschaft nennen, und damit traten die ersten Erfinder und Tüftler auf den Plan. Es läßt sich nur mutmaßen, doch es ist davon ausgehen, daß diese ein äußerst faules Naturell besaßen, ging es ihnen doch nur um eines: Produktivitätssteigerung mittels Automatisierung. Statt mit zweiundzwanzig Mann das Korn zu Mehl zu mahlen, ließen sie die Arbeit von Wind- und Wassermühlen erledigen und hatten endlich genügend Zeit, den Fußball zu erfinden.

Diese Entwicklung kulminierte bekanntlich vor nicht allzulanger Zeit in der Geburt der Webmaschine, der Dampfmaschine, der Z-2, des Induktionskochfeldes und des selbstreinigenden Toilettensitzes. Die Geschichte der Arbeit und der Ökonomie kann folglich unmöglich erzählt werden, wenn man das Kapitel „Faulheit“ wegläßt.

Die Faulheit ist also ebensowenig bedingungslos verwerflich und unproduktiv wie die Arbeit notwenigerweise eine üble, ausbeuterische und abstumpfende Plackerei sein muß. Im Gegentum: die gewonnene Zeit der Muße nutzt der freie Geist zum Ersinnen von Dingen, die sein Leben und das seiner Liebsten angenehmer gestalten könnten; die Arbeit dient der Selbstbestätigung, Körperertüchtigung und Decubitusprävention.

Stellt Euch vor, Arbeit und Muße, beides in ausgeglichener Harmonie! Doch, ach, es sollte so nicht kommen. Schon 1883 beklagt Lafargue, daß idiotischerweise der Mensch in der Maschine statt eines Helfers einen Konkurrenten sieht, seine Arbeitskraft dem Fabrikanten noch billiger als die der konkurrenzlos ökonomischen Maschine anzubieten trachtet und Überstunden bis zur Erschöpfung abreißt, da er – fast nichts ist besser als gar nichts – anderenfalls arbeitslos, hungrig und auf Almosen angewiesen Heim und Bett verlöre, und wer schonmal einen Chef hatte, der seine Mitarbeiter regelmäßig an die Hundertschaften erinnert, die im Arbeitsamt antechambrieren und ihm für den Job die Nudel abkauen würden, der weiß, was ich meine. Fast hundertdreißig Jahre sind vergangen, und es hat sich nichts geändert. Man sollte meinen, zwischendurch wäre nochmal einer gekommen und hätte gesagt:

Liebe Leute, das ist Hirnfick, was Ihr da macht! Die einen sitzen, sich zunehmend selbst als überflüssige, da unproduktive und demzufolge lebensunwerte Parasiten wahrnehmend und Depressionen oder kriminelle Energien entwickelnd, am Straßenrande des Existenzminimums und der Gesellschaft, und die anderen machen Überstunden bis zum Burnout, um sich über das faule Gesocks zu mokieren, das sie mit durchfüttern müssen. Denkt doch bitte einfach mal zwei Sekunden darüber nach.

Bitte.

Jetzt.

Danke.

Schließlich ging es in den letzten Jahrtausenden der Automatisierung um nichts anderes, als daß wir alle ein bisschen weniger arbeiten müssen und uns mehr um Dinge kümmern können, die uns wirklich ausmachen: unsere Familien, zum Beispiel, oder reisen, häkeln, Drachen steigen lassen, Bilder malen, meditieren, ein Perpetuum Mobile erfinden, all diese Sachen, die uns gesund, am Leben und glücklich halten.

Also, nachdem der Kreis geschlossen ist und der Geist schön flexibel, können wir ja langsam zur archätypschen Spiralform übergehen. Ich spinne und spanne den Bogen also weiter.

Anarchie hat nichts mit der Abwesenheit von Regeln zu tun. Nennt mich also ruhig einen Anarchisten, wenn ich das offensichtliche behaupte: all die ganzen tollen Gesetze, die gelten, angeblich, um uns voreinander und vor uns selbst zu schützen, schaden mehr, als daß sie nützen. Ein undurchdringlicher Paragraphendschungel, dessen klebrig-giftiges Dickicht nur noch abschnittsweise von den abgefucktesten unter den Anwälten und Steuerberatern begehbar ist, in dessen Lianen und Treibsand sich aber sonst jeder andere unweigerlich hilflos verheddern und verfangen muß, wenn er nur einen Schritt nach vorn oder hinten zu gehen versucht. Wo die natürlichsten aller Daseinsformen, der Handel und die Kommunikation, quasi-kriminalisiert und bei Verstoß gegen das Wort des Paragraphen empfindlich geahndet werden, wo „schuldig bis zum Beweis des Gegenteils“ gilt, muß jede Form der Initiative zwangsläufig jämmerlich ersticken.

Ursprünglich gedacht (das Gegenteil von „gut gemacht“ ist „gut gemeint“!), um Hehlerei, gefährliche Produkte, billige Kopien, windige Geschäftsmodelle, Ausbeutung oder Betrügereien zu verhindern, pferchen die Gesetze das kleine Ein-Mann- oder Familienunternehmen ein, um den homogenen Franchise-Monokulturen und Quasi-Monopolen internationaler Großkonzerne den Zugang zu den Märkten zu erleichtern und zu sichern, die die Kosten für die erforderliche Erfüllung der Sicherheitsbestimmungen sowie für Patente, Gutachten, Steuer- und Rechtsberater undsoweiter mühelos aus der Portokasse bestreiten können – während die kleine Garagenband bei der GEMA bittebitte machen muß, wenn sie auf ihrem Hinterhofkonzi ein paar selbstgebrannte CDs ihrer selbstkomponierten Musik unter’s Volk bringen oder im Netz zum Download zur Verfügung stellen möchte; während der Tante-Emma-Laden aus Furcht vor den unübersehbaren Konsequenzen eines falsch gesetzten Häkchens auf einem der hundertfünfzig Anmeldeformulare bei der Einstellung einer Aushilfskraft und in Anbetracht der Nebenkosten und zu erfüllenden Rahmenbedingungen lieber keinen Job anzubieten hat; während der Betreiber des kleinen Webforums die Anwaltskosten scheut, die mit einem Gerichtsverfahren wegen der Unterlassungsklage eines Abmahnwellenanwalts wegen angeblicher Marken- oder Urheberrechtsverletzung einhergingen und deswegen lieber die Seite vom Netz nimmt…

Nein, ausgekotzt habe ich mich lange noch nicht. Jetzt geht es erst richtig los.

Denn es wäre ja alles nur halb so schlimm, doch es gibt einen sogenannten Wirtschaftskreislauf – die Ups Euro Fuffzig also, die den Garagenrockern in der Bandkasse oder dem verhinderten Tante-Emma-Laden-Aushilfsjobber in der Geldbörse fehlen, werden eines Tages den Unterschied zwischen den Legebatteriehuhneiern und denen der glücklichen, würmerpickenden Hühner vom Bauern im Nachbardorf oder den zwischen von der Nachbarin liebevoll handgeschneiderten Unikaten und in Kinderarbeit massenproduzierten Uniformen ausmachen; Adam Smiths „unsichtbare Hand“ wird dem Markt auf den Rücken gefesselt, und so potenziert sich das „halb so schlimm“, bis es ganz schlimm ist. Natürlich ist das eine „billiger“ und damit wettbewerbsfähiger, doch nur auf den ersten Blick, denn die nicht bezifferbaren gesundheitlichen und moralischen Folgekosten der Zukunft müssen dem egal sein, der sich die sogar ökonomisch eigentlich sinnvollere Investition in die Zukunft zum Zeitpunkt des Kaufes ganz einfach nicht leisten kann (was glaubt Ihr, weshalb es Kernkraftwerke gibt? Weil die Folgekosten für die Entsorgung und Lagerung der Abfälle angezinst werden und in der Zukunft von Jetzt verschwindend gering sind, während sie im Jetzt der Zukunft teuer zu stehen kommen – aber das betrifft glücklicherweise nur unsere Kindeskinder, wenn wir schon längst das Irdische gesegnet haben – da kann es uns pupsegal sein).

Macht nichts, dann weichen wir halt aus auf den Schwarzmarkt; schließlich macht Not erfinderisch; und wo kein Kläger, da kein Richter, richtig? Kfz-Mechaniker mußte sein, Fliesen- und Estrichleger, Elektriker, Maler und Anstreicher, da kannste Nachbarschaftshilfe leisten und dir ein paar Märker dazuverdienen, und mußt nur das florierende Denunziantentum allzu neugieriger oder verfehdeter Zeitgenossen fürchten.

Denn es ist ja nicht so, als ob es keine Arbeit zu tun gäbe, die von Maschinen nicht erledigt werden kann – im Gegenteil. Das Problem liegt darin, daß die Arbeit zu teuer ist, weil alle was abhaben wollen – nicht nur der Chef (berechtigterweise, eigentlich! für das Stellen des Materials, der Maschinen, der Versicherungen und die Vermittlung der Aufträge), sondern das Finanzamt auch noch (berechtigterweise, prinzipiell! für die Finanzierung der öffentlichen Verwaltung und das Aufrechterhalten von Recht und Ordnung), und so bleibt sie liegen. Die Infrastruktur verkommt – Strommasten knicken ein, Straßen verwandeln sich in Off-Road-Strecken, Zugfahrpläne werden ausgedünnt – Alte und Kranke werden vernachlässigt und vereinsamen, statt gepflegt und betreut zu werden, Waldraststätten werden zu Müllhalden, Wohnungen setzen Schimmel an, und es geht auch das Wort von der „Service-Wüste“ nicht ganz von ungefähr. Reden wir gar nicht von der Hilfe, die in den Entwicklungsländern geleistet werden müßte…

Es gibt genug zu tun. Aber wer hebt schon einen McDonald’s-Cola-Becher von der Straße auf und schmeißt ihn in den Mülleimer dreißig Zentimeter weiter, wenn’s ihm niemand lohnt?

Und wir zeigen mit dem Finger auf korrupte Beamte, die mit dem organisierten Verbrechen Stillhalteabkommen schließen und/oder gemeinsame Sache machen…

…und die Gefängniswände kommen immer näher. Kontrolle und Überwachung auf Schritt und Tritt, Datensammelei und Kameras überall, Wegelagerei und gemikrowelltes Nackigmachen beim Reisen, Schnüffelei in der digitalen Post, Quasi-Zensur der öffentlichen Meinungsäußerung, schrittweise Aufhebung des Versammlungsrechts, alles mit schwammigen Verweisen auf wie auch immer geartete und angeblich ubiquitäre Gefahren für das Allgemeinwohl, am liebsten „freiwillige“ Chipimplantate für alle, von „Generalverdacht“ und „schuldig bis zum Beweis des Gegenteils“ kann gar nicht die Rede sein, „schließlich haben wir nichts zu verbergen“ – oder? Oder? Oder gibt es unter uns einen einzigen, der mit Fug und Recht behaupten kann, alle ihn betreffenden Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen zu jeder Zeit zu kennen und zu befolgen? Oder… müssen wir demnächst mit Massenverhaftungen von Schwarzarbeitern, Kiffern, 60-in-der-Ortschaft-Fahrern, Auf-dem-Balkon-Grillern, Batterien-in-den-Hausmüll-Werfern oder politisch Andersdenkenden aufgrund eines Amtshilfeantrags an Google rechnen? Vermutlich nicht, es reicht, wenn man hin und wieder ein Exempel statuiert – hier einen Dissidenten und dort eine Aktivistengruppe herausfiltert – um den Rest mit Furcht und Angst zu lähmen. Sicher ist das weit hergeholt… schließlich leben wir in einer DEMOKRATIE!

Doch der Sommer ist noch nicht vorbei, und die Diskussion um Wikileaks und die Auslieferung Julian Assanges auch nicht.

Daß einer paranoid ist, heißt ja nicht, daß er nicht verfolgt wird.

Wäre ja alles nur halb so schlimm und wäre auch zu vertreten, wenn es bei den auf Wikileaks veröffentlichten Dokumenten um irgendetwas gegangen wäre die nationale Sicherheit betreffend (oder wie das so schön heißt) zum Beispiel – doch es handelt sich um Dokumente eines Krieges, der hauptsächlich – um nicht zu sagen aussschließlich! – aus wirtschaftlichen Interessen geführt wird, nicht etwa gegen eine reguläre Armee, sondern gegen die Zivilbevölkerung eines seit über hundert Jahren von Kriegen gebeutelten Landes, genauso wie in zunehmendem Maße all die anderen Kriege der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte Investitionen multinationaler Konzerne in den Zugang zu Rohstoffen und Absatzmärkten und in Aufträge zum Wiederaufbau waren, für die Banken alle beteiligten Parteien mit den nötigen Barschaften versorgten.

Das ist doch alles nichts neues! All das predigen die Verschwörungstheoretiker doch schon seit Jahren – so langsam sollten wir das Lied im Schlafe herbeten können. Und trotzdem gibt es immer noch die einen, die sagen, dies sei die beste aller möglichen Welten, weil sich diese Mechanismen schon seit Jahrtausenden bewährt haben, die anderen, die das auch noch gut finden, weil alles andere nur in Chaos, Zerstörung und dem Untergang der Menschheit, schlimmstenfalls sogar in einer schlechten Außenhandelsbilanz und einem Sturz des Dow Jones enden würde, den großen ganzen Rest, dem der Durchblick fehlt – beziehungsweise, dem er nicht fehlt, weil er ihn nicht sonderlich vermißt, weil klar und unumstößlich sicher ist, daß – je nach Stammtisch und Talkshow – die Juden, die Hartz-IV-Schmarotzer, die Außerirdischen oder die CDU schuld an der ganzen Misere sind und sowieso gleich Anna und die Liebe läuft und Afrika ganz weit weg liegt, es sei denn, die ganzen Neger da unten gehen uns bei der WM mit ihren Scheißvuvuzelas auf den Sack, und schließlich gibt es noch die Top 10? 100? 1000? 10.000?, die vor lauter Erregung und Vorfreude auf den zu erwartenden Profit ihre Unterwäsche von innen beschmutzen, wenn’s irgendwo auf dem Planeten mal wieder fürchterlich rummst, umsomehr, wenn sie den Rumms höchstpersönlich in Auftrag gegeben haben. Zum Glück, muß man fast sagen, scheinen die untereinander furchtbar im Clinch zu liegen, denn wer weiß, wie weit die uns schon hätten, wenn sie an einem Strang ziehen würden!

(Vermutlich da, wo man uns hat: uneins, zerstritten, hin- und hergerissen zwischen Moden und Ideologien, isoliert, sediert, fixiert, machtlos, sprachlos, unfähig, Stimme und Anklage zu erheben, denn Milliarden von Klägern – und trotzdem kein Richter weit und breit….)

Was liegt da näher als die Vermutung, es handele sich um eine oder mehrere schwarzmagische Sekten, die in okkulten Ritualen die Lebensenergien der menschlichen Biomasse aufzusaugen versuchen, um für sich Unsterblichkeit zu erlangen, und welche Vermutung sollte man auf keinen Fall äußern, wenn man nicht schon immer mal in ein Zimmer mit gepolsterten Wänden umziehen wollte? :-)

Eines muß ja auch den obengenannten Top X klar sein – ausgehend von der Annahme, daß es sich nicht um eine andere Rasse oder um die Statthalter und Kapos einer außerirdischen menschenfleischfressenden Macht (die am 21.12.2012 wiederkommt, um die Ernte einzufahren), sondern um normalsterbliche Menschen handelt, die essen, trinken, kacken, pissen, schlafen und sich zum Selbsterhalt paaren müssen wie alle anderen auch; von der weiteren Annahme ausgehend, daß sie keinerlei Bedarf an Geld haben, da sie es selbst kontrollieren, verwalten, emittieren und nach Bedarf drucken können und höchstwahrscheinlich in schönen Häusern fernab jeglicher Zivilisation wie Götter auf dem Olymp jenes Leben leben, das wir uns als paradiesisch vorstellen: in der Lage, sich jeden Wunsch mit einem Fingerschnipsen zu erfüllen; umgeben von wohlmeinenden Freunden und Verwandten und fähigen Ärzten, die ihnen nicht die pharmazeutischen Quacksalberprodukte verschreiben, die wir uns gefälligst reinzuschmeißen haben, sondern in jenen Heilkünsten bewandert sind, die hier seit Jahrhunderten bekämpft werden; ihre lustvollen Spiele zwischen dem Regenbogenschillern der Fontänen in ihren Parkanlagen und ihre Kontemplationen beim Studium von uns unbekannten Schriften nur gelegentlich überschattet vom Gedanken an die eigene Sterblichkeit – und daß ihr Leben ein noch schöneres und glücklicheres und befreiteres sein würde, wenn sie die Geheimnisse teilen, ihr Gewissen von den Leichen, Leiden und Klagen ihrer Brüder und Schwestern erleichtern würden, indem sie ihre Macht, Befähigung, Wissen und Befugnis einsetzten, Frieden zu stiften.

Man soll ja nicht von sich auf andere schließen, aber persönlich denke ich doch, daß ich’s geiler fände, sechs Milliarden glücklicher Brüder und Schwestern um mich zu haben als mich aus Furcht vor einem aus Verzweiflung und Wut zu jeder Bluttat fähigen Mob von sechs Milliarden Geisteskranken hinter meterhohen Mauern verstecken zu müssen. Indes, wir wissen, wie das funktioniert mit der kognitiven Dissonanz: vermutlich werden sie schon als Fürsten und Prinzessinen geboren, enstprechend indoktriniert und mit einem Glaubenssatz ausgestattet, der ihr zukünftiges Tun rechtfertigt als eine Art höherer Gerechtigkeit oder Notwendigkeit, „weil die da unten“ (also wir) noch nicht so weit entwickelt sind oder das Geburtsrecht nicht erworben haben oder sowas… hat es ja alles schon gegeben in der Geschichte.

Verlassen wir also das Reich der Spekulationen und der Was-Wäre-Wenns – kommen wir nochmal zur Wirtschaft und wie das funktioniert mit dem Geld. Von der Sache ist das ganz einfach: die Zinsen, die wir für ein Guthaben bekommen, müssen irgendwoher kommen, und zwar von den Zinsen, die wir für unsere Kredite und Schulden bezahlen müssen. Nun bekommen respektive bezahlen wir für den Zins ebenfalls Zinsen, was sich mathematisch (bei mir war’s 9. oder 10. Klasse) als Exponentialfunktion ausdrücken läßt – Kapital nach n Jahren gleich Kapital des ersten Jahres mal eins plus Zinssatz von Hundert hoch n, und mit der Exponentialfunktion ist das so, daß sie erst langsam, dann sicher, dann ganz steil und schließlich fast senkrecht und immer senkrechter nach oben steigt. Das ist ganz schick, läßt sich auch wunderbar beobachten, wenn man mal ein paar Jahre sein Sparbuch nicht abhebt oder seine Telefonrechnung nicht bezahlt. Da Geld bekanntlich nur eine Illusion ist, ist das nicht weiter schlimm, es sei denn, die Illusion wird zur Realität in der Form, daß man sich eine Woche vor dem Ersten des nächsten Monats kein dringend benötigtes Paar Schuhe für seine Kinder, einen Arztbesuch oder eine Autoreparatur  mehr leisten kann. So kommt es, daß beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH mit zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags über 1.825.240.000.000 € (entspricht pro Nase ca. 22.360 €)  verschuldet ist und kaum hinterherkommt, die Zinsen zu bezahlen, geschweige denn irgendwann mal dazu kommt, die Schulden mal wieder abzustottern.

Wenn wir den Zins also als eine Art Leihgebür für das Geld verstehen wollen, die zu bezahlen wir gern bereit sind, weil wir davon ausgehen, daß wir nach einer gegebenen Zeit nicht nur das geliehene Geld, sondern auch die Leihgebühr zurückzahlen können, muß angenommen werden, daß es gar nicht gewollt ist, daß wir irgendwann mal wieder schuldenfrei sind, wenn wir noch eine Leihgebühr für die Leihgebühr und dann eine Leihgebühr für die Leihgebühr für die Leihgebühr latzen müssen. Ist ja auch klar, weil’s nicht um das Geld geht, sondern darum, daß der Schuldner der Sklave des Gläubigers ist: die Verleiher haben ein wunderbares Druckmittel, um eine immer höhere Rendite aus ihren Sklaven herauszuquetschen. Versklavt hat sich der Staat in unserem Namen, beziehungsweise, von der klassischen Staatsphilosophie ausgehend, sind wir ja der Staat, also aufgefordert, das letzte aus uns und unserem Boden und unseren Kindern herauszupeitschen.

Die letzte rettende Idee zur Stabiliserung dieses maroden Finanzsystem, die dann auch gleich ausgeführt wurde, war die Erhöhung der Geldmenge, das heißt, die Herabwertung des Geldes, was wiederum nichts anderes bedeutet als eine ebensogroße Anhebung der Schuldenlast. Und während die Fachleute sich in endlosen Schwurbeleien ergehen in uns Unbedarften so wirklichkeitsfremd wie sich auf Protoklingonisch über die perfekte Zubereitung eines Simbelmynësmoothies unterhaltende Trekkies erscheinenden Fachdiskussionen über Leitzinsen, Deflationen und Bailouts, um die einfache Wahrheit zu verschleiern, daß das ganze mit uns nur insofern zu tun hat, daß auch unsere Urenkel nicht den Hauch einer Chance haben werden, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen, weil ihnen ihre Nachfahren wiederum mit dem verklausulierten Verweis auf esoterische Sachzwänge erklären werden, daß sie sich gefälligst den Arsch aufzureißen haben, wenn sie nicht wollen, daß es ihnen schlecht ergeht, sehr, sehr schlecht, ungefähr so schlecht wie den Heerscharen an Nachkommen derer, die heute im Hungerwahn ihre eigenen Kinder verspeisen.

Denn, Ihr werdet es kaum glauben, aber: dieser Automatismus sorgt dafür, daß die Reichen immer reicher werden und die Armen alle Arme voll zu tun haben und trotzdem immer ärmer werden. Das ist keine Begleiterscheinung, das ist kein Zufall, das ist geplant und genau so gewollt von denselben, die das Gerücht vom Tellerwäscher gestreut haben, der Millionär wird, damit alle Tellerwäscher der Welt schön die Schnauze halten, weil sie ja auch mal Millionäre werden könnten.

Sorry, das kann’s ja irgendwie nicht sein, aber wie gesagt, ich habe auch kein Heilmittel, nur diesen Akupressurpunkt, auf dem ich immer mal wieder gerne herumdrücke: denn es gibt eine erfolgserprobte und durch und durch natürliche Alternative (namentlich die Freiwirtschaft nach Silvio Gesell), die sicherlich einer Überarbeitung nach dem aktuellsten Stand des Wissens und einer Anpassung an  heutige Gegebenheiten bedarf, die jedoch ganz und gar illegal ist und also legalisiert werden müsste. Recht und Gesetz sind ja philosophiegeschichtlich nichts anderes manifestierte Ausdrucksformen der Macht und der Gewalt, denn ein Gesetz hat keinen Wert, wenn man nicht die Macht hat, es mit Gewalt durchzusetzen und ihm dadurch Geltung zu verschaffen, etwa, indem man die Nichtbeachtung oder Übertretung zu ahnden imstande ist. Da wir in einer Demokratie, also einer Herrschaft des Volkes leben, ergo dem Volkssouverän die Gesetzgebung mittels der durch ihn autorisierten Deligierten obliegt, und da wir in einer vernetzt-medialen Gesellschaft leben, ergo die Vermittlung von Wissen und Informationen via TV und Tageszeitung, um diese – oder jede ähnlich gelagerte und halbwegs erfolgversprechende – Idee an die Stammtische zu bringen, gar kein Problem darstellen dürfte, und da Wissen und Bildung die höchsten Güter unserer Kultur darstellen, ergo eine kritische Prüfung und ein eingehendes, vorurteilsfreies Studium der Thesen Gesells mithilfe von Computersimulationen und all dem anderen Instrumentarium universitärer Akademik quasi einer kleinen Wochenenddenksportaufgabe gleichkommt, ist es bestimmt ganz leicht, diese Ideen und Alternativen mal zu diskutieren, abzuwägen, auszuprobieren – gegebenenfalls auch wieder zu verwerfen, wenn wir feststellen, daß das auch nur wieder so eine aus der Romantik des 19. Jahrhunderts geborene, utopische Schnapsidee war, wie sie so in den ersten zwei bis drei Dekaden nach der vorletzten Jahrhundertwende halt üblich waren, um gleich wieder als wahnwitzig und megalomanisch verworfen zu werden, denn da waren ja noch Sörgels Atlantropa, Teslas freie Energie, Hitlers Tausendjähriges Reich – oops, hold on a sec…

…und wenn wir dann schon die Gesetzesbücher in der Hand haben, um mal mit dem Staubsauger durchzugehen, können wir auch gleich einen anderen kleinen Beitrag zur Rettung der Welt leisten und unsere Einstellung zum guten alten Hanf überdenken und abwägen, ob wir lieber ein paar harmlose Kiffer kriminalisieren oder uns mit dem Anbau einer uralten, robusten und anspruchslosen Kulturpflanze und ihrer Nutzung als Nahrungsmittel, Papier- und Textilfaserlieferant, Baustoff, Therapeutikum, Bodenauflockerer und Dünger in Brachephasen und als Bioethanolquelle einen Riesengefallen tun wollen. Irgendwo habe ich auch mal gelesen, daß man mit der Hanfsamenernte des landwirtschaftlich erschlossenen Brachlands der USA eine Milliarde Menschen ernähren könnte (so oder so ähnlich, zitiert das bitte nicht, bis ich das verifiziert habe oder es einer von Euch besser weiß).

Ist verboten, weißte. Wegen der ganzen Marihuana-Junkies, die sich erst das Haschisch in die Venen spritzen und dann randalierend durch die Straßen laufen, Schaufensterscheiben einschlagen, Kneipenprügeleien und Messerstechereien beginnen, jedes Jahr Tausende Verkehrstote verursachen, im Rausch Frau und Kinder krankenhausreif prügeln, Öltanker im Meer versenken, das Gesundheitssystem mit ihren Kifferlebern belasten und internationale Konflikte anzetteln, chrchrchr…

Jetzt, wo ich meinem Ärger Luft gemacht habe, geht es mir gleich viel besser. Vielen Dank dafür, daß ich mich bei Euch ausheulen durfte, liebe Leser. So gesehen bin ich eigentlich gar nicht verrückt, jedenfalls nicht im pathologischen Sinne. Klar bin ich nicht ganz dicht, im Gegenteil, ich bin sogar sehr offen für jede gute Idee, die uns der konkreten Utopie auch nur einen Schritt näher bringt!

Gute Nachrichten, drei Viertel von dem Öl sollen schon weg sein: von den extremophilen Mikroben gefressen, abgefackelt, verdunstet… die ganze Kacke einfach weg! Ist doch klasse. Alles nur halb so schlimm, und wir schieben so eine Panik, also wirklich. Und auch noch so schnell! Ob das was mit den Chemikalien zu tun hat, die sie draufgesprüht haben, damit es sich schön verteilt und nach unten sinkt und den Meeresboden bedeckt? Wer wird denn gleich wieder schlechtes denken…

…und morgen steht dann in der Zeitung, das mit den Toten war nur auch nur ein Werbegag, damit zur nächsten Parade wirklich zwei Millionen am Start sind, wartet mal ab.

Halt, nein, was lese ich da: eine große deutsche Tageszeitung „Kämpft für die Meinungsfreiheit“!

Man wird ja wohl noch rechte Hetzparolen äußern dürfen :-) „Ein historisches Dokument“, erklärte ich feierlich der Kioskinhaberin beim Kauf eines Exemplars, das ich mir sogar an die Wand gepinnt habe, „denn in 500 Jahren wird man sagen: damit hat der Anfang vom Ende begonnen.“

Wer Arbeit ablehnt, verdient keine Stütze! Ist richtig, verdienen tut man die nicht. Man hat trotzdem einen gerechtfertigten Anspruch darauf. Steht so in dem Grundgesetz, auf das wir uns so gerne als Beweis unserer humanistschen Aufgeklärtheit und moralischen Überlegenheit anderen Völkern gegenüber berufen.

Zu viele junge Ausländer sind kriminell! Auch richtig. Und es sind vielzuviele alte Deutschländer kriminell, und viel zu viele von ihnen hätten wenigstens eine Wahl. Und nü?

Ausländer, die sich nicht an unsere Gesetze halten, haben hier nichts zu suchen! Wo denn dann? Da, wo sie keine Ausländer mehr sind? Merkt Ihr was? Psychologische Kriegsführung und NLP, Assoziation „Ausländer – Kriminell“ hergestellt, wartet mal ab, gleich kommen noch dazu:

Kinderschänder gehören für immer weggesperrt! Nicht etwa therapiert, geheilt oder verstanden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und bloß keine Ursachenforschung betreiben, es könnte ja sein, daß wir feststellen müssen, daß die ganze Gesellschaft therapiert gehört mit ihrem destruktiven Triebstau.

Ich will mich nicht dafür entschuldigen müssen, ein Deutscher zu sein! Hä? Ego-Probleme? Wofür entschuldigen? Etwa so, wie die Amis sich überall für Bush und den Irak-Krieg entschuldigen „müssen“? Oder schonmal auf die Idee gekommen, einem Japaner eine Entschuldigung für die sagenumwobenen Gebrauchten-Schlüpfer-Automaten  abzuverlangen? Ich nicht. Ich bin ganz dolle stolz, ein Deutscher zu sein, denn wir haben die großartigste Brotbackkultur der ganzen Welt – und das ß. Abgesehen davon war ich immer der Meinung, in den Zeiten des Internets und der Globalisierung wäre diese Art des stumpfen Nationalismus hoffnungslos anachronistisch. Entschuldigung, daß ich ein Mensch bin! Entschuldigung, daß ich lebe.

Auf den Schulhöfen muß deutsch gesprochen werden! Oha. Das werden die Bayern aber gar nicht gerne hören…

Wer arbeitet, darf nicht der Dumme sein! IQ-Tests für Stellenbewerber und Werktätige!

Wer nichts gelernt hat, soll hinterher nicht jammern, daß er keinen Job bekommt! Und ja nicht auf die Idee kommen, den systemischen Lehrstellenmangel der letzten Jahre, die Studiengebühren, den Rückbau der Geisteswissenschaften an den Universitäten, die Inkompetenz des Bildungssystems oder die Wehrpflicht vorzuschützen – oder gar eine Umschulung oder Weiterbildung beantragen wollen!

Popcorn! Feuer frei auf Schmarotzer, Ausländer, Ossis und andere Kinderschänder!

Sarkasmus beiseite. Es wird ja nicht besser, wenn man die Zeitung aufschlägt („Fakt ist: …“), im Gegenteil, da geht es lustig munter fröhlich weiter mit der Hatz auf die Schwächsten in unserer Mitte – denn um die geht es, nicht um den gut integrierten (da S-Klasse fahrenden) Drogenbaron aus Aralistan oder den Vorstandsvorsitzenden des deutschen Bekleidungskonzerns, der die Manufaktur seiner Prestige-Produkte vertrauensvoll in die zarten Hände indischer Kinder gegeben hat und sich so zum „Kinderschänder“ macht.

Es ist so verkehrt nicht, daß diese Debatte geführt werden muß (habe vor kurzem erst mitbekommen, was der Sarrazin sich da ausgedacht hat), aber doch bitte nicht auf diesem Niveau!

Oder will jemand ernsthaft behaupten, diese Form trüge zur „Integration“ unserer ausländischen Mitbürger oder zur „Motivation“ von Langzeitarbeitslosen bei oder dazu, daß ein Pädophiler seine Neigung erkennt und dem Stigma zum Trotz rechtzeitig professionelle Hilfe aufsucht, bevor sich ihm Gelegenheit bietet beziehungsweise der Leidensdruck groß genug wird, diese auszuleben und überhaupt zum „Kinderschänder“ zu werden (als der man sich dank der ganzen Panikschieberei sogar als „normal“ Veranlagter mittlerweile schon fühlen muß, wenn man nur mit dem Lausebengel in der Kaufhauskassenwarteschlange vor sich harmlose Faxen macht oder sich für eine Nanosekunde zu lange von einem offensichtlich geschlechtsreifen, doch ebenso offensichtlich minderjährigem Mädel den Kopf verdrehen läßt).

Habt Angst! Fürchtet Euch! Mißtraut Euch selbst und gegenseitig! Lauft rum wie angesengte Karnickel und kopflose Hühner! Massakriert Euch gegenseitig, damit die es nicht tun müssen! Sucht Zuflucht unter den rettenden Schwingen der Neuen Weltordnung! [fefe]Wir werden alle störben![/fefe]

Nicht zuletzt geht es nämlich auch darum, daß es unmöglich sein kann, daß ich alleine dastehe mit meinen Meinungen, Auffasungen, Gedanken und Gefühlen, weil es unter Garantie genügend andere gibt, die merken: öh, da ist was faul mit der Matrix. So wie Ihr, die Ihr wirklich bis hierhin das Lesen nicht habt sein lassen können. Laßt Euch zurufen: Ihr seid nicht allein! Seid stark, gebt nicht auf.

Ihr seid skeptisch, und das ist gut, denn ich könnte auch einer von diesen Hirnverdrehern sein, bin es vielleicht sogar. Glaubt mir bitte kein Wort, traut mir nicht weiter als von der Tapete bis zur Wand. Dieser blöde Spruch zum Beispiel… wer bin ich denn? „Seid stark“, das ist leicht gesagt. Woher die Kraft nehmen (und nicht stehlen)?

Geht ökonomisch damit um. Verplempert sie nicht für Filme, Zeitungen, Medien und „Freunde“, die Euch mit ihrem Gefühlsvampirismus nur runterziehen, indem sie Euch erzählen, wie scheiße und dem Niedergang geweiht doch alles sei. Laßt Euch aufbauen von herzerfrischenden Büchern, Filmen und Freunden, die Euch sagen, wie toll Ihr seid, einfach nur dadurch, daß es Euch gibt, einfach, weil Ihr den Kampf für Wahrheit, Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit und diesen ganzen anderen Weicheikram noch nicht verloren gegeben habt.

Man sagt, man gebe nichts so gern und freigiebig wie gute Ratschläge, hier also ein paar: geht raus, geht spazieren, jeden Tag; oder, wenn Ihr wißt, wie es geht, übt Euch in einer Meditation Eurer Wahl. Tut jeden Tag ein Ding, von dem Ihr Euch wünscht, jemand anders, oder besser, alle anderen würden es tun, noch besser, alle würden es immer tun (Stichwort McDonald’s-Cola-Becher: brecht mit Erwartungshaltungen!). Laßt Euch nicht einreden, auch von dieser nie den Sabbel haltenden Stimme in Eurem Kopf nicht, Ihr würdet den Ansprüchen nicht genügen. Ihr lebt, das ist Anspruch genug.

Alles leichter gesagt als getan? Nur eine Frage der Übung und der Gewohnheit. Alles Neue ist schwer, und die Meister fallen noch immer nicht vom Himmel. Habt keine Angst vorm Scheitern, das bleibt nicht aus und hat die segensreiche Funktion, uns vor Hochmut zu bewahren – der Schmerz vergeht bald wieder, laßt Euch dessen vom Meisterversager versichert sein.

Und wenn Ihr noch immer zweifelt, dann prüft es nach, geht jetzt raus, macht den Computer aus und geht raus, geht eine halbe Stunde einfach ziellos in irgendeine Richtung, und zählt Eure Schritte, und jemand oder etwas wird Euch begegnen und erfreuen und Kraft geben. Probiert es aus. Jetzt.

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Aus allen Mitten

Dugarun, Gastbeiträge

In der Welt der Erinnerungen
zahlloser begrenzter Welten
möglicher Erfahrungsexistenzen
steuert die kreaktive Hoffnung
meisterhaft aus allen Mitten

Alles ist ihrer Wirklichkeit Sinn

Der Veränderung
zur schöpferischen Vorstellung
fehlt oft mutiger Glaube

Der notwendige Unterschied
ist die Begeisterungsfähigkeit

Das laute Schweigen
in leerer Fülle

Zusammengesetzte Eindrücke
zur Schulung der Erkenntnis
das sich im Anderen erkennt

Die unerschütterliche Pflicht
zur Freiheit der Liebe

Jetzt ist immer hier

Menschentums verkehrte Armut
kann nicht hören

Schweige und handle

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Das Testament des Luzifer

Dugarun, Gastbeiträge

Meine Kinder, dieses ist mein Testament.
Ich bin der Engel, der vom Himmel fiel. Sie nannten mich Lichtbringer, doch mein
Name ist: General Luzifer Horus9,  nomen est omen, Schall und Rauch.
Ich will nach Hause.
Meine Strafe für die gescheiterte Revolution gegen das Allmächtige :
Ich darf erst zurückkommen, wenn ich alle Seelen aus ihren menschlichen
Körpern befreit habe. Ich hatte sie dort eingesperrt, um Macht über sie zu
bekommen. Ich wollte die Allmacht.
Ich habe sie nicht erreicht.
Zur Allmacht fehlte mir das wesentlichste: uneigennützige, bedingungslose
Liebe.
Um diese zu erreichen, hätte ich mein Ego aufgeben müssen.
Dieses Ego hatte ich mir erschaffen, um ein Ich zu sein.
Ein Ich als Teil neben einem Ganzen.
Ich wollte soviel Macht, wie das Ganze sie besitzt.
Ich vergaß in meiner Verblendung, das auch die Liebe zum Ganzen gehört.
Das Liebe das wesentlichste der Allmacht ist.
Und ich vergaß, daß es neben einem Ganzen keinen Teil geben kann,
da alle Teile zum Ganzen gehören.
Ich erkannte nach Ewigkeiten, das auch meine Trennung vom Ganzen
Teil dieses Ganzen ist.
So durfte ich als Teil, meistens durch Schmerzen, lernen, was Liebe ist, so
daß ich auch als Teil die allmächtige Liebe wiederfand, die ich verloren hatte.
Ich danke für diese Schmerzen, denn sonst hätte ich es nicht gelernt.
Ich muss euch befreien, damit ihr diese Schmerzen nicht erleiden müßt.
Es war allein meine Schuld. Liebt einander, so werdet ihr frei.
Und liebt und fürchtet das Allmächtige, das euch, meine Kinder,
diese Möglichkeit bietet und immer geliebt hat.
Fürchtet euch, wenn ihr nicht lieben lernt.
Nehmt nicht meine Schuld auf euch.
Euch trifft keine Schuld, denn die hat mein Bruder auf sich genommen.
Ihr kennt ihn unter dem Namen des Nazareners.
Die Allmacht gab ihm ihre Allmacht.
Weint mit mir um meinen Bruder, den wir getötet haben.
Getötet durch meine Schuld, ihr wußtet es nicht besser.
Doch freut euch auch mit mir, denn das Allmächtige hat ihm das ewige
Leben gegeben, was auch euer Erbe ist.
Lest und hört seine Worte. Handelt allein aus uneigennütziger Liebe.
Ihr seid keine Körper.
Körper sind Gefängnisse, die ich erschaffen habe, um euch kontrollieren
zu können. Ich habe euch die Angst vor dem Tod einprogrammiert.
Es gibt keinen Tod.
Ihr alle seid unsterbliche Seelen des Allmächtigen..
Ich will nach Hause, doch nicht ohne euch.
Ich bleibe sterblich, bis ihr alle wieder unsterblich seid.
Ich bleibe, bis ich auch den Letzten befreit habe. Ich liebe euch.
Vergebt mir meine Schuld, damit das Allmächtige mir vergibt.
Mein Name ist Luzifer Horus 9. Ich will nach Hause.

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Linktip: Der Prophet und das Geld

fundstücke

Es gab mal ein Büchlein von Khalil Gibran, es hieß „Der Prophet“, eine sehr poetische, unterschwellig doch sehr bissige und doch treffende Anleitung zum Glück, wenn man es so nennen möchte: lauter Binsenweisheiten und tiefschürfende Einblicke in das Wesen des Lebens und der Freude.

In „Der Prophet und das Geld“ von Angelika Garbaya kehrt der Prophet zurück und nennt seinen Jüngern die Ursache für einen großen Teil unseres Leides: das Geld, vielmehr das Geldsystem, das wir benutzen. Das Thema hatten wir hier auf den Dugarun auch schon das ein oder andere Mal, schließlich sind wir Politiker und interessiert am Wohlergehen der Weltvolkswirtschaft und kamen dabei schonmal auf das Thema Freigeld zu sprechen.

In blumigen, doch leichtverständlichen und nicht ganz so dolle großkopferten Worten spricht nun der Prophet vor seinen Zuhörern davon, daß wir mit einem anderen Geldsystem – einem, in dem das Geld dem natürlichen Prozess des Verfalls, also des Wertverlustes ausgesetzt ist, anstatt „unsterblich“ zu sein (analog zum Verfaulen einer Tomate, dem Verschleiß einer Maschine oder der technischen Überalterung eines elektronischen Gerätes) – unserer Wirtschaft und unserem Leben nachhaltig und ganzheitlich zu Gerechtigkeit und Fortschritt verhelfen können. Ja, es geht auch hier um die Abschaffung des Geldes, wenn auch nur auf Raten – immerhin ein Schritt!

http://www.der-prophet-und-das-geld.de/

1 Kommentar

Konsequent weitergedacht.

Dugarun

Jaja, das hier ist konfus. Es ist selbstreferenziell. Es ist überflüssig und mehr Rausch als Signal, mehr Meinung als Information. Schamlose Selbstdarstellung, eitle Koketterie mit der Pose der Bescheidenheit, Maskerade der Benevolenz vor der häßlichen Fratze des ungezügelten und größenwahnsinnigen Egoismus.

Der Vorwurf der Enttäuschung trifft nicht. Ja, sie hatten alle große Erwartungen an den eigentlich immer so höflichen, schüchternen, irgendwie intelligenten und dann wieder so jähzornigen, verzweifelten und in Tränen des Selbstmitleids aufgelösten Jungen, der einsam sein wollte, wenn er in Gesellschaft war und mit Freunden, wenn allein. Uncooler Aussenseiter und Streber den einen, fauler Tagedieb, Träumer den anderen, Spinner, Fantast, der es nie zu etwas bringen würde, weil er nie zuende brachte, was er anfing, selten in die Tat umsetzte, was er sich an Luftschlössern erträumte.

Was sie niemals wußten, auch nur ahnten: da war eine Welt, in die er die wenigsten einen flüchtigen Blick werfen ließ, niemanden je ganz betreten ließ. Dabei war sie kein großes Geheimnis, weder so grausam noch halb so wunderschön, wie die meisten wohl vermuteten, sich erhofften für den Fall, daß er doch eines Tages die Tore zu seinem Phantasiereich öffnen, die Zugbrücke herunterlassen und das Fallgatter heben könnte, um einzufallen in die Ahnung von paradiesischer Höllenlust, eine Scholle zu ergattern und die Bodenschätze auszubeuten –

nein, ganz und gar uninteressant und öde gleichgültig war es in ihm geworden. Was kümmerte es ihn, was andere dachten, sagten oder durch Nicht-Denken und Schweigen zu wissen preisgaben? Sollte ein jeder in ihm sehen, was er sehen wollte, es war ihm so egal wie ihnen offenbar seine eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Träume, Gedanken und Gelüste.

Da wurde ihm jedoch klar, daß es anders bestellt war. Die Mauer, mit der er seine Vorstellung des Utopias gepanzert hatte, mühsam aufgeschichtet aus dem mineralischen Kristallwuchs logischer Gedankenverkettungen, verstandesmäßigen Einsichten und intellektuellen Erwägungen, dieses Bollwerk war aus dem Stoff gemacht, den sie auszubeuten versuchten – ja, seine Befähigung zu kreativer Analytik wollten sie sich servil machen – sie sahen gar nicht die Schönheit der diamantenen Seen, verschneiten Berggipfel und tiefgrünen, vor Leben und Bornen strotzenden Wälder, die er im Herzen verborgen hielt, nicht die schroffen Steilküsten, an denen wütend schäumend sich hier die Ozeane brachen oder dort sanft liebliche Palmenstrände umspielten. Nein, in Karren transportierten sie die Logik hinfort, mit der er das Reich vor ungeladenen Monstern zu schützen versucht hatte, trugen von aussen den Schutzwall seiner Defensive ab, die er von innen mit wachsender Verzweiflung zu flicken versuchte, während sein Paradies immer kleiner wurde und ihre Behausungen sich mit dem edelsten schmückten, das er aus dem Innern geborgen… ein Informatiker sollte ihnen sein, ein Studierter, ein auszubeutender Steinbruch.

Halt! Genug!

Wütend brach er ein Loch in den Wall, schliff die Zinnen, stürzte die Wehrtürme, öffnete die Tore weit und holte die Flaggen und Wimpel ein – offen lag sie nun da, seine Welt, sollten sie kommen und verwüsten, verpesten, verseuchen, was war dabei, eines Tages würde er sich ohnehin trennen müssen, und vielleicht, so dachte er, nein, wagte er heimlich zu hoffen, war unter den Gästen eine Seele, die er bisher zu Unrecht ausgesperrt hatte, die die Blüte des schon im Vergehen begriffenen Paradieses in den Sommer und den Herbst selbst hinein zu verlängern vermochte. Vielleicht betrog er sich selbst, ein letztes Mal, und nichts würde übrig bleiben als Einöde, ein Mahnmal als warnende Erinnerung an die Gefahren der schutz- und rückhaltlosen Selbstoffenbarung; ein Trosthauch verfing sich in seinen Sinnen, daß, wenn dies nicht mehr war, nun wenigstens ein winzigster Flugsame den Weg hinausfinden und ein sonniges Plätzchen zum Reifen und Keimen auffinden könnte, um heranzuwachsen zu einem mächtigen Baum – oder wenigstens einem Blümchen von bescheidener, doch zierlicher Schönheit, lange, nachdem es ihn überhaupt noch kümmern würde.

Willkommen! Strömt herein! rief er in Gedanken. Dies ist mein Garten! Er scheint Euch verwahrlost und verwildert, denn so liebe ich ihn – ungezähmt und urwüchsig – doch gebt acht vor dem Ungeziefer und Getier, den Bestien und Schlingpflanzen, den Klüften und dem brüchigen Eis, dem Zornestosen des sturmgetriebenen Meeres. Und diese giftigen, schwefligen Sümpfe hier, der Morast meiner Sünden und traurigen Schuld, den verbergen zu können ich glaubte: einen Damm will ich Euch hindurchbauen aus dem Gewerk meiner aufgehäuften, lückenhaften und unvollkommenen Logik.

Willkommen. Was zu tun sei, wollt Ihr wissen? Nein, das wollt Ihr nicht, denn ihr wisst es schon längst; es steht geschrieben in den heiligen Schriften Eurer Propheten, in den Thesen Eurer Apologeten des Wandels, des Fortschritts und den tradierten Weisheiten volkstümlicher Sprichwörter, in den Pamphleten, Essays und Aufsätzen und kilometerlangen Regalwänden Eurer Bibliotheken unbequemer Denker, Dichter und Philosophen; einzig, es zu tun fehlen Euch der Mut oder die Entschlossenheit oder beides, und sowohl das eine als auch das andere kann ich Euch schwerlich geben, nenne es doch selbst kaum mein Eigen.

Von wegen! daß wir in einer besonderen Zeit leben, nur, weil es das Internet gibt und man in Quasi-Nullzeit Informationen mit dem gesamten Globus austauschen kann. Von wegen! daß wir eine besondere Rasse oder Laune der natürlichen Evolution sind, da der wissenschaftliche Fortschritt uns ungeahnte Erkenntnisse über das Wesen des Universums, des Seins und des Lebens geliefert hat.

Noch immer sind wir gefangen im Aberglauben des finsteren Mittelalters, gebannt von einem übermächtigen Zauberspruch, hypnotisiert von der melodiösen Lästerzunge eines abscheulichen und hungrigen Drachen, fast ausnahmslos willfährige Anhänger einer Selbstmordsekte, die Verfall und Entropie zum höchsten Dogma erklärt hat, Diener und Sklaven der Furcht vor einem selbstgeschaffenen Techno-Golem. Der Erdball ist unser Gefängnis, die Städte Irrenhäuser, die überfüllten und wie Pilze sich vermehrenden Justizvollzugsanstalten seine Hochsicherheitstrakte und Nervenkliniken die Einzelhaftzellen.

Freiheit, sagt Ihr? Liebe, sagt Ihr? Ohne die geringste Ahnung, womit Ihr diese Symbole verknüpfen sollt, welches Ding sie bedeuten. Friede; und Freude? Pleonastisch definiert als Antithese zu unerwünschten Zuständen Eurer Seele und Eures Geistes, doch per se unbegriffen.

Diese sind zu reich und jene zu arm, und dann ist da das Dosenpfand und der Zensurwahn im Internet. Man muß durch dreiundzwanzig Läden laufen, um eine beschissene Pfandflasche wieder loszuwerden, Plastiktüten kosten mittlerweile überall fünfzehn Cent, die Politiker sind korrupt und die Zeitungen gekauft. Im Fernsehen läuft nur gleichgeschalteter Müll und unsere Jugend verblödet. Die Kinder werden immer früher immer brutaler, übersexualisiert und verwahrlost. Die Luft ist verpestet, die Flüsse vergiftet, die Bäume krank und die Tiere sterben aus. Die Pharma-, die Finanz- und die Rüstungsindustrie diktieren der Politik ihre Forderungen an die Gesellschaft in die Gesetze und melken das letzte Quantum Energie aus den Menschen. Eine riesige Verschwörung hat sich gegen uns gerichtet und plant, zwei Drittel der menschlichen Erdbevölkerung durch Aushungern, Vergiften, Verseuchen und künstliche Viren auszulöschen, zu ermorden, hinwegzuraffen, grausam, herzlos und eiskalt – den Rest als Sklavenarbeiter in den Städten einzupferchen, mit Chips auszustatten und jede ihrer Bewegungen, Äußerungen und Ideenkeime zu überwachen und in einem riesigen Computernetzwerk der stagnierenden Singularität zu verarbeiten, um ein für alle Male jeden Gedanken an Aufstand auszumerzen. Die Regale in den Kaufhäusern quellen über von nutzlosem Ramsch und künstlichen Nahrungsmitteln, die keine Nahrung sind, bunt verpackt und doch zu teuer für jeden, der nicht in der Lage oder willens ist, sich dem Paradigma vom Wohlergehen des Stärkeren zu beugen. Die Müllberge wachsen über den Horizont von der ganzen Scheiße, die wir zu brauchen glaubten. Eine Energiekrise bedroht uns, und ein Sonnensturm, und die gesamte Infrastruktur wird zusammenbrechen – diese modernen computerisierten Autos nicht mehr funktionieren, Handys, Telefone, Internet und Stromversorgung nutzloser Schrott sein, die Menschen in den Krankenhäusern verrecken, weil die künstlichen Beatmungsgeräte ihren Geist aufgegeben haben und die Notstromaggregate den Dienst verweigern – oder schlicht kein Diesel vorhanden ist, weil er zu teuer ist, weil es ohnehin kein Erdöl mehr und keine Mittel für das Gesundheitssystem gibt. Das gesamte verfickte Scheißdreckssystem ist ein gigantischer Eisenbahnzug, tonnenschwer, beschleunigt bis zur Weißglut seiner Achsen, Räder, Naben und Einzelbestandteile, und noch exakt 1323 cm entfernt von dem Punkt, da die Gleise unvermittelt aufhören und eine riesige Felswand sich erhebt – diese Maschinerie ist verdammt, auf brutalstmögliche Weise ihr Dasein ins Universum auszuhauchen, und Ihr alle, wir alle, mit ihm.

Was soll es mich kümmern? Früher oder später werde ich sowieso sterben, warum genieße ich nicht mein Leben bis dahin, als gäbe es kein Morgen, lebe in jeden Tag und erfreue mich an dem, was noch geblieben ist – an den Blümelein, die aus dem Straßenasphalt sprießen, so, wie ich mich in einer Einzelzelle erfreuen würde an jedem Sonnenstrahl, der durch das hohe Fenster auf die eingeritzte Zeichnung an der Wand gegenüber fällt. Beachte einfach nicht den sich langsam erhebenden Irrsinn um mich herum, ignoriere die Schlagzeilen auf den Zeitungen, die hässlichen, rohen und dummen Primitivlinge, die zwangsläufig meine Wege kreuzen müssen und jedesmal den Wunsch in mir nähren, auf furchtbarste, bestialischste Art ihr Leiden zu verlängern und einen grausamen Tod unausweichlich zu machen: indem ich nichts tu.

Was zu tun sei? Die naheliegenste und schlußendliche Konsequenz ziehen, Eurer Furcht Euch stellen, die Euch davon abhielt, zu hinterfragen, was so bequem und gewohnt Euch wurde, endlich diese unsichtbare Wand durchbrechen, gegen die Ihr immer wieder laufen werdet, solange Ihr sie nicht niederreißt, aufhören, wie ein ungebumster Bugs Bunny um den heißen Brei zu tanzen. Euer Blut reinigen von dem Gift, das Eure Eltern und Lehrer und Meister und Professoren und Priester und Quacksalber und Scharlatane und Schwarzmagier über all die Millennia injizierten und vererbten. Ihr wollt mein Utopia? Schafft Euer eigenes, seid kreativ, denkt es, fühlt es, spürt es, wie es sein soll, wie Ihr es gerne hättet, wie es sein soll, wie es Euch glücklich macht.

Ach, Eure entsetzten Gesichter und Abwehrhaltungen, vorhersagbaren Verteidigungsmechanismen und hilflosen Argumentationstrategien, wenn ich Euch das Liebste zu nehmen drohe. Wollte ich Eure einzige Tochter entführen, wärt Ihr nicht halb so erschüttert wie wenn ich an den Grundfesten Eurer irrationalen Selbstverständlichkeit rüttel und sage: schafft das Geld ab. Wie Ihr pfeifend die Luft einsaugt, um wie aus der Pistole geschossen zu entgegnen – gerade so, wie man es Euch beibrachte – die einzige Alternative wäre der Tauschhandel – und man könne ja wohl kaum mit dreihundert Sack Kartoffeln den Gegenwert für einen Computer entrichten. Wie Ihr Euch verstrickt in die Paradoxien und Widersprüche, um Euer höchstes Gut zu erhalten, wenn eine neue Technologie wie das Internet die Basis des Eigentumparadigmas in Frage stellt. Geistiges Eigentum, ha! Dieses Lied gehört Dir? Habe ich es Dir weggenommen, als ich es auf meine Festplatte kopierte, weil es auf Deiner Homepage zum Download ausgestellt war? Oder – hast Du es noch…? Und was ist mit der Karotte? Ist sie Dein, weil Du sie gesät, oder gehört sie sich selbst, oder uns allen? Ist sie weg, wenn ich sie verspeist habe, oder ist sie mehr weg, weil sie in Deinem Eigentum verbleibt, weil das Angebot die Nachfrage übertraf und deswegen in Deinem Lager verrottet, oder gibt es bereits eine Kopie, die im nächsten Jahr im Felde wachsen wird? Herrscht tatsächlich ein Mangel an irgendetwas über-lebenswichtigem, sodaß man es wegnehmen könnte? Oder leben wir auf einer Sphäre des Überflusses, des ungleich und ungerecht verteilten Überflusses?

Weg, wegger, am weggsten? Oder vielmehr immer noch da, immer wieder neu? Getreide, Früchte, Wasser, unser aller Erbgut, vom Beginn unseres Daseins anteilig legitimer Besitz aller Lebewesen, Bedingung zur Durchsetzung unseres Naturrechts der Bedürfnisbefriedigung und gottgegebenen Daseins- und Selbsterhaltungsberechtigung?!

Schafft Euer Geld ab, schafft Eure Gesetze ab, wenn Ihr keine Kriminellen sein wollt, wenn Ihr nicht arm sein wollt; wenn Ihr tatsächlich daran glaubt, das utopische Ideal eines Paradieses wäre denk- und machbar, „vielleicht, eines Tages“, – und das tut Ihr, schon längst hättet Ihr sonst Eurem Dasein ein gnädiges Ende bereitet, kaum würdet Ihr sonst in politischen Debatten Euch ergehen und räsonnieren und diskutieren und Euren Willen zur Zukunft und Euer Verständnis der Vergangenheit durch Teilnahme an politischen Prozessen offenbaren, sondern würdet alle Hoffnung fahren lassen, Euch ergeben, gebeugten Hauptes kniend und jammernd die Handgelenke auf dem Rücken gekreuzt Eure Tyrannen anflehen, Euch in Ketten zu legen und auch das letzte bisschen Macht, Freiheit und Verantwortung sich zu nehmen.

Wimmernd der eine, zornig der andere von Euch, allesamt wutentbrannt japsend, da Ihr diese ungeheuerlichen Spottworte vernehmt, die grausame Arroganz, die nichts anderes sein kann als die Anzeichen einer langsam ausbrechenden, vielleicht ansteckenden Geisteskrankheit eines gebrochenen und von eigenen Dämonen gequälten Egos, eines gescheiterten Verlierers, die Verzweiflungstat eines Irren, kurz bevor er unter Hieb-, Stich- und Schusswaffen die Innenstadt aufsucht und mit eiskaltem Lächeln ein gräßliches Massaker veranstaltet, bis sein Blut sich, vergossen von herbeigerufenen Sicherheitskräften, mit dem der unzähligen von ihm wahllos Hingerichteten und ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und Stand abgeschlachteten Opfern in den Gullis des marmornglitzernden Konsumtempelkomplexes mischt: Das Geld abschaffen? Die Gesetze abschaffen? Wie soll das funktionieren? Die Diskussion wird zum Rückzugsgefecht, du hast ja recht, es wäre ja schon schön, allein, es ist zu spät, wir können nichts mehr tun, ich würde ja, doch alle anderen müßten mitmachen, doch sie sind zu dumm und ungebildet, und wir können nur das beste daraus machen, und so schlecht geht es uns ja nun auch wieder nicht – Feiglinge! Erbärmliches Pack! Vielleicht verdient Ihr es ja gar nicht anders, aber kommt nur, kommt nur herein, willkommen in meinem Utopia. Gebt acht auf die Disteln, Dornen und Brennesseln und die Klapperschlangen, wir nähern uns dem Herzen des Paradieses.

Sät keinen Weizen, wenn Ihr Kartoffeln ernten wollt, sät ihn nicht in die Flußläufe und auf den kargen Felsen, Kretins, Idioten, Wahnsinnige, Bürger des globalen Dorfes Schilda! Ihr versenkt einen Schatz im Meer und markiert die Stelle am Schiff; ein Weiser deutet auf die Sonne und Ihr schaut auf den Finger!

Ich habe Eure sogenannte Weisheit mit dem goldenen Löffel gefressen, um sie Euch gut verdaut in die Kloschüssel Eurer Hirne zu pressen. Geld ist Macht? Geld regiert die Welt? Geld ist die Wurzel allen Übels?

Wer regiert das Geld? Wer hat die Macht? Was nährt die Wurzel, wenn nicht Eure fungoiden Triebe und gierigen Gelüste? Als ob die Welt brach läge, gäbe es kein Geld mehr! Als würden alle Melodien verstummen, aller Wissensdurst versiegen, alle Quellen staubig werden, wenn wir nicht ständig diese bunt bedruckten Klopapierfetzen anbeteten wie einen übermächtigen Götzen, der uns jeden Wunsch zu erfüllen vermag, solange wir nur grausam und selbstsüchtig genug uns gerieren im Umgang mit unserer Umwelt!

Oh, Ihr habt gehört, daß Computer dumm, nur an Ergebnissen zu liefern in der Lage sind, was man ihnen vorher eingegeben hat, daß man es Input nennt und Output, Ihr habt gehört vom Pawlowschen Hund und der Spieltheorie und dem Behaviorismus. Und doch füttert Ihr die zarten Gedankenwelt der Folgegeneration, die armen, unschuldigen Kinderhirne mit all der unverdauten Scheisse, aus Angst, sie könnten Euch überflügeln, eine höhere Kenntnis erlangen, kappt die Triebe ihrer Rebellion gegen Euern Wahn, beantwortet ihre neugierigen Fragen mit dem selben vergifteten Bullshit, an dem Euer eigener Wille zum Höheren und zum Schönen verwelkte; tadelt ihren natürlichen Egoismus und Überlebenstrieb, indem Ihr ihnen die vor nahrhafter, sättigender Milch überquellenden Brüste der Natur vorenthaltet und stattdessen die vorgekauten Plastikspeisen aus den Regalen Eurer Unterdrücker in die noch zahnlosen Münder stopft, und wundert Euch, daß die Welt vom Schlechten zum Schlimmeren fortschreitet.

Und wenn einer käme, um Euch zu sagen, daß es ein Wundermittel gibt, eine heilige Pflanze, einen Stein der Weisen, einen Born ewigen Lebens, vor Furcht würdet Ihr erstarren, an Eure liebgewonnenen Glaubenssätze Euch klammern, denen zufolge dergleichen ganz und gar unmöglich sein muß, dieser Verrückte ein Gesandter luziferischer Mächte, ein Verführer, sein Geschenk in Wahrheit die Büchse der Pandora, ihr würdet ihn niederschlagen und auf Euren Marktplatz zerren und in aller Öffentlichkeit teeren, federn, aufhängen, steinigen, vierteilen oder sonstwie henken und im beruhigten Gewissen, die Welt gerettet zu haben, in Eure vertrauten Wohnungen heimkehren und Euren vertrauten Fernseher einschalten und die vertrauten Sendungen ansehen, bis in den vertrauten Abendnachrichten gesagt wird: ja, in der Tat, eine Ausgeburt der Hölle muß das gewesen sein, die vorschlug, die Wüsten zu begrünen, die Wasser zu reinigen, wahre Weisheit und die Befähigung zum Lernen, Studieren und Entscheiden die Kindheit zu lehren, die Mauern zu schleifen, die Türen zu den Schatzkammern und geheimen Bibliotheken ihrer Schlösser zu entledigen! und Ihr beruhigt in Euer vertrautes Bettchen sinken könnt, während irgendwo auf dem wunderschönen Erdenrund wieder ein paar Negerkinder abkratzen, weil sie nichts zu Fressen zwischen die Kiemen bekommen oder allen besseren Wissens zum Trotze aus purer Verzweiflung verseuchtes Wasser getrunken haben.

Dieser Bach, liebe Besucher, kommt aus der Mitte meines Reiches, er schlängelt sich wie ein blaues Mäander quer durch das ganze Land und rauscht nun, seines Dammes beraubt, als breiter Strom hinaus in Eure Welten… hier noch sprudelt und plätschert er munter durch sein von Wäldern und Auen gesäumtes Kieselbett, drum nehmt Euch ein Herz und springt hinüber… ich nenne ihn Rubicon, denn hier beginnen die Hochebenen der ewigen Glückseligkeit.

Wenige seid Ihr geworden! Wo bleibt der Rest? Versunken in den Sümpfen, erstarrt in der Kälte der Gipfel, die wir erklommen und hinter uns gelassen, ertrunken im Malstrom, der vor der Küste seinen greulichen Schlund nach Nahrung aufreißt? Sei’s drum.

Ja, Ihr habt vertraut – vertraut den Versprechungen Eurer Priester, Götter und Politiker, die Euch eine bessere Welt weissagten, solange Ihr nur ihren Weisungen folgtet, und Ihr vertraut immer noch. Nicht, weil dieses Vertrauen jemals belohnt worden wäre, sondern aus Mangel an Alternativen –

hier ist sie! Eine neue Generation, eine neue Welt, eine neue Ordnung des Chaos, die Sicht der Dinge durch das Mikroskop eines galaktischen Riesen, der den dritten Planeten unseres Sonnensystems, in Fixierlösung getunkt, begutachtet.

Alles ist Veränderung, ob nun Fort- oder Rückschritt, ist lediglich eine Frage der Perspektive. Der Tod ist nah, und er ist uns Trost und Hoffnung zugleich, daß die Dinge sich verändern werden, nach uns so sehr, wie sie es taten, bevor sie uns hervorbrachten, um bald darauf zu vergehen. Es geht nicht um Schuld und Sühne, es geht nicht um Verantwortung oder darum, was getan werden muß, weil es alles einerlei ist.

Es geht nicht darum, was wir erreichen wollen, denn morgen schon könnte der Mond uns auf den Kopf fallen und all die Gedanken wären umsonst gewesen. Lohnt dann alles Streben nicht?

Den Duft einer Rose atmen – lohnt sich nicht, diese zwei Schritte hin zum Strauch zu gehen, so gleichgültig die dabei entstehende Lust auch zufolge allen Scheissegalphilosophien im universalen, teleskopischen Kontext ist?

Auf diesen Feldern dort blüht der Hanf. Es ist eine anspruchslose Pflanze, die nur wenig mehr als Sonnenlicht und genügend Wasser benötigt, sie wurzelt tief und lockert das Erdreich, sie wächst schnell und ist sehr ergiebig – die Fasern ihrer Stengel eignen sich zur Herstellung äußerst langlebigen und feinen Papiers, als Baumaterial, als Grundstoff für vergleichsweise robuste Textilien und allerlei andere Erzeugnisse. Die Samen des Hanfs sind sehr schmack- und nahrhaft, enthalten vitale Fette und sind äußerst vielfältig in ihren Anwendungsmöglichkeiten. Seine Blüten eignen sich als Medizin für diverse Schmerzzustände oder als Portal in andere Wirklichkeiten. Und die Leute, die dort mit Karren und Erntegerät kommen, werden noch vor Anbruch der Dämmerung gemeinsam bei Met und Bier beisammensein, und tanzen, und spielen, gemeinsam, dem Geiste der Natur zu danken.

In diesem Haus wohnt ein Arzt, der Kräuter kennt, die viele Arten von Leiden lindern können, Nahrungsmittel, um die Leiden zu vermeiden, Anwendungen und Massagen, ja, Worte und Zauberformeln, um die im Geiste niedergedrückten von ihren Seelenschmerzen zu befreien. Er genießt einen ausgezeichneten Ruf, und er weiß, daß man ihn schätzt, die stärkste Währung und der fürstlichste Lohn dieser Welt.

Drüben im Dorfe gibt es einen Lehrer, der den Kindern ihre Fragen beantwortet, sie lehrt, zu erringen, was sie sich wünschen, im Einklang mit den Geistern der Natur und den Gesetzen des Universums; auch ein paar fahrende Musiker, die auf der Straße zur Freude der Vorübergehenden und Stehenbleibenden aufspielen und jedem, der es wünscht, ihre Internetadresse geben, wo man ihre Melodien herunterladen und bei sich tragen kann.

Gerade ist wanderndes Volk zu Gast in der Stadt, das sich anbietet, verschlissene Wohnungen zu renovieren oder ein Haus für die neugegründete Familie zu bauen, damit bald die Urgroßeltern einziehen können, wenn die Leibeskraft sie verläßt, doch ihr Geist und Wissen noch von unschätzbarem Wert für das schon im Schoße einer Schönen keimende Leben sein werden. Von ihrer Wanderschaft haben sie Neuigkeiten aus allen Ecken und Enden der Welt mitgebracht von Bekannten und Freunden, von Ereignissen der Freude und des Glücks.

Drüben auf dem Hügel der Typ, der hat sie nicht mehr alle, er schaut ins Teleskop seines Himmelsobservatoriums und phantasiert, es müsse doch möglich sein, eines Tages eine Siedlung auf dem roten Planeten zu errichten, des Menschengeschlechtes, nein, Gaias veredelten Samen in den zu erschließenden Boden zu pflanzen, damit er neue Früchte trage und vom Wind der Gelegenheiten hinausgeblasen werde zu noch ferneren Sternen.

Und die Leute, die Ihr dort seht, sie kommen gerade von den Feldern, um ihre Freude über die reiche Ernte mit ihren Freunden zu teilen, das Lager für den Winter zu füllen, damit niemand hungrig sein muß, wenn der Schnee die Häuser peitscht.

Was? Ach das! Natürlich ist das ein Transporter, was denkt denn Ihr? Klar zurück zur Natur, doch nicht zu Fuß. Nein, keine Angst, er hat einen Elektromotor, der gespeist wird von den Kollektoren, die tief im Süden der Sonne Licht in Wärme und diese in Elektrizität umwandeln, er bringt gerade die Tageslieferung Südfrüchte, wir leben doch nicht mehr im Mittelalter… die Infrastruktur funktioniert ganz hervorragend, danke der Nachfrage, schließlich wird hier nach Bedürfnissen produziert. Wie, Du hast das so verstanden, daß hier Steinzeit herrscht? Quatsch!

Der technologische Fortschritt ist doch faszinierend! Herauszufinden, was möglich ist, ohne der Umwelt Schaden zuzufügen, im Gegenteil: ihr zu nutzen, ihr zu dienen! Mit dem Internet Wissen auszutauschen über die Gepflogenheiten dieses Bienenstammes oder jener Pandabärenpopulation; mit halbautomatisierten Landwirtschaftsmaschinen das Getreide zu bewässern und die Ernte einzufahren und computergesteuerten Segelschiffen Güter rund um den Globus zu verschicken, jeder das Beste seiner Region, damit alle etwas davon haben! Blödsinn, „Arbeitslosigkeit“. Es gibt genug zu tun, und jeder macht, was er am besten kann und woran er am meisten Freude findet, gibt, worauf er stolz sein kann im Wissen, anderen eine Freude zu bereiten, weil er damit seine Seele vergrößert.

Und jetzt laßt das Nörgeln sein, Ihr sucht doch nur irgendwas. Gleichschaltung, blabla. Auf einmal. Darum geht es doch gar nicht, sondern darum, daß jeder die Freiheit und Möglichkeit hat, sich selbst zu verwirklichen, glücklich zu sein, ja, sogar die Freiheit hat, unglücklich zu sein, wenn ihm das irgendwann mal lieber sein sollte. Aber das ist doch kein Zustand auf Dauer. Nicht hier, im Paradies der Spinner, im Utopia der Freiheit. Tragen sie nicht alle Kleider nach ihrem Geschmack, ihre Frisuren so schmuckvoll, wie es ihnen beliebt, ist ihre Rede nicht herzerfrischend offen, anstatt durch unehrliche Höflichkeit verletzend?

Aber ich kann Euch noch so sehr einen vom Pferd erzählen… geht hin, fragt die Leute selber. Klar werden sie meckern, hier über dies und da über das. Das tun sie immer irgendwie, das tun sie, um ihren Standort auf dem Weg zum Ideal zu verorten – es ist eine Form des kollektiven Selbstbewußtwerdens. Und daher glaube ich, daß Ihr die ein oder andere Beobachtung machen werdet, Euch wohlfühlen könntet in den anarchischen Verhältnissen meines Utopias.

Die Führung ist beendet, soviele sind wir ja auch gar nicht mehr – haben sich wohl ein paar im Wald verirrt… ich könnte Euch die Bibliothek noch empfehlen, oder die Weberei… ach, macht doch, was Ihr wollt.

Tja, meine Liebe, die scheinen sich jetzt alle irgendwo umgucken zu wollen und lassen uns beide hier ganz alleine. Der größte Trupp läuft zu den Hanfbauern, als hätte ich’s erwartet… die beiden besuchen den Marsbesiedelungsexperten und lassen sich von ihm wohl sein Algengewächshaus zeigen, mit dem er lebensfeindliche Planeten terraformen will… auch gut… was ist mit dem? Auch weg, naja… hatte der nicht eine Nasenflöte dabei? Der ist bestimmt unterwegs zu den Musikern.

Was ist mit Dir – kommst Du mit? Ich zeige Dir meine Hütte… nein, ist nicht weit, liegt direkt an der Quelle des Rubicon, schön im Wald… Du hast doch hoffentlich keine Angst vor Hunden? Magst Du Katzen? Ja, eine weiße mit total flauschigem Fell und einen schwarzen Kater. Ich müßte noch Kaninchenbraten von gestern im Ofen haben… puh, und ich dachte schon, Du bist Vegetarierin. Wär auch nicht schlimm, aber ich finde, wenn man ein Tier gern hat, dann ist das in Ordnung, ich sehe das so: man tötet es zwar, aber es hätte ja gar nicht erst gelebt, wenn ich nicht – okay, Du verstehst, was ich meine. Das ist halt der Lauf der Natur, in der Natur ist nichts wirklich grausam. Aber das da draußen, das war einfach komplett hirnrissig… diese industrielle Lebensvernichtung, mechanisiertes Leiden… zum Kotzen, deswegen habe ich es mir hier zurechtgemacht. Da sind wir schon –  wollen wir reingehen oder setzen wir uns auf die Terrasse? Ich koch uns dann nur eben ‚nen Tee… und räum ‚nen bißchen auf… sag mal, wie heißt Du eigentlich?

So dachte er, und die Mauer war nicht mehr. Sollten sie kommen.

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